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Militärhistorisches Museum Dresden plant interaktives Studio zum globalisierten Krieg

Militärhistorisches Museum Dresden plant interaktives Studio zum globalisierten Krieg

In einem Augenblick als Manager im Konferenzraum der Rüstungslobby, im nächsten als menschliche Zielscheibe während eines Bombenangriffs in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

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Gorch Pieken, wissenschaftlicher Direktor des Militärhistorischen Museums, verlässt mit seinen Ausstellungskonzeptionen ausgetretene Pfade.

Quelle: Norbert Neumann

"Situation Rooms" heißt das interaktive Rollenspiel, benannt nach dem berühmt-berüchtigten "situation room" im Weißen Haus, wo die Mächtigen der USA live die Tötung des al-Qaida-Chefs Osama bin Laden mitverfolgten. Das Theaterprojekt "Rimini-Protokoll" hat verschiedene "Situation Rooms" gleich einem Fernsehstudio entwickelt. Durch sie läuft der Rollenspieler mit einem Tabletcomputer und versetzt sich in die Lagen von 20 Menschen aus verschiedenen Kontinenten, deren Biografien von Waffen mitgeschrieben wurden. Im Frühjahr 2015 macht das weltweit ausgezeichnete, interaktive Theaterstück Station im Militärhistorischen Museum, kündigt der wissenschaftliche Direktor Gorch Pieken an. Auf zwei Etagen, die mit einem Fahrstuhl verbunden sind, wird ein Studio mit 30 Räumen aufgebaut, durch das sich die Akteure bewegen.

Erst Manager der Rüstungslobby, dann Zielscheibe des Bombenangriffs

"Situation Rooms zeigt, wie verstrickt wir in das Weltgeschehen sind, dass auch wir etwas damit zu tun haben, wenn irgendwo Krieg geführt wird", erklärt Gorch Pieken. Man sei in dem Studio zur selben Zeit Zuschauer und Schauspieler, erhalte die Regieanweisungen über den Handcomputer. Es sei gelungen, das außergewöhnliche Theaterstück mit Unterstützung des Staatsschauspiels nach Dresden zu holen, freut sich der wissenschaftliche Direktor.

Derzeit dreht sich im Militärhistorischen Museum alles um die Weltkriegsgeschichte. Die aktuelle Sonderausstellung "14 Menschen-Krieg" beleuchtet persönliche Schicksale in der Zeit während des Ersten Weltkriegs, der vor 100 Jahren ausbrach. Die Kombination der Schau mit der gleichnamigen TV-Serie auf Arte brachte ihr bereits weltweite Aufmerksamkeit ein. "Es gibt mittlerweile viele Fans der Arte-Serie, die gezielt in die Ausstellung kommen", sagt Pieken zufrieden. Allerdings rechnet der Kurator mit keinen Rekordzahlen wie im Eröffnungsjahr 2011, als man eine halbe Million Gäste zählte. "Wir rechnen für 2014 mit 200 000 Besuchern", sagt Pieken und weist darauf hin, dass das Museum aufgrund seiner Lage außerhalb der Altstadt keine Flanierer abgreife. Etwa die Hälfte der Museumsgäste sind Frauen, was bei militärhistorischen Themen nicht selbstverständlich ist.

2013 wurden über 2500 Gruppen durch die Ausstellungen geführt. Auch der Zuspruch durch junges Publikum habe sich gemehrt. Dazu tragen auch die zwei Museumspädagogen ihren Teil bei. Nach dem ersten Schulprojekt mit der 128. Oberschule zum Jahres- anfang folgt laut Museumspädagogin Avgi Stilidis im Oktober ein zweiter, umfangreicher Schülerworkshop. Im nächsten Jahr will sich Gorch Pieken mehr auf die Dauerausstellung konzentrieren. Außerdem soll 70 Jahre nach dem 13. Februar 1945 die Zerstörung Dresdens mit einer Sonderausstellung und Vorträgen thematisiert werden. Im Hintergrund arbeiten die Museumsmitarbeiter an einer weiteren Idee. "Wir planen eine Ausstellung über War- games", verrät Pieken, "wir haben über 4500 Kriegsspiele von einem privaten Sammler gekauft." Diese sollen nicht nur die Frage nach Aggressionsbewältigung oder -beförderung aufwerfen. Die Computerspiele sollen die Grundlage einer kulturhistorischen Analyse bilden, inwieweit virtuelle Szenerien reale Aspekte aufgreifen und Realität unwirklich sein kann. Als Soldat sei man in beiden Welten zuhause, erklärt Pieken. Wenn dieser eine Drohne lenke, wirke es fast wie ein Spiel.

Ausstellung über Wargames geplant, 4500 Spiele von Sammler abgekauft

"Wir sind ein historisches Museum, in dem man sämtliche Perspektiven findet", antwortet der wissenschaftliche Direktor auf die Frage, ob sich das Militärhistorische Museum als Antikriegsmuseum versteht. Aber das Dresdner Haus verlässt laut Pieken im Club der Militärmuseen die ausgetretenen Pfade. Ein inhaltlicher Wandel, den der amerikanische Architekt Daniel Libeskind mit seinem Keil äußerlich sichtbar gemacht hat. Man hätte nicht den guten Ruf, wenn in den Ausstellungen noch der alte Mief herrschen würde, meint Pieken. Immerhin: Die laufende Stauffenberg-Schau wurde in der britischen Tageszeitung "The Independent" gewürdigt. Und über die Sonderausstellung "Schuhe von Toten" Anfang 2014 berichteten auch die "New York Times" in den Staaten und die "Haaretz" in Israel.

www.mhmbw.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2014

Madeleine Arndt

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