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Mike and the Mechanics zu Gast im Dresdner Schlachthof

Mike and the Mechanics zu Gast im Dresdner Schlachthof

Michael John Cleote Crawford Rutherford erweckt rückblickend bei Genesis stets den Eindruck, der stille und etwas ungelenke Typ zu sein, der sich nicht groß produziert, nach vorn spielt oder eine Band verlässt, nur weil es mal bei den Zuständigkeiten hakelt.

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Mit solider Leistung im Alten Schlachthof: Mike Rutherford (rechts) mit seinen Mechanics (links: Tim Howar, Gesang, Mitte: Roachford, Gesang).

Quelle: Patrick Johannsen

Nein, Gitarrist Mike Rutherford war von Anfang bis Ende und ohne Unterbrechung bei Genesis, hat nur einmal geheiratet, drei Kinder großgezogen und spielt leidenschaftlich Polo auf seinem Landsitz in West Sussex - und im Keller sicher noch oft und mehr oder minder heimlich die berüchtigte Zwölfsaitige, eine Spezialanfertigung.

Man mag solche Beständigkeit belächeln, so wie Kritiker ja immer grundsätzlich etwas an Genesis zu belächeln hatten, auch wenn es den Kollegen gleichermaßen erstaunlich schwerfiel, die empfundene Problematik konkret abzubilden. Dennoch ist diese Beständigkeit maßgeblich für den Erfolg von Mike & The Mechanics, dem selbstverständlich nach wie vor existenten und - wie man im Alten Schlachthof erleben konnte - erstaunlich lebendigen "anderen" Projekt Rutherfords.

Der schlägt auch in seinem 62. Lebensjahr auf der Bühne keine Purzelbäume oder drückt markige Sprüche ins Mikrofon, sondern steht einfach nur gut beleuchtet und freundlich lächelnd rechts außen und schiebt seinen beiden verhältnismäßig jungen Mechaniker-Stimmen Tim Howar und Andrew Roachford die Akkorde der zahlreichen Hits unter, als ginge es darum, bloß kein Porzellan zu zerschlagen. Ein vermutlich falsch verstandener Gestus, denn abgesehen von einer leichten physischen Überambition Howars, die man selbst oder erst recht als Fan vermutlich nicht ohne Weiteres kauft, füllen beide Stimmen die Hithüllen zur unbedingten Zufriedenheit, vor allem Roachford, der obendrein eine gute Portion Soul auf der Schippe führt.

Los geht es relativ pünktlich mit "Beggar on a beach of gold", dem Titelsong jenes Albums, mit dem sich Mike & The Mechanics Mitte der 1990er noch einmal mit einer recht eindrucksvollen Musikalität und wiederum guten Hand voll Hits zurückmeldeten. "Another cup of coffee" und später "Over my shoulder" (zur Zugabe) dürfen an diesem Abend nicht fehlen und stehen auch bei der Begeisterungsfähigkeit des Publikums den ganz frühen Krachern wie "Silent Running" und "All I need is a miracle" in nichts nach.

Vermeintlich "leichte" Chartkostposten

Erstaunlich sind zwei Dinge: zum einen das nicht ansatzweise zu beanstandende Bühnenhandwerk der Gentlemen, zum anderen die Nachdrücklichkeit einiger vermeintlich "leichter" Chartkostposten - bierselige Mitmach-Stampfer sind für gewöhnlich und mittlerweile sowieso sehr viel billiger zu haben. Da darf man sich trotz einer gewissen mitgebrachten Skepsis ruhig ein wenig zur Respektordnung rufen.

Selbst die erwartete, relativ horizontal verlaufende Stimmungs-"Kurve" muss gedanklich ernsthaft korrigiert werden, als Roachford plötzlich Roachford spielt (das wunderbare "This generation" von 1994) und sich das ganz hervorragend einfügt. Und Rutherford plötzlich erzählt, wie er immer der Meinung war, mit dieser Band nur Mechanics-Songs zu spielen, und jetzt irgendwann dachte: "Fuck it!".

Der Saal schluckt gemeinschaftlich spürbar einen Kloß hinunter und steht kurzzeitig wie erstarrt vor "Throwing it all away", einer Genesis-Nummer, ebenfalls aus den 1980ern. Selbige fügt sich jedoch so reibungslos und unaufgesetzt in den entspannt und doch recht positiv aufgeladenen Vibe des Abends, dass Rutherford später mit zwei weiteren Genesis-Nummern nachlegt, an denen er auf die eine oder andere Weise maßgeblichen Entstehungsanteil hat: "Follow you, follow me" und "I can't dance". Beides ist leichte Kost und wirkt kein bisschen ungelenk oder hysterisch. Vielmehr erschrickt man ein wenig vor Howars leichtem Collins-Näseln.

Ähnlich zurückgelehnt und unkompliziert gestaltet sich ein zwischengeschobenes Unplugged-Set, das ausgerechnet mit einem Saxophon wie eine frische Zwischenmahlzeit funktioniert, bevor man wieder mit den alten Synthies um die alten Ecken zieht. Das wirkt noch nicht mal antiquiert, wenn es nicht soundtechnisch modernisiert ist. Ein wenig auf den Nerv drücken wie immer lediglich die etwas schwierige Schmonzette "The Living Years", die im Saal frenetisch gefeiert wird, und der seit jeher künstlich aufgeblasene Stadionstampfer "Word of mouth". Zwei Songs, die ganz und zu deutlich ihrer Zeit geschuldet sind.

Nach einer satten Zugabe darf man konstatieren, dass ein rundum zufriedenes Publikum so unhysterisch das Gelände Alter Schlachthof verlässt, wie es selbiges betreten hat.

Niklas Sommer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.07.2012

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