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Milder Trost: Brahms’ "Deutsches Requiem" mit dem Dresdner Kreuzchor

Milder Trost: Brahms’ "Deutsches Requiem" mit dem Dresdner Kreuzchor

Den Schrecken des "Dies Irae", bei dem wir etwa im Verdi-Requiem erschauern, gibt es beim Protestanten Johannes Brahms nicht. Der Tod erscheint in viel milderem, versöhnlicherem Licht - Erlösung für die Verstorbenen, unendlichen Trost für die Hinterbliebenen.

Dieser Denkansatz spiegelte sich mit aller Deutlichkeit in der Aufführung des "Deutschen Requiems" beim Dresdner Kreuzchor unter Kreuzkantor Roderich Kreile wieder. Auch nach vielfachen Hören des Brahms-Requiems an dieser Stelle (diesmal nicht am Ewigkeitssonntag, sondern eine Woche vorher) komme ich nicht umhin festzustellen - eine Interpretation von nicht alltäglicher inhaltlicher und gestalterischer Geschlossenheit, eindringlich ohne Pathos, auf ausgezeichnetem musikalischen Niveau. Dass die tröstende, berührende Botschaft dieses Requiems die Hörer erreicht hatte, zeigte das große Schweigen am Ende des Konzerts in der Kreuzkirche.

Die seit längerem hier geübte Praxis, die Reihen des Kreuzchores durch Erwachsenenstimmen zu verstärken (der kammerchor cantamus dresden), erwies sich auch diesmal als absolut richtig, zumal die Stimmen zu einem homogenen Klangbild verschmolzen. Die chorische Durchschlagskraft stieg dadurch; dynamische Vorgaben wurden präziser befolgt. Komplizierte Fugenstruktur blieben klar und nachvollziehbar ("Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand"). Kraftvoll und energisch wurden Akzente gesetzt, etwa bei dem mit dramatischer Überzeugungskraft herausgeschleuderten "Aber des Herrn Wort". Visionär und in sich ruhend kam der Mittelsatz "Wie lieblich sind deine Wohnungen" daher. Zum Höhepunkt avancierte die ebenso sorgfältig wie lebendig ausgeformte Fuge "Herr, du bist würdig". Da stimmte einfach alles!

Entsprechend, auch kontrastreich und sich voll in das gestalterische Konzept einfügend, musizierten die Musiker der Dresdner Philharmonie.

Bleiben die Solisten, beide vielfach bewährt. Bei Klaus Mertens Basspartie gilt es Würde und Noblesse hervorzuheben. Wer freilich beim Brahms-Requiem mehr auf Markanz setzt, wird bei seiner Interpretation einiges vermisst haben. Schade, dass Brahms' "Deutsches Requiem" nur einen einzigen Satz enthält, der einen Solosopran vorsieht - vor allem, wenn dieser mit Ute Selbig besetzt ist. Wieder einmal wusste sie zu berühren - selbstverständlich mit technischer Souveränität, der ihr eigenen, stimmlichen Leichtigkeit, die sie in keiner Passage verließ, am meisten aber mit der zu Herzen gehende Wärme und Innigkeit des Ausdrucks.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.11.2012

M.Hanns

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