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„Michael Kohlhass“ im Schauspielstudio Dresden

Von Recht und Unrecht „Michael Kohlhass“ im Schauspielstudio Dresden

Schauspielstudio Dresden bringt eine erfrischende „Michael Kohlhaas“- Version nach Heinrich von Kleist auf die Bühne. Staatsschauspiel Mime Philipp zeigt sich für die Regie verantwortlich.

Michael Kohlhaas im Kleinen Haus.

Quelle: Matthias Horn

Dresden. Bald 400 Jahre ist es her, dass die Ereignisse um den Kaufmann Hans Kohlhase aus dem Brandenburgischen, wie er in den historischen Akten tatsächlich benannt ist, die Gemüter in deutschen Landen heftig in Aufruhr brachte. Und nicht von ungefähr hat Anfang des 19. Jahrhunderts Heinrich von Kleist die Geschichte des maßlos Rebellierenden schließlich auf seine Weise erzählt, nennt ihn bezeichnenderweise einen „der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Da geht es detailreich um Recht und Unrecht, ist allein schon im veränderten Vornamen der deutsche Michel ebenso wie der wehrhafte Erzengel Michael assoziiert.

Ein Stoff, der es in sich hat, bei dem es um die alte wie auch stets neue Erkenntnis geht, dass das Recht eine höchst fragile Angelegenheit ist. Wo meist jene Recht bekommen, die ebenso die Macht und die Mittel besitzen, ihre Ansprüche rechtens erscheinen zu lassen. Darüber lässt es sich zu allen Zeiten bestens fabulieren – auch auf der Bühne. Eine Herausforderung, der sich die jungen Darsteller vom Schauspielstudio Dresden der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig mit Vehemenz und in erfrischender Zusammenarbeit mit Philipp Lux gestellt haben. Der ja einst selbst als herausragendes Studiomitglied ins Ensemble übernommen wurde. Und heute gemeinsam mit der Dramaturgin Felicitas Zürcher das Studio am Staatsschauspiel Dresden leitet.

So spielerisch, wie die Darsteller mit Sprache und Szene (Bühne: Christian Wiehle) umgehen, Verwandlungen derart vollziehen, dass jeder von ihnen die Rolle des Kohlhaas übernehmen kann, wie auch diverse andere Aufgaben, kommt das Geschehen schnell und assoziationsreich in Fluss. Bei dem man schließlich mit dem Nach-Denken kaum mehr hinterher kommt, zumal die historischen wie auch gegenwärtigen Bezüge kreuz und quer miteinander verquickt sind. Da sollte sich wohl jeder direkt angesprochen fühlen, sind Texte, Bewegungen, Situationen so hinterfragt, dass man zu grübeln beginnt, wer dabei wohl und wie gemeint sei. Mal ganz abgesehen von jener geheimnisvollen Zettel-Botschaft, die bereits Heinrich von Kleist mit ins Spiel gebracht hat.

Den deutschen Amtsschimmel allerdings muss man wohl kaum erst enträtseln. Der offenbart sich in der Kanzleiszene so treffend und wiehernd, dass er für jeden erkennbar ist. Und auch die aufgereihten Tribunale dürften in ihren Charakterisierungen recht gegenwärtig sein. Zudem hat Urte Alfs mit den jungen Schauspielern eigenwillige Videos gedreht, die erfreulich irritierend sind.

Dass zur Premiere von den Darstellern aufgrund einer Erkrankung Lieke Hoppe nicht auftreten konnte, ist ganz gewiss schade, doch ihre Aufgaben wurden vorerst von den anderen tatkräftig mit übernommen. Und sicher wird sie im Achter-Bunde bald wieder mit dabei ist, so auch in der auf alle verteilten Rolle des Michael Kohlhaas wie ebenso als Kurfürst von Sachsen. Ob man sich diese Geschichte aus alten und neuen Zeiten im Kleinen Haus anschauen sollte? Ja doch, unbedingt! Schon wegen der drangvollen jungen Spieler, die speziell auch als Gruppe dafür sorgen, dass es nie langweilig wird. Und denen es gelingt – spürbar ebenso ein Verdienst des stets zum Wesentlichen vordringenden Philipp Lux –, ihre zuweilen bewusst überzeichneten Gestalten nicht zu Karikaturen verkommen zu lassen. Dies soll, heißt es im Programmheft, überhaupt die erste Inszenierung von Philipp Lux sein? Das ist doch irgendwie kaum zu glauben. Wenn einer das Potenzial und die Gabe dafür hat, dann ist es doch gerade dieser Schauspieler.

Dass auch die neuen Studiomitglieder deutlich über musikalische Qualitäten verfügen, ist übrigens in der Inszenierung wahrhaft nicht zu überhören. Sie wären allerdings besser beraten gewesen, für die Geschichte von „Michael Kohlhaas“ Lieder (aus welcher Zeit auch immer) auszuwählen, die sich dem existenziellen Geschehen kraftvoller zuordnen lassen. Was möglicherweise Geschmackssache ist, aber für Kohlhaas scheint der doch irgendwie beliebige Sound nicht gerade passend zu sein, wirkt eher aufweichend. Womit sich auch irgendeine Absicht verbinden kann. Aber welche?

Von Gabriele Gorgas

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