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Mit "Floor on Fire - Battle of Styles" startet in Hellerau ein neues Format

Mit "Floor on Fire - Battle of Styles" startet in Hellerau ein neues Format

In Flammen stand das Festspielhaus Hellerau nicht, die Flammen der Begeisterung aber loderten bei der ersten Ausgabe des neuen Formats "Floor on Fire". Vielleicht angelehnt an den gleichnamigen Song samt Video mit entflammtem Boden rund um den aus Kuba stammenden, amerikanischen Rapper Pitbul.

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István Simon, Tänzer des SemperoperBalletts (vorn), und Breakdancer von The Saxonz, Wagner Moreira und Helena Fernandino vom TanzNetzDresden.

Quelle: Christoph Seidler

In Hellerau blieb es friedlich beim ersten Kampf der Stile auf heißem Boden, was ja bei Pitbul nicht immer der Fall ist.

Das Publikum blickt von ansteigenden Tribünen herunter auf den Kreis des Geschehens, fast eine Arena, hier wird gekämpft, nicht Gladiatoren, Tänzerinnen und Tänzer gegeneinander, sondern miteinander und letztlich gemeinsam für die Tanzbegeisterten auf den Tribünen, denn sie sind am Ende die eigentlichen Gewinner. So können Genregrenzen hinfällig werden, der Ballettfan dürfte nicht schlecht staunen über die Virtuosität der Breakdancer. Genauso dürfte es deren Fans gehen, wenn sie so verblüfft wie begeistert sehen, dass weder Spitzentanz, noch Pirouetten, Grand jetés, von den Wahnsinnssprüngen der "klassischen" Tänzer ganz zu schweigen, veraltet sind, sondern im Gegenteil den Maßgaben ihrer Tanzstile und vor allem inzwischen auch fast klassisch gewordenen Vorgaben nicht selten entsprechen.

Breakdancer stellen sich mit ihren Varianten der Drehungen um die eigene Achse bewusst oder unbewusst in Traditionen, sie stellen das Ballett auf den Kopf, wenn sie beim "Head Spin" rotieren. Wer bei den Variationen des HipHop und Breakdance Motive und Zitate der Pantomime entdeckt, liegt nicht falsch, denn auch hier geht es um wortlose Kommunikation, auch hier können die Körper schweigen, flüstern, lachen, weinen oder ungehemmt ihre Emotionen kraft der Bewegung herausschreien. Ballett und Breakdance, in diesem Falle vertreten durch Alice Mariani, István Simon und Joseph Hernandez vom SemperoperBallett und Laura Busquets Garro vom Ballett Rossa aus Halle im Gegenüber zu Lehmi, Kelox, Anton und Rossi als Mitglieder der Sächsischen Vernetzung verschiedener Breakdance Formationen unter dem Namen "The Saxonz", in spannender Beziehung.

Natürlich war man gespannt, wie sich die Vertreter des zeitgenössischen Tanzes "Contemporary dance" in diesem Kräftemessen der Stile behaupten würden. Zwei Gruppen traten in die Hellerauer Arena, vornehmlich Tänzerinnen und Tänzer der Vereinigung TanzNetzDresden mit Gästen, Yeri Anarika Vargas Sanches, ehemals Mitglied bei Dorky Park von Constanza Macras, Sonoko Kamimura und Takuya Fujisawa als Gasttänzer der Forsythe Company. Da haben die Genannten schon mal einen Vorteil, denn sie lassen sehr schnell erkennen, dass sie in vielen Stilen zu Hause sind, blitzschnell und lustvoll in der Improvisation überzeugen können, was die beiden Tänzer mit Forsythe-Erfahrungen auch in die Endrunde bringt.

Bis dahin galt es in mehreren Runden bei interessanten Mischungen der Stile gegeneinander zu tanzen, wobei das Miteinander, die Korrespondenzen, die Sensibilitäten ohne Verlust der Identitäten wohl immer die Jury am stärksten überzeugten und ihre vom Publikum ohne wahrnehmbaren Widerstand gefällten Entscheidungen bestimmte. Vier Fachvertreter der angetretenen Tanzformen und ein per Zufall gewählter Publikumsvertreter gehörten der Jury an. Im weiteren Wettstreit konnte jeweils die Gruppe der "Gewinner" einen Tänzer oder eine Tänzerin aus der Gruppe der "Verlierer" auf ihre Seite ziehen.

So geschah es, dass sich im Finale zwei fünfköpfige Gruppen gegenüber standen und um den Preis tanzten, die in Aussicht gestellte Thai-Massage dürfte ihren Körpern gut tun. Dass allerdings durch die jeweilige Auswahl der weitergekommenen Gruppierungen eine so außergewöhnliche wie individuelle und dabei mit wachen Sinnen für ihre Partner tanzende und performende Künstlerin wie Cindy Hammer nicht dazu gehörte, war ebenso unverständlich wie das Ausscheiden beider exzellenten und bestens korrespondierenden Vertreterinnen des Spitzentanzes. In der Endrunde tanzten auf der einen Seite Helena Fernandino und Wagner Moreira für die Dresdner Zeitgenossenschaft, Kelox und Anton für die Breakdancer und der sprunggewaltige István Simon fürs Ballett.

Ihnen gegenüber siegen die so artistischen wie humorvollen und aufmerksamen Breakdancer Rossi und Lehmi, Sonoko Kamimura und Takuya Fujisawa mit ihren ganz und gar nicht ausgestellten, sondern individuell und mit schwingender Leichtigkeit eingebrachten Facetten vieler Stile, gemeinsam mit Joseph Hernandez vom SemperoperBallett. Hernandez, bestens vertraut mit Motiven aus Choreografien von Forsythe und faszinierend in der Führung der Arme à la David Dawson, konnte darüber hinaus in besonderer Weise klassische Akkuratesse, gebrochen von lustvoll eingesetztem Material verschiedener Gangarten aus Varianten des Streetdance bis hin zu süffisanter Eleganz anbieten. DJ Kid Cut legte auf, heizte ein, setzte kreative und eigenwillige Akzente.

Die nächste Runde "Floor on Fire - Battle of Styles" steigt, nach dem Linie 08 Special zur Tanzwoche Dresden, am 25. April, 21 Uhr im Festspielhaus Hellerau, natürlich mit Party danach.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2015

Boris Gruhl

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