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Mit Cello und ohne Rauschen: Julia Holter im Thalia

Mit Cello und ohne Rauschen: Julia Holter im Thalia

Die Frage war: Wie wird Julia Holter ihre Musik live umsetzen? Diese Frau, die auf Aufnahmen dazu tendiert, ihre Stimme sowie Instrumente fast bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden und ihren Songperlen - man möchte lieber Werke sagen - dadurch eine ganz eigene Atmosphäre verleiht.

Da erklingt ein Klavier, dass durch einen Chorus gejagt vollkommen verstimmt erscheint, da hört man Klänge von Menschenmassen, und immer: Rauschen. Kann das auch live funktionieren - und wenn ja, wie? Im gut gefüllten Thalia Kino wartet ein gespanntes Publikum.

Zuerst ist festzuhalten, dass Julia Holter bei der Umsetzung ihrer Songs nicht alleine ist. Sie hat zwei Helfer, Christopher Votek am Cello und Corey Fogel an Schlagzeug und Percussion. Mit Julia Holter selbst am Keyboard ergibt sich eine sehr ungewöhnliche Bandbesetzung, völlig ohne Bass oder Gitarre. Doch es zeigt sich, dass diese Besetzung ein Volltreffer ist, zumal die Musiker wunderbar harmonieren. Wie zum Beispiel bei "Try to make yourself a Work of Art" vom Debütalbum "Tragedy". Live hat man plötzlich das Gefühl, zeitweise einer Aufführung von Neuer Musik beizuwohnen, mit Atonalität und aleatorisch erscheinender Percussion. Holter singt: "Try to make yourself a work of art like me - you can't! see? Only me." Das stimmt vollkommen, bezieht man sich rein auf ihre Musik. An der Live-Show hingegen ist wenig Kunst, außer vielleicht Julia Holters Starren über das Publikum hinweg, das sie eisern durchhält.

Leider fehlt den Songs live ein wenig der einzigartigen Atmosphäre der Aufnahmen. Das einzige verfremdete Instrument auf der Bühne ist interessanterweise das Cello, das mit Halleffekten und in Schleife gespenstische Klangteppiche erzeugt. Durch einen Effekt, der zusätzlich zum normalen Klang denselben Ton eine Oktave tiefer erzeugt, verwandelt sich das Cello in vielen der Lieder zu einem Kontrabass. Die Stimme, das Keyboard und das Schlagzeug hingegen klingen sehr klar, man vermisst die Ambient Sounds, in die Stücke wie "Betsy on the Roof" auf der Aufnahme eingetaucht sind. Und für einen "Live-Ambient-Sound" ist das Publikum viel zu sehr im stillen Lauschen des Konzerts vertieft.

Aber das soll nicht falsch verstanden werden: Julia Holter erschafft auch live eine Magie, die in den Bann zieht - nur eben eine andere als auf Platte. Der Weg hin zu einem klareren Sound bedeutet auch immer eine größere Nähe zum Pop, und schließlich zu einem größeren Publikum. So ist auch das Publikum im Thalia Kino - das wohl der perfekte Ort für Julia Holters Musik ist - völlig begeistert. Auch nach der ersten Zugabe will der Applaus nicht aufhören. Julia Holter kommt noch einmal auf die Bühne und stimmt das wunderschöne "He's running through my Eye" an. Ein Stück mit anspruchsvollen Akkordwechseln und träumerischem Gesang. Das braucht keine Ambient-Sounds. Nur Klavier und Stimme. Nur Julia Holter. Falk Ulshöfer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2012

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