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Michel Godard gastiert zum Heinrich Schütz Musikfest in Weißenfels und Dresden

Michel Godard gastiert zum Heinrich Schütz Musikfest in Weißenfels und Dresden

Der französische Tubist Michel Godard ist einer der bemerkenswertesten Jazzmusiker Europas. Er begeistert sich aber auch für Alte Musik. Claudio Monteverdi widmet er ein Programm, das dessen Musik in ein modernes Klanggewand kleidet und dabei gleichberechtigt Jazzmusiker und Spezialisten für Alte Musik zusammenbringt.

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Michel Godard mit dem Serpent

Quelle: PR

Frage: Auf Ihrer Website sind zwölf verschiedene Projekte aufgelistet, die von Jazz und Weltmusik über elektronische Musik bis hin zum Rock reichen und die Zusammenarbeit mit Chören und Barockmusikern einschließen. Als was für einen Musiker sehen Sie sich?

Michel Godard: Begonnen habe ich als klassisch ausgebildeter Tubist und habe im Orchestre Philharmonique de Radio France und im Ensemble Intercontemporain unter Leitung von Pierre Boulez und in einem Bläserquintett gespielt, für das ich viele Bearbeitungen Alter Musik geschrieben habe. Bereits als Teenager war ich von Alter Musik fas- ziniert. Ich habe entsprechende Schallplatten gesammelt, wobei es mir vor allem die Aufnahmen von Nikolaus Harnoncourt angetan haben. Als ich später begann, mich improvisierter Musik und Jazz zuzuwenden, war es mein Wunsch, die Tuba so zu spielen, wie Harnoncourt es tun würde. Nachdem ich einige Zeit halb als klassischer Musiker und halb im Jazz gearbeitet hatte, entschloss ich mich, mich ganz dem Jazz zu verschreiben.

Zum Heinrich Schütz Musikfest treten Sie in Weißenfels auf, wo Schütz Kindheit und letzte Lebensjahre verbrachte, und in Dresden, seinem Hauptwirkungsort...

Authentische Plätze der Musikgeschichte sind mir sehr wichtig, und ich freue mich auf diese Konzerte. Diese Orte haben eine besondere Energie und beeinflussen die Art zu musizieren, denn die Vergangenheit ist dort noch spürbar präsent.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Alter Musik und Jazz, die die Übertragung in unsere Zeit begünstigen?

Sehr viele! Und nicht nur die offensichtlichen, wie Improvisation und Verzierungstechniken, die in beiden Musikformen eine wesentliche Rolle spielen. Auch die Musiker sind sich ganz ähnlich darin, wie sie über Musik denken und wie sie mit ihr leben. Wie im 17. und 18. Jahrhundert ist für Jazzer ihre Musik wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Wir sind komplett engagiert dabei. Wie ich es sehe, waren die Musiker zu Monteverdis Zeiten das ebenso - es war die einzig mögliche Art, Musiker zu sein.

Sie haben sich bereits intensiv mit Claudio Monteverdi beschäftigt und für das Heinrich Schütz Musikfest nun auch zusätzlich mit Schütz-Musik...

Die Musik von Schütz ist ja auch der von Monteverdi ähnlich und stellt gewissermaßen eine Fortführung dar. Schütz ist ein erstaunlicher Komponist, und ich habe den Wunsch, über das aktuelle Programm hinaus meine Beschäftigung mit ihm weiterhin fortzusetzen.

Was kann der Konzertbesucher erwarten? Improvisationen über Schütz-Themen? Rekompositionen? Arrangements?

Was ich versuche, ist zunächst, Monteverdi und Schütz auf authentische Weise mit historischen Instrumenten zu spielen. Die Mezzosopranistin Guillemette Laurens ist da meine bevorzugte Sän- gerin, um diese Musik zu interpretieren. Dazu habe ich neue Musik geschrie- ben, die wie ein Spiegel zu den alten Werken funktionieren soll. Das sind keine Arrangements der Schützschen Vorlagen. Vielmehr improvisieren wir z.B. über eine ostinate Basslinie so, wie es heutige Musiker tun. Viel wichtiger ist aber, dass wir mit der Vorstellung, mit Rhythmik und der melodischen Freiheit an diese Musik herangehen, die der Jazz bietet.

Wie kamen Sie dazu, den Serpent, dieses für heutige Betrachter eher sonderbare - ja, fast skurril aussehende - Instrument zu spielen?

Der Serpent ist der Vorgänger der Tuba. Als ich begann, mich mit Alter Musik zu beschäftigen, war es für mich logisch, sich diesem Instrument zuzuwenden. Allerdings war es vor 30 Jahren sehr schwer zu bekommen. Schließlich fand ich in England den Instrumentenbauer Christopher Monk, der als einer der Ersten Nachbauten herstellte. Von ihm kaufte ich meinen ersten Serpent. Lehrer, bei denen ich das Spielen auf diesem Instrument erlernen konnte, gab es zu dieser Zeit nicht. So lernte ich von Zinkenisten. Heute unterrichte ich selbst Serpent am Conservatoire de Paris - ca. vier Studierende pro Jahr.

Konzerte: 17. Oktober, 19 Uhr, Schlosskirche Weißenfels; 18. Oktober, 19.30 Uhr, Annenkirche Dresden. Werke von Schütz, Monteverdi, Helstroffer und Godard. Mit Guillemette Laurens (Mezzosopran), Katharina Bäuml (Oboe), Bruno Helstroffer (Theorbe), Marthe Perl (Viola da gamba), Michel Godard (Serpent, Bassgitarre), Gavino Murgia (Bass, Sopransaxophon)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2014

Carsten Gerth

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