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Mit Haut und Haar - und Arbeit: Cecilia Bartoli sang in der Dresdner Frauenkirche - und wurde vom Publikum gefeiert

Mit Haut und Haar - und Arbeit: Cecilia Bartoli sang in der Dresdner Frauenkirche - und wurde vom Publikum gefeiert

Auch ohne Hochglanz-Programmheft zur Tour. Ohne ein einziges Plakat in der Stadt. Frauenkirche ausverkauft. Mit einem Programm, das vielleicht ein Atemholen war nach all dem Drumherum um der Sängerin jüngste CDs mit Musik des Barockkomponisten Agostino Steffani.

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Cecilia Bartoli bei ihrem jüngsten Konzert in der Frauenkirche.

Quelle: Oliver Killig

La Bartoli zieht immer. "Mozart und die Wiener Klassik" also für Dresden, in den Tagen danach auch für Concertgebouw Amsterdam, Palais des Beaux-Arts in Brüssel, Salle Pleyel Paris, jeweils dargeboten gemeinsam mit dem grandiosen "kammerorchesterbasel" unter Leitung von Muhai Tang.

Zu erleben war ein Streifzug durch die Epoche, der neben Mozart und Haydn eben auch in deren Schatten stehende Namen präsentierte: Josef Myslivecek, Johann Baptist Vanhal, Joseph Martin Kraus. In Kauf nehmen musste man für diese Vielzahl, dass aus diversen Sinfonien nur je ein Satz erklang. Dass die teils sehr feine Musik damit in die Gefahr geriet, nur Füllstoff fürs Atemschöpfen der Sängerin zu sein, milderte das famose, auf zeitgenössischem Instrumentarium spielende Orchester ab mit seiner tief gelebten Musizierlust: Wunderbar geschmeidige Phrasierungskunst prägte etwa Mysliveceks Ouvertüre zur Oper "Medonte", eine belebende Mischung aus untergründigem Drive und leichtfüßigem Esprit das Finale aus Vanhals Sinfonie g-Moll, ein tief beeindruckender, weil ungemein beseelt und natürlich musizierender Solist - Christoph Dangel am Cello - im Adagio cantabile aus Haydns Sinfonie Nr. 13 D-Dur.

Für die Güte des Orchesters sprach nicht zuletzt, dass es trotz der raumgreifenden Präsenz Cecilia Bartolis immer wieder Blicke und Ohren auf sich zog, dass es ungemein sensibler Partner war, aber tatsächlich auf Augenhöhe. Das muss man erst mal schaffen bei einer Sängerin von diesem Format, dieser Ausstrahlung. Die - mitten durchs Publikum - den Raum betritt, ihn quasi einmal einatmet und schon mit dem ersten Ton noch die hinterste Ecke erreicht hat. Mozarts berühmte Motette "Exsultate, jubilate" zum Warmlaufen stand inhaltlich etwas abseits, es folgten Arien und Szenen, die von schmerzhafter Liebe tönen und in der Bartoli Verkörperung mit Haut und Haar fanden. Dass die Mezzosopranistin immer mit einer ins Innerste tauchenden, jede Faser ergreifenden Unbedingtheit singt, ließ zuzeiten mutmaßen, das könne so nicht mehr lange gut gehen. Aber es geht gut, weil Cecilia Bartoli über eine stupende Technik verfügt. Ja, Singen ist Arbeit. Und Herz und Bauch und Seele. Und so formt und feilt sie Phrasen, streichelt oder knetet Töne, färbt Stimmungen, parliert in Koloraturen. Drei Mal verkörperte sie die tragische Figur des Sesto aus "La clemenza di Tito" ein. Zwei Mal in Mozarts Version, darunter "Parto, parto" in exquisitem Einklang mit dem Klarinettisten Etele Dósa, ein Mal mit den wahrlich nicht uninteressanten Klängen Mysliveceks. Die Dramatik stieg mit Rezitativ und Rondo "Ch'io mi scordi di te" aus Mozarts "Idomeneo" (wunderbar auch hier die Interaktion mit Konzertmeister Stefano Barneschi) und erreichte ihren Höhepunkt in Haydns Scena di Berenice. Hier, zum Wechsel von den Hosenrollen in die Abgründe weiblicher Seelenlandschaften, war dann doch auch ein Garderobenwechsel fällig. Dann tauchte die Bartoli ab in Metastasios Geschichte um die ihren künftigen Schwiegersohn liebende Berenice, barmte, tobte, flehte. Und kehrte danach nur ganz langsam wieder zurück in das Hier und Jetzt in der Frauenkirche, in der das Publikum jubelte und stehende Ovationen spendete. Ein bisschen herzerfrischende Tändelei noch à la Cherubino ("Voi, che sapete"), noch einmal das perlende "Alleluja" aus "Exsultate, jubilate", hier und da ein Händeschütteln mit Hörern, Abgang. La Bartoli zieht immer. Und immer noch zu Recht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.11.2013

Sybille Graf

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