Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
Michal Hvorecky las aus "Tod auf der Donau" in der "Motorenhalle" des riesa efau

Michal Hvorecky las aus "Tod auf der Donau" in der "Motorenhalle" des riesa efau

Es war eine skurrile, bizarre Erfahrung, die Michal Hvorecky nur zwei Möglichkeiten ließ: "Ich dachte, entweder werde ich verrückt oder ich schreibe ein Buch.

Voriger Artikel
Ausstellung von Hubertus Giebe in der Dresdner Kunsthandlung Koenitz
Nächster Artikel
Fotograf Moritz Kertzscher aus Dresden macht Facebook zur Fotoausstellung

" Der in Bratislava lebende Autor, 36 wird er in diesem Jahr, hat sich für Letzteres entschieden. "Tod auf der Donau" heißt sein dritter Roman, erschienen im März. Geschrieben auf Slowakisch und recht passabel übersetzt von Michael Stavaric.

Michal Hvorecky hat ihn jetzt in der "Motorenhalle" des riesa efau vorgestellt, vor einem Dutzend Zuhörern, im Begleitprogramm zur Ausstellung "Phänomen Wohlstand". In dem Buch hat er literarisch verarbeitet, was er als Reiseleiter auf einem Kreuzfahrtschiff mit amerikanischen Touristen erlebte. Er erzählt von einer Flussfahrt über mehr als 2000 Kilometer von Regensburg bis ins Donaudelta. Die wird bald zum Krimi, als erst eine rumänische Putzfrau, später einer der 120 Passagiere auf schreckliche Weise umgebracht werden. Die Suche nach dem Mörder, der sich an Bord befinden muss, sorgt für Spannung. Das Ganze - nur so viel sei verraten - endet in einer Katastrophe.

Allerdings handelt es sich um weit mehr als einen Kriminalroman oder Thriller. Der Autor erzählt auch eine unglückliche Liebesgeschichte. Und nebenher erfährt man als Leser eine ganze Menge über die Geschichte des Stroms, der zehn Staaten durchfließt, über die Städte, die an seinen Ufern liegen. Das verleiht diesem Buch europäische Dimension. Und der Roman beschreibt den Zusammenstoß - eine Begegnung möchte man es nicht nennen - von Amerikanern, ausschließlich weißen, begüterten, mit der Realität Mittel- und Osteuropas. Zumindest für Momente, denn die Wirklichkeit bekommen die Passagiere in der Regel nie zu Gesicht. Stattdessen werden touristische Attraktionen für sie inszeniert. An diesen Stellen wird das Buch zu einer ebenso treffenden wie bissigen Satire auf die Tourismusindustrie in der Wohlstandsgesellschaft.

Da werden Klischees vermittelt, Erwartungshaltungen bedient - bloß keine Überraschungen. Die größte Stärke dieses Romans ist sein analytischer Blick. Was diese Reisefirma, die einem Amerikaner in Chicago gehört und mittlerweile zu einer global agierenden Aktiengesellschaft geworden ist, mit ihren Angestellten macht, beschreibt der Autor sehr genau. Um hohes Ranking und ordentliches Trinkgeld - die eigentliche Bezahlung - von den Tourismuskunden zu bekommen, sind sie zu entwürdigender Unterwürfigkeit und Heuchelei gezwungen. Andernfalls werden sie gnadenlos gefeuert. Genügend Bewerber auf ihre Stelle warten schon. Das Buch wird hier zum Psychogramm der modernen Arbeitswelt. Genau können wir verfolgen, wie sich von der eigentlichen Person ein "Zwilling" abspaltet, ein Dienstleister mit serviler Sprache und "kommerziellem Lächeln". Das liest sich beklemmend, doch Ironie und Humor obsiegen.

Zugleich zeichnet dieser Roman damit ein Porträt des akademisch gebildeten Prekariats in Mittel- und Osteuropa. Die Hauptfigur, Martin Roy, Slowake, hat Sprachen, Literatur, Geschichte studiert und übersetzt anspruchsvolle Belletristik aus dem Italienischen. Doch von den miserablen Honoraren dafür kann er nicht leben. Den Job als Tourmanager hat er aus schierer Geldnot gewählt. Er muss sich innerlich verbiegen, um sich die Grundlage für seine eigentliche Existenz zu sichern. Was er von sich sagt, trifft für viele seiner Generation zu: "Martins Leben fühlte sich wie ein großes Provisorium an."

Nicht alles an diesem Buch ist perfekt, historisches Wissen nicht immer elegant eingefügt, manches in der Figurengestaltung - etwa von Martins Freundin Mona - mag übertrieben oder konstruiert wirken. Trotz dieser Ecken und Kanten ist es ein spannendes, mit Vergnügen zu lesendes, vor allem aber ein überaus erhellendes Buch.

Michal Hvorecky: Tod auf der Donau. Tropen-Verlag (Klett-Cotta). 272 S., 19,95 Euro

Kostenloses Konzert

des Duos CousCous

Anlässlich des Starts seiner "Crowdfunding-Campagne" gibt das Dresdner Akustikpop-Duo CousCous bestehend aus der Sängerin Tine Schulz und dem Gitarristen und Pianisten Moritz Essinger heute Abend um 20.30 Uhr ein kostenloses Konzert im Lofthouse in der Katharinenstraße. Mit dem eingenommenen Geld möchte CousCous nach eigenen Angaben "Das schönste Album 2012" aufnehmen, an dem die beiden Künstler derzeit gerade arbeiten. Besonderes Markenzeichen des Duos CousCous ist vor allem seine Vielseitigkeit, die durch die abwechselnde Gitarren- und Klavierbegleitung begünstigt wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.06.2012

Tomas Gärtner DNN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr