Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
Mit Tanita Tikaram kommt ein Superstar der späten 80er in die Dresdner Tante Ju

Mit Tanita Tikaram kommt ein Superstar der späten 80er in die Dresdner Tante Ju

Es war nicht alles schlecht in den 80ern... Gegen Ende des bleiernen Jahrzehnts gab es ein Musikdebüt, das aufhorchen ließ. Eine tiefe, raue, kräftige Stimme, die so melancholisch-wissend klang, dabei unterschwellig eine ordentliche Portion Sex transportierte, dass man kaum glauben mochte, dass die junge Frau, der sie gehörte, gerade mal 18 Jahre alt war.

Voriger Artikel
Dresdner Kreuzchor ist am Pfingstwochenende bei vier Auftritten zu hören
Nächster Artikel
Gegengewicht zum allzu Kontrollierten - Yefim Bronfman spielte in der Dresdner Semperoper

Tanita Tikaram bei einem Konzert 2012 in Wroclaw.

Quelle: Maciej Kulczynski/dpa

Fotos von ihr mit Strickstrumpfhose und Minirock bewiesen jedoch eindeutig: Hier stand ein Schulmädchen. Ein sehr ernstes Schulmädchen, das definitiv mehr Leonard Cohen studiert hatte als Mathematik. Das ganze Tage in Bibliotheken verbrachte, nicht fernsah, aber jedes Wochenende ins Theater ging. Das die Schauspielerin Vanessa Redgrave verehrte.

Der Ausnahme-Teenager hatte sagenhaften Erfolg: Vier Millionen Mal ging "Ancient Heart" - der Titel muss natürlich auf sie selbst bezogen werden - über den Ladentisch; ein Jahr hielt es sich in den Charts. Dabei hatte die 1969 in Münster geborene Tochter einer malaysischen Mutter und eines indischen Vaters - Militärangehöriger der britischen Streitkräfte - erst zehn Monate vor der Veröffentlichung ihren ersten öffentlichen Auftritt absolviert! Gleich auf dieser Debüt-Produktion fand sich ihr bis heute größter Hit "Twist in my Sobriety". Tikaram ging zwei Jahre lang nahezu nonstop auf Tour, nahm nebenher die zweite CD "The Sweet Keeper" auf, wiederholte damit annähernd den Verkaufserfolg des Debüts, wenngleich darauf kein Mega-Hit war.

Danach gingen die Verkaufszahlen zurück. Die Aufbruchstimmung der frühen 90er schien nicht zu den nach wie vor verhalten-melancholischen Songs zu passen, zum Timbre der Stimme, das vom Film Noir kündete und Geheimnisse bot. So bietet beispielsweise das 95er Album "Lovers in the City" den perfekten Soundtrack zum urbanen Leben jenseits des Hypes. Für alle diejenigen, die schnell wieder skeptisch geworden - oder immer geblieben waren. Die darauf folgenden "Cappuccino Songs" allerdings überschritten die Grenze vom Nachdenklichen zum Belanglosen. Da war keine Substanz mehr, das waren wirklich Stücke, die sich nur als Hintergrund zum Kaffeetrinken eigneten.

Tikaram nahm sich eine Auszeit, lebte in Italien und Paris. Sieben Jahre lang. Zu hören gab es die alten Stücke, nicht nur von den eigenen CDs, sondern auch immer wieder im Radio. Fast schon eine Erinnerung. Dann, 2005, ein Comeback nach Maß. Die Kritikerin des englischen "Guardian" schrieb, die Sängerin sei "in ihre Stimme hineingewachsen". Seidig und zugleich rau, intelligent und gefühlvoll klingt "Sentimental". Kein Versuch, Charts-Erfolge zu wiederholen, was auch nicht passierte, dafür anrührende Liebeserklärungen. An wen, das blieb wie das meiste in ihrem Privatleben verborgen.

Und wieder eine lange, lange Pause. Dann, im vergangenen Jahr: "Can't Go Back". Wiederum waren sieben Jahre vergangen, wieder scheint Tanita Tikaram geduldig gewartet zu haben, bis Songs kamen, die es wert waren, gesungen, gespielt, aufgeführt zu werden. Erfolgreich. Nicht in den (Verkaufs-)Maßstäben der ersten Alben - wieder einmal scheint der Albumtitel programmatisch zu sein - aber in der Kritikerresonanz. Die Stücke der leider sehr kurzen CD (knapp 40 Minuten!) arbeiten mehr mit Jazz, Gospel und Blues-Elementen als früher, man hört den Einfluss von Produzent Paul Bryan (Aimee Mann), Stimme und Art des Gesangs sind jedoch nach wie vor unverwechselbar. Ernst. Ernst zu nehmen. Unbedingt hörenswert!

Getourt hat Tanita Tikaram seit der Mammuttour nach "Ancient Heart" nicht. Jetzt, mit der aktuellen CD, hat sie es wiederentdeckt, sagte sie kürzlich bei einem Interview mit MDR Figaro. Ein Grund mehr, Pfingstsonntag bei der guten, alten Tante Ju aufzuschlagen. Es wird ein Fest. Versprochen!

iSonntag, 20 Uhr, Tante Ju. Support: Klangteppich aus Dresden. Karten 38 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.05.2013

Beate Baum

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr