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Mit ICAS trifft ab heute ein internationales Soundnetzwerk auf Hellerau und verschiedene Orte in Dresden

Mit ICAS trifft ab heute ein internationales Soundnetzwerk auf Hellerau und verschiedene Orte in Dresden

Diese Vermutung bestätigt das aktuelle Klangkunstfestival mit dem beeindruckenden Namen "ICAS - International Cities of Advanced Sound Networking Tomorrow's Art for an Unknown Future", das von heute bis Sonntag in Dresden stattfindet.

Was das sein soll? Eine Mischform aus Clubkonzerten, öffentlichen Interventionen, mehrtägigen Konferenzen, Filmvorführungen, Hacklabs (offener Raum für Hacker) und Ausstellungen, mit Veranstaltungen im Festspielhaus Hellerau, im Lab15 im Industriegebiet, im Alten Wettbüro sowie im Thalia-Kino und dem Kunstraum Hole of Fame. ICAS ist etwas, das auf ECAS basiert, einem europäischen Netzwerk unabhängiger, gemeinnütziger Organisationen, das sich der Klangkultur und anderer, verwandter Künste verschrieben hat. In diesem Rahmen führte man fünf Jahre lang entsprechend progressive Festivals und Veranstaltungen durch, immer mit starker Einbeziehung der vor Ort agierenden Künstler. Weitergehen wird es in der Abkürzungsorgie übrigens mit SHAPE, einem neuen, europäisch-übergreifenden Klangkulturprojekt.

Nun aber ICAS in Dresden. Die Zusammenführung dieser 20 vergleichbaren Musikorganisationen und ihrer Künstler. Das Festival der Festivals. Laut Pressetext auch der Versuch, mit der zunehmenden kulturellen Unsicherheit umzugehen, und zwar mithilfe der sozialen Werkzeuge, die wir bisher zu entwickeln in der Lage waren. Das klingt natürlich eher nach Vision als nach konkretem Festivalplan. Es bedeutet vielleicht, dass es eben um etwas mehr geht, als nur hinterm Rechner zu stehen und abgefahrene Musik zu produzieren, dass man mitgestalten will, kulturelle Sonderwege und neue Konzepte dem bereits Dagewesenen vorzieht. So versuchen manche der internationalen freien Künstler, die alle in der Musik verhaftet sind, sich in ihren Performances, Filmen oder Live-Sets mit dem auseinanderzusetzen, was sie umgibt. Andere wollen in Workshops und Gesprächen vermitteln, dass Interaktion, Zusammenarbeit und Wagemut die Zukunft möglicherweise besser machen können. Der Festivalsound basiert ja auf technischen Experimenten und damit auch auf einer wichtigen Quelle unseres gesellschaftlichen Fortschritts. Die Trans-Media-Akademie Hellerau - die Organisation hinter dem in Hellerau ausgetragenen Festival für computergestützte Kunst CynetArt - ist nicht grundlos einer der Gastgeber des Über-Festivals.

Rund 50 internationale Künstler nehmen an ICAS teil. Auf dem Programm stehen auffallend viele düstere bis dystopische Klänge. In die Happy Vibes-Schublade jedenfalls greift niemand. Eine bessere Zukunft, man stellt sie sich irgendwie fröhlicher vor. Doch vielleicht soll Übermorgenmusik etwas anstrengend klingen, damit wir aufwachen aus unserem "Alles ist gut, solange wir nur dazu tanzen können"-Gefühl. Der aus Texas stammende J'Kerian Morgan, er arbeitet längst in Berlin, produziert jedenfalls so etwas wie eine elektronische Weltuntergangsstimmung. Hernan Gonzalez alias Cooptrol stammt aus Südafrika, lebt in Uruguay, ist Schlagzeuger und liebt polyrhythmische Synthesizer. Das belgisch-italienische Duo Lumisokea alias Koenraad Ecker and Andrea Taeggi experimentiert mit analoger Hardware und elektronischem Noise, der sich live durch dichten Nebel und weißlich-graues Laserlicht arbeiten muss. Oder Moritz Simon Geist, Kopf des Ensembles Sonic Robots und aktueller Artist in Residence des Freistaates Sachsen: Er kennt sich mit klassischer Musik, aber auch mit 3-D-Druck aus, beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Robotik zur Gesellschaft und propagiert musikalische "Anti-Passivität".

Und es gibt auch etwas in der Stadt zu sehen, also in jenem Lebensraum, in dem das ICAS seine Langzeitwirkung erzielen will. Die sogenannten "BUQS" (so etwas wie elektronische Käfer) von Teun Verkerk & Joris Hoogeboom werden auf der Alaunstraße an Wänden, Bäumen oder anderen Oberflächen herumkrabbeln und den Klang ihrer Umgebung aufnehmen. Sie können von Passanten angefasst, neu platziert und damit im Klang beeinflusst werden. Verkerk studierte Interaktionsdesign und Architektur und versucht mit seiner Kunst, die mediale Technologie in die echte Welt zu übertragen. Auch lokale Künstler werden - ganz in der Tradition des ECAS - beim ICAS mitmachen. "Phantasialand" heißt zum Beispiel das Projekt von Uncanny Valley-Musiker Credit 00, der als Alexander Dorn auch malt, performt und fotografiert. Menschen können in seinem selbstgebastelten Delfinarium herumspazieren und am Ende Teil seiner Inszenierung werden, in die er selbst als Delfindompteur eingreift.

Konzeptionelle und performative Veranstaltungen dürften einen großen Teil des Festivals ausmachen. Was genau einen allerdings beim ICAS erwartet, ist noch ungewisser als die gesellschaftliche Zukunft.

Das "ICAS - International Cities of Advanced Sound Networking Tomorrow's Art for an Unknown Future"-Festival ab heute bis 3. Mai an verschiedenen Orten in Dresden statt. Ein Festival-Komplettpass kostet zwischen 44 und 50 Euro.

www.icasfestival.net

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.04.2015

Juliane Hanka

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