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Mini-Festival "Dresdner Anatomie" vereint Sachsens Kunsthochschulen zur langen Theaternacht

Mini-Festival "Dresdner Anatomie" vereint Sachsens Kunsthochschulen zur langen Theaternacht

Anatomie ist keine Kunst? Von wegen! Auf den richtigen Schnitt kommt es an. Was da offengelegt wird, gibt Einblicke frei offenbart Erkenntnisse, kann Ursachenforschung sein.

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Das Motiv für "Dresdner Anatomie" greift die Räumlichkeit eines Anatomischen Theaters in Hörsaalform auf.

Quelle: Repro: HfBK

Und auch ästhetisch? Ja, auch ästhetisch.

Überzeugen kann sich davon, wer am ersten Mai-Wochenende die Hochschule für Bildende Künste Dresden besucht. Die hat anlässlich des gemeinsam mit der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst begangenen Jubiläums zur Gründung der beiden Sächsischen Kunstakademien vor 250 Jahren ein Kleines Festival hervorgebracht. Das soll unter dem Namen "Dresdner Anatomie" tatsächlich einen Schnitt durch verschiedene Kunsthochschulen ziehen, um genreübergreifend Projekte zu initiieren, an denen Studiosi unterschiedlicher Sparten mitwirken. Ein sauberer Schnitt!

Darin sollen sowohl das historische Bewusstsein als auch die Moderne dieser Bildungseinrichtung zum Ausdruck kommen. Und es involviert Lernende der Musikhochschulen von Dresden und Leipzig ebenso wie einen künftigen Maschinenbauer der hiesigen TU. Obwohl die Ergebnisse nun erstmals im Rahmen der Langen Nacht der Theater präsentiert werden, ist die "Dresdner Anatomie" keineswegs Selbstzweck. Denn wer heute Studiengänge wie Bühnen- und Kostümbild besucht, Dramaturgie oder Komposition studiert, wird in Zukunft - so er denn wirklich einen Theaterberuf ergreift bzw. findet - unweigerlich das Ineinandergreifen der einzelnen Gewerke am Laufen halten müssen. Wie sehr Bühnenarbeit von kollektiven Vorgängen geprägt ist, durften die Macher des Festivals nun am eigenen Leibe erfahren.

Herausgekommen sind dabei eine Reihe von Projekten, die schon in der Ankündigung nach sprudelnder Kreativität klingen. Installation und Performance, eine Raummodulation, ein Installatives und ein Performatives Konzert sowie Videoarbeiten werden davon Zeugnis ablegen. Wobei schon klar ist, dass diese Vielfalt keine Selbstverständlichkeit in der künstlerischen Ausbildung sein kann, auch nicht zur Feier des Vierteljahrtausends. Ohne tatkräftig sich engagierende Förderer wäre manche Idee gewiss nur Idee geblieben und diese schillernden Projekte nicht zustande- gekommen. Etwa die Brunnenskulptur "SchreiSchrein" von Nora Schruth und Marie-Elisabeth Rülke, die im Torbogengang des HfBK-Geländes an der Güntzstraße für optische und akustische Überraschungen sorgen dürfte. Ein Wiedersehen mit diesen nicht hörenden, sondern tönenden Ohren um ein überdimensional großes Auge, das zeigt statt sieht, ist für den nächsten Schaubudensommer geplant. Die Künstlerinnen setzen auf Nachhaltigkeit.

Mehr für den Moment gedacht ist das multimediale Vorhaben "Anatomie Zerlegen", das im Labortheater stattfindet und die Zuschauer in ein Hörsaalrondell à la Anatomisches Theater hineinzwängt. "Was sind wir, wenn wir tot sind?" steht als Frage über diesem Gesamtkunstwerk, das als Klangsezierung selbst Sänger als Präparat begreift. Unter Mitwirkung von AuditivVokal nebst einem Projektensemble der Musikhochschule ist dies schon eine Anspielung auf die seit gut 200 Jahren bestehende Anatomische Sammlung mit teils bizarren Lehrmitteln für den einstigen Anatomieunterricht. Neben Präparaten und Skeletten sind auch Wachsmodelle darunter, die als Vorlage für Zeichenstudien dienten. Genau dieses Thema greift das Trio von Barblina Meierhans, Ariane Stamatescu und Christine Stein auf, das für "Mnemosyne Phonographie" mit realen Stimmen und Wiedergaben durch Phonographen arbeitet. Wie die Modelle sind auch die dafür genutzten Wachsmatritzen vergänglich.

Eine Brücke aus Überliefertem und Gegenwart baut der Komponist Amir Shpilam in seinem Vokalwerk "Here I am, Send me!", das auf den heutigen Künstler als modernen Propheten anspielt. Die jüngere Geschichte des Architekturensembles Güntzstraße / Ecke Gerokstraße reflektiert "+/- 107", das von einer geheimnisvollen Raumverbindung zwischen Kunstakademie und Kunstgewerbemuseum erzählt.

Ein einziges Projekt der "Dresdner Anatomie", die neben permanent zu besichtigenden Arbeiten auch termingebundene Vorführungen enthält, wird im Oktogon am Georg-Treu-Platz gezeigt. Auf die dortige Akustik zugeschnitten ist das mehrteilige "in between: echo", das als Widerhall einen Bogen von Robert Sterl und Ernst von Schuch in die musikalische Gegenwart schlagen soll.

i"Dresdner Anatomie" 2. bis 4. Mai

www.hfbk-dresden.de/250

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2014

Michael Ernst

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