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Minimalismus und Detailfülle: Ausstellung mit Arbeiten von Peter K. Koch und Philipp Gloger in der Dresdner Galerie Baer

Minimalismus und Detailfülle: Ausstellung mit Arbeiten von Peter K. Koch und Philipp Gloger in der Dresdner Galerie Baer

Der Auftrag zur Rezension der aktuellen Ausstellung in der Galerie Baer beruht womöglich auf einem Missverständnis. Doch wer stellt derzeit in Dresden den hier ansässigen, in Greifswald gebürtigen, als Musiker und Maler doppelbegabten Peter (Paul) Koch aus? Dieser klärende Hinweis hat selbstverständlich nichts mit der Bewertung der die tatsächlichen Präsentation zu tun, die einen reizvollen Kontrast zwischen fast überbordender Detailfülle und strengem Minimalismus bietet.

Peter K. Koch hingegen stammt aus Köln, hat seinen Lebensmittelpunkt in Berlin, lehrt nicht an der Hochschule für Musik, sondern ist seit 2005 an der Kunsthochschule in Dresden tätig. Er kommt ersichtlich vom Design. Seine minimalistisch und konstruktivistisch anmutenden Arbeiten korrespondieren eindrucksvoll untereinander und mit dem Raum. Der Ausstellungstitel "Perfekt Broken" lässt sich darauf beziehen, aber auch auf den letzten Schritt der Verarbeitung einzelner Elemente zu abstrakt bildhaften, mehr oder weniger aus der Fläche in den Raum tretenden Objekten. Die präzise geschnittenen oder gestanzten, kühl unifarben lackierten und matt glänzenden Pappen erscheinen als Rechtecke, Parallelogramme, Dreiecke, sind aber in Wahrheit montierte Faltungen, also Objekte mit innerer Spannung, fast unmerklich durch die Schwerkraft deformiert. Das gibt ihnen etwas Atmendes, Lebendiges, zumal wenn sie als Assoziation von Palmen (Palm Tree I und II, 2014) in den Raum gestellt sind. Die grün geschuppten Stämme lassen, als Skulptur aufgefasst, die nicht vorhandenen Wedel vergessen, wirken andererseits als effektvoll kaschierende Architekturelemente (was sie bezüglich ihrer Trägerkonstruktion ja auch sind), würden aber ebenso einleuchten als Formideen für funktionelle Strukturen etwa für Klimatisierung und Akustik. Koch geht es aber offenbar nicht nur um die Anmutung von Funktionalität, sondern er schafft es tatsächlich, dem rational Konzeptionellen auch eine positive emotionale Ausstrahlung zu verleihen, die sich nicht allein auf sicherlich vorhandene Bezüge zur klassischen Moderne zurückführen lässt.

Gebürtiger Dresdner und Absolvent der hiesigen Kunsthochschule (2010) ist Philipp Gloger. Sein Beitrag passt so richtig zur Jahreszeit, ist freilich keineswegs ad hoc für die Ausstellung entstanden. Mindestens seit 2011 lässt es der für seine pseudofuturistischen Landschaften bekannte Künstler auf Skihängen wimmeln. Was er als Studien mit Guache und Tusche zwischen Schwarz und Weiß aufs Papier gebracht hat, bietet sich auf den ersten Blick so dar, wie es ein Skihang aus der Distanz nun einmal tut. In Wahrheit handelt es sich um die gut beobachtete und auch ein wenig zugespitzte Vielfalt der Haltungen, Stile, Bewegungsabläufe im Skisport schlechthin. Gemälde und Assemblagen suggerieren größere Nähe, da regiert die gewollte animierende Farbigkeit der einschlägigen Werbeprospekte, die auch collagierend in die Arbeiten einbezogen werden. In den etwas gewollt konstruierten oder nur realitätsnah verfremdeten Landschaften, unter ragenden Gipfeln und blauen Himmeln, zwischen großzügigen, sich vielfach kreuzenden Carving-Linien, zwischen Seilbahnen und sogar Sprungschanzen bewegen sich signethaft abstrahierte Figuren - zwischen Chaos und Kollision. "Harakiri" nennt Gloger das Ganze, damit aber auch den Namen einer berühmten, besonderen Adrenalin-Kick versprechenden Piste zitierend. Allerdings erinnern seine Hänge und Skigebiete häufiger an das Gewusel mehr oder weniger erschöpfter Anfänger, die sich auf fürchterlich zerfahrenen Pisten zu Tal kämpfen. Sein "Fieses Skigebiet" allerdings, eine mit viel Fantasie und bösem Witz unter Verwendung von diversen Spielzeug und Elektrotechnikteilen aufgebaute Assemblage, scheint schon entvölkert bis auf einen einzigen todesmutigen Schanzenspringer, der sich gerade in der Anlaufspur befindet. Zur "Letzten Abfahrt" schließlich scheint alles in Auflösung begriffen, so dass am Ende womöglich nur die auf dem Parkplatz abgestellten Karossen als Relikte übrig bleiben. Abgesehen vom ironischen bis kritischen Potential überzeugt Gloger nicht zuletzt dadurch, dass es ihm immer wieder gelingt, die Fülle durch Form und spielerische Unbefangenheit durch Kalkül zu bändigen.

Bis 7. März, Galerie Baer, Louisenstr. 72. Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr. Tel. 0351-6465033

www.galerie-baer.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.02.2014

Tomas Petzold

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