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"Mikrobischer Realismus": Moni West - "Invasion": Neue Bilder in der Alten Feuerwache Dresden-Loschwitz

"Mikrobischer Realismus": Moni West - "Invasion": Neue Bilder in der Alten Feuerwache Dresden-Loschwitz

Der künstlerische Ansatz Moni Wests ist der Versuch, die Welträtsel von den Befindlichkeiten der Menschen über ihr Kranksein bis ins Gesellschaftliche, mithin auch ihre derzeitige Globalkrise, durch bildnerische Mittel zu entschlüsseln.

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Moni West. Mindmap. 2010. Acryl / Öl auf Leinwand.

Quelle: Repro: Antje Schönfeld

Im Sinne einer Utopie will sie sogar euphemistisch Heilendes in Sicht bringen, um dem Menschen also nicht seine "Hineingehaltenheit in das Nichts" im Heideggerschen Weltverständnis zu prognostizieren, sondern die düsteren Netzwerke zu erhellen, die unser Sein in dieser Zeit bestimmen.

Die Künstlerin hat erkannt, dass das Schicksal der Menschheit im Zeitalter der Globalisierung weniger von terrestrischen Katastrophen oder Provokationen irrer Machthaber abhängt, sondern davon, wie wir "Bedrohlicher Fremdkörper/Mikroben" Herr werden, als da sind Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen und Schadinsekten - alles potenzielle Biokampfstoffe. Ihre Einsicht stützt sich nicht auf ungute Gefühle, die heute viele haben. Sie setzt sich vielmehr in drei Schritten mit diesem existenziellen Problem auseinander: einer wissenschaftlich-theoretischen und einer soziokulturellen Analyse sowie einer bildnerischen Synthese, die fachlich durch Forschungsarbeiten in Instituten der "Blauen Liste" untersetzt sind und Grundlage ihrer neueren Arbeiten im Begriffe eines "Mikrobischen Realismus" darstellen.

Moni West schreibt dazu: "Meine künstlerische Arbeit gilt der Untersuchung von Strukturen in bildnerischem, naturwissenschaftlichem und gesellschaftlichem Sinne. In Bezugnahme auf das Gefüge der sichtbaren Welt und deren Formenreichtum befasse ich mich mit den für das bloße Auge unsichtbaren Strukturen, wie wir sie im menschlichen Körper und in der Welt der Mikroorganismen vorfinden. Formal interessieren mich dabei Aspekte von Vernetzung, Formierung sowie Schichtung und wie sich diese komplexen Systeme, die in ihrer Prozesshaftigkeit häufig nur als Momentaufnahmen festgehalten werden können, auf Papier und Leinwand übertragen lassen."

Das klingt nicht gerade simpel und ist es wohl auch nicht. Im Gegensatz zu ihren früheren, oft großformatigen Gemälden aus dem umfangreichen Zyklus "Fragmente", die in dieser Ausstellung nicht fehlen dürfen, hat sich die Künstlerin 2013 "auf das Medium Grafik im teilweise sehr kleinen Format konzentriert, das mir für eine Auseinandersetzung mit dem Formenreichtum von Mikroben als adäquates Mittel erscheint" (Moni West). Man muss sicher ihr derzeitiges Schaffen als "Work in Progress" ansehen und ihr Zeit für weitere Schritte in diesem schwierigen Geläuf zubilligen. Da die Mikrobenbilder und die "Fragmente" mindestens eine wichtige Gemeinsamkeit in der prägenden Rolle von Strukturen aufweisen, ist da in der Maßstabsveränderung der ersteren mit wünschbarem Farbzuwachs jede Menge Land in Sicht, nachdem jüngst ein Arbeitsstipendium in einer schwedischen Grafikwerkstatt die Künstlerinnenhände schon sichtbar gelockert hat.

In der Loschwitzer Feuerwache sind alles in allem über 30 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken verschiedener Techniken und eine kleine Installation, die die Absichten der Künstlerin sehr suggestiv veranschaulicht, zu einer auch räumlich höchst beeindruckenden Präsentation vereint, die allen Kunstfreunden mit Hinweis auf die kurze Ausstellungsdauer aufs Wärmste empfohlen werden kann.

Die 1974 in Kulmbach als Simone Heller Geborene geht gegen den Familienrat der Kunst nach und von Anfang an ihren eigenen Weg: 1994 beginnt sie an der hiesigen TU bis 2001 Kunstpädagogik und Geschichte zu studieren. Danach gründet sie mehrere Künstlergruppen in Dresden und Kamenz. Seit 2004 ist Moni West freischaffend mit Malerei, Grafik, Fotografie, Objekt- und Konzeptkunst tätig und gibt ihre Erfahrungen bereits als Dozentin an Hochschulen und einschlägigen Bildungseinrichtungen weiter. Mit ihrem gesellschaftlichen Engagement - sie steht auch als Vorsitzende des Landesverbandes Bildender Künstler Sachsen e.V. ehrenamtlich einer äußerst verantwortlichen Aufgabe vor - bewegt sie viel in Dresden und in Sachsen.

bis 9. Februar. So.-Do. 12-18 Uhr und n.V., Alte Feuerwache Loschwitz, Fidelio-F.-FinkeStraße 4. Tel. 0351/ 267 86 26

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.01.2014

Jürgen Schieferdecker

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