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Mit George Harrison und Tony Iommi - Die Roaring 420s brachten die Groove Station in Dresden zum Beben

Mit George Harrison und Tony Iommi - Die Roaring 420s brachten die Groove Station in Dresden zum Beben

Der erste Blick: Nach unten. Auf der Bühne der Groovestation sitzt George Harrison, mit seiner Sitar; diesem unförmigen, sagenumwobenen Instrument. Der verzaubernde, schwebende, obertonreich singende Klang, wie er durch Harrison bei "Norwegian Wood" in die europäische Popmusik eingeführt, und von ihm mit "Within You Without You" der Pop fast vollkommen vom indischen Klang ersetzt wurde.

Beim zweiten Blick: Das ist gar nicht George, das ist Flo. Der Sänger und Sitarrist der Roaring 420s. Sitarrist? Trifft es ziemlich gut. Nach dem indisch angehauchten Anfangsstück wechselt er von der elektrischen Sitar an die elektrische Gitarre, nur um später im Set zum Hammond-Organisten zu mutieren. Mit seiner notorisch gelangweilten Stimme erinnert er an Thurston Moore, der statt Sonic Youth aus Versehen mit einer psychedelic Band aus den Sixties spielt.

The Roaring 420s sind extrem retro, was aber gar nichts macht. Das liegt auch daran, dass sich die Band aus Dresden hörbar viele Gedanken um ihren Sound gemacht hat - das Schlagzeug besteht aus dumpfen Toms und dünnen Becken, der Bass klingt warm und rund, die Gitarren werden durch verschiedene Effekte zum flattern und wabern gebracht. Die Songs sind zur Hälfte poppige Popsongs und zur anderen Hälfte lange, ausufernde Psychedelic-Trips. Dabei bleibt immer der Groove erhalten, hier aus der Chemie zwischen Schlagzeug, Bass und wahlweise Orgel entstehend. Über diesen Grooves agiert Gitarrist Berk, der mit langem schwarzen Haar unweigerlich an den jungen Tony Iommi erinnert, und auch spielerisch von ihm beeinflusst zu sein scheint - spielt er doch ebenso melodiöse Soli.

Die Geheimwaffe der Band aber ist Schlagzeugerin Lulu - ihre von hinten unterschwellig hereingesungenen Beach-Boys-Chöre sind das i-Tüpfelchen zur Vollendung des Roaring-420-Sounds. Bei dem gelungenen Serge-Gainsbourg-Cover "Laisse tomber les filles" übernimmt sie den Hauptgesang, was zum Höhepunkt des Abends hätte werden können. Wenn sie nicht in einem späteren Song während ihres Drum-Solos noch höher, nämlich auf ihren Schlagzeughocker gestiegen wäre. Von dort aus spielte sie selbstverständlich weiter, um dann mit ihren Sticks und gemeinsam mit Bassist Martin neue rhythmische Klänge aus dem elektrischen Bass zu holen.

Während all dem: Die gut gefüllte Groovestation tanzt durchgehend, mit jedem Song kommt mehr Bewegung ins Publikum. Man kann bei den Roaring 420s einfach nicht stillhalten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.02.2014

Falk Ulshöfer

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