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Militärhistorisches Museum: Antreten zum Nachbessern

Militärhistorisches Museum: Antreten zum Nachbessern

"Das Dresdner Militärmuseum lehrt am Ende mehr über die Gesellschaft als jede anthropologische Sammlung", lobte das Magazin "Der Spiegel" das Museum schon vor der Eröffnung.

Von Katrin Tominski

Erstmals sei es gelungen, eine kulturhistorische Ausstellung zu konzipieren, die weit über die technische Darstellung hinausgeht. Die überregionalen Feuilletons überschlugen sich fast. Das Lob hallte weit, Kritik gab es kaum. Jetzt allerdings kämpft das größte Dresdner Museum mit Problemen, die man im Volksmund wohl "die Hürden des Alltags" oder besser "die letzten Kinderkrankheiten" nennen würde.

Der Betonboden im Auditorium zeigt zum Beispiel kleine Risse. Nur etwa ein bis zwei Millimeter dünn legen sie sich bis zu drei Meter lang über den Boden. "Die Risse haben keine Auswirkungen", wiegelt Alexander Georgi, Pressereferent des Militärmuseums, ab. "Kein Bereich in diesem Haus ist aufgrund baulicher Mängel nicht zugänglich", konstatiert Sprecher Sebastian Bangert. Es gäbe keine Informationen, dass sich durch den Keil Probleme in der Statik ergeben könnten. Aus dem Bundeswehrdienstleistungszentrum heißt es: "Die Risse sind nicht gefährlich. Vermutlich handelt es sich um Schwindrisse, die entstehen, wenn das Material austrocknet."

Der Bauträger, der Staatsbetrieb "Sächsische Immobilien- und Baumanagement" (SIB), verweist auf das sächsische Landesamt für Steuern und Finanzen. Dort gibt es jedoch keine Auskunft. Eine Prognose liefert schließlich der Dresdner TÜV Süd. "Die Mehrzahl der Risse in Betonböden sind tatsächlich Schwindrisse", erklärt Uwe Kröber, Leiter der TÜV-Bautechnik. Diese seien meistens ungefährlich. Das hänge jedoch von der Konstruktion ab. Eine genaue Auskunft könne nur der Statiker des Bauträgers liefern. Dieser gehört aber zum SIB, die laut Sprecherin keine Auskünfte erteilen darf.

Schwierigkeiten macht auch die Drehtür am Eingang des Museums. Aus Sicherheitsgründen ist sie mit zahlreichen Sensoren ausgestattet. Drücken die Besucher allerdings mit Kraft auf das Glas, entriegelt sich diese zum Notausgang. "Das ist schon mehrmals passiert", räumt Bangert ein. Mittlerweile sei das Personal darauf vorbereitet. Grund für die Ungeduld mancher Besucher ist laut Bangert die lange Drehzeit. "Wir haben die Tür jedoch bewusst dem Tempo älterer Menschen angepasst", erklärt er. Auf der Mängelliste folgen ein kaputter Spiegel und Seifenspender auf der Herrentoilette, ein ständig umgefahrenes Schild an der Einfahrt und andere Kleinigkeiten. "An jedem geschlossenen Mittwoch arbeiten wir rund um die Uhr", konstatiert Bangert. Auf der Liste steht auch noch die Inbetriebnahme der Rollregale in der dritten Etage. Weil diese nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig geworden sind, werden die bislang fixierten beidseitigen Elektronikfenster jetzt in filigraner Feinstarbeit zum Rollen gebracht. "Das sind elektronische Arbeiten, die viel Zeit kosten", sagt Bangert.

Im Großen und Ganzen sei man jedoch mehr als zufrieden. "Die ersten Wochen haben unsere Erwartungen weit übertroffen." Insgesamt 140 000 Besucher seien bereits in das Militärmuseum mit dem Libeskind-Keil gekommen. "In optimistischen Prognosen hatten wir unsere Erwartungen auf 100 000 Gäste bis Ende 2012 geschraubt", sagt Bangert. "Nun sind es fast die Hälfte mehr." Genauer gesagt etwa 25 000 Besucher pro Woche. Im Restaurant gibt es jedenfalls meistens keinen Platz mehr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.12.2011

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