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Mit Leidenschaft und Kompetenz für Kultur: Peter Zacher ist tot

Mit Leidenschaft und Kompetenz für Kultur: Peter Zacher ist tot

Das Bild bleibt unvergesslich, wie er nachdenklich, meist noch bedächtig eine Zigarette rauchend, vorm Theater oder Konzerthaus steht. Seine wachen Augen, die halb über die Brille schauen.

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Peter Zacher, 2010 bei einem Vortrag in Grafenegg.

Quelle: Matthias Creutziger

Sein warmherziger Gruß und seine unverstellte Freude, wenn er Bekannte sieht. Seine Konzentriertheit, die er - meist am Rand der Zuschauerreihe, als ob er Enge nicht ertrage - den Musizierenden, den Singenden oder Darstellenden zukommen lässt. Und wie er, ist das Programm beendet, nicht das Ende des Applauses abwartet, sondern eilig das Haus verlässt.

Seit längerem ist Peter Zacher nur noch selten in Konzert, Oper und Theater gesehen worden. Die ihn vermissten, waren voller Sorge, und diese war berechtigt. Denn Peter Zacher war auf eine gewisse Art auch ein rastloser Mensch. Einer, dessen Intensität, die Ereignisse und Entwicklungen um ihn herum wahrzunehmen und kritisch zu begleiten, körperlichen Tribut forderte. Die letzten Monate waren von besonderen gesundheitlichen Problemen belastet. Immer wieder aber behielt der Drang weiterzumachen die Oberhand, sagte er im Gespräch mit mir, dass er hoffe, wieder teilhaben zu können an dem, was ihm so wichtig war, am Kulturleben der Stadt.

Am Sonnabend hat er den Kampf verloren. Im Alter von 74 Jahren ist Peter Zacher in Dresden gestorben.

Ist der ein sonderbarer Mensch, der sich von Äußerlichkeiten nicht leiten lässt und vom Mitschwimmen in der Masse nichts hält? Wenn ja, dann war Peter Zacher ein Sonderling. Der Lebensweg des 1939 in Berlin Geborenen, den es nach acht Semestern Theologie- und Musikwissenschaftsstudium in Leipzig an die Elbe verschlug, um hier an der TU Dresden Messtechnik zu belegen, wies manche überraschende Richtungsänderung auf. Dresden aber blieb Peter Zacher treu. Er begann, Englisch-Übersetzungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu übernehmen. Seine Fachkenntnisse in verschiedenen Gebieten und seine immensen sprachlichen Fähigkeiten machten ihn zu einem gesuchten Dolmetscher.

Eine Art von Dolmetschen war auch das, was zu einem seiner Hauptbetätigungsfelder werden sollte: das Verfassen von Artikeln, Interviews und Musikkritiken. 1980 begann Peter Zacher, Rezensionen für die damalige Dresdner Tageszeitung "DIE UNION", nach 1991 dann für die "Dresdner Neuesten Nachrichten" und weitere Medien zu schreiben. Er wurde zu einer der wichtigsten Stimmen seines Metiers. Ein Peter Zacher war immer ein Peter Zacher: wiedererkennbar in Stilistik und Direktheit, beeindruckend im Umfang seines Wissens, nicht belehrend, aber Erkenntnis vermittelnd - und ja, subjektiv. Mancher hat sich gerieben an dem, was er schrieb, Interpreten und Publikum gleichermaßen. Aber man hat ihn respektiert, geachtet - und war neugierig zu wissen, was er schreiben würde nach einem gemeinsam erlebten Abend. Mit Hans Böhm, der altehrwürdigen Dresdner Kritikerlegende, dessen Erinnerungen er in langen Gesprächen aufgearbeitet und in Buchform gegossen hat, teilte Peter Zacher die Kompromisslosigkeit seines Urteils, auch wenn beide längst nicht immer einer Meinung waren.

Die Kunst der Rede, die aus beeindruckender Bildung gespeiste und diese vermittelnde Fähigkeit, kluge Gedanken zu äußern, kam Peter Zacher auch zugute, als er 1990 für Bündnis 90/Die Grünen in den Dresdner Stadtrat einzog. Mit Kompetenz und Leidenschaft stritt er für die Belange der Kultur. Es ist nicht vermessen zu behaupten, dass die Dresdner Kulturszene ohne sein Mitwirken heute nicht die wäre, die sie ist.

"Noch im Oktober saß Peter Zacher in der Aufführung des War Requiems von Britten durch die Singakademie Dresden. Auch danach begegneten wir uns noch bei Konzerten", erinnert sich Ekkehard Klemm, Leiter der Singakademie und Rektor der Dresdner Musikhochschule. "Ich lernte ihn während meines Studiums kennen. Bereits damals fiel er durch seine Unabhängigkeit auf. Gleichermaßen unterstützte er neue Musik, aber auch völlig andere Ansätze wie jenen von Mikis Theodorakis, dessen Musik er ebenso schätzte wie er sich vehement für ihn einsetzte. Peter Zacher konnte unbequem urteilen, jedoch waren seine Texte fundiert und nie verletzend. Er wusste um die existenziellen Auseinandersetzungen, denen sich die Aufführenden mit jedem Auftritt stellen. Nicht das perfekte Gelingen stand im Vordergrund, sondern die inhaltliche Aussage, die Interpretation und - wenn man das so nennen darf - der Charakter eines Abends. Ein Charakter war auch Peter Zacher. Mit ihm wird Dresden eine wichtige Stimme fehlen - wir sind ihm alle zu großem Dank verpflichtet!" Und dieses Wir meint Künstlerinnen und Künstler ebenso wie das Dresdner Publikum und die Leserschaft seiner Texte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.02.2014

Kerstin Leiße

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