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Melancholie im Garten Eden: Thalia Gardens Festival ist ein Dresdner Musikfest für Entspannungswillige

Melancholie im Garten Eden: Thalia Gardens Festival ist ein Dresdner Musikfest für Entspannungswillige

Fast alles an diesem Wochenende im und um das Thalia-Kino ließ sich im Sitzen absolvieren. Die zweite Auflage dieser kleinen Veranstaltung namens Thalia Gardens Festival war ein Versuch, das Ganze noch ein wenig mehr auf Hörerlebnis für Erwachsene zu trimmen.

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Rune Simonsen beim Thalia Gardens Festival.

Quelle: Dietrich Flechtner

Die Dresdner Sommerabende mit Hamburger Verstärkung und ein wenig internationalem Zuschuss liefen auf Entspannung hinaus, mit vielen ruhigen Momenten und einigen geschlossenen Augen.

Im Garten gab es Grillspieße mit Aprikosen, Kartoffelsalat und alles, was die Thalia-Bar so hergibt. Dazu natürlich Musik. Den Anfang machte allerdings - wie schon im letzten Jahr die wunderbar abseitige Dokumentation "Grandma Lo-Fi" - ein Film, der mit Musik zu tun hat. Im Fall von "The Ghost Of Piramida" ging es um die dänische Band Efterklang, die in einer abgelegenen russischen Mine zu ihrem letzten Album inspiriert wurde und den daraus entstandenen Film von Andreas Koefoed anschließend vertonte. So große Namen fanden sich in diesem Jahr aber nicht im Thalia-Line-Up. Elf ziemlich unbekannte Künstler spielten über vier Abende verteilt und später, wenn das letzte Tageslicht schon lange hinterm Garten versunken war, wurde in der Bar zur elektronischen Musik ausgetanzt. Da verschwanden dann allerdings die Älteren und wurden durch jüngeres Laufpublikum ausgetauscht, das eine warme Neustadtnacht anschwemmt. Das Tanzen ist in Dresden offensichtlich nicht so sehr die Sache der Ü-30-Generation.

Das Publikum bei der Live-Musik war dagegen häufig älter als die Auftretenden, was ja bei Konzerten nicht so oft vorkommt. Da war zum Beispiel Lydmor, die 24-jährige Dänin und Elektro-Produzentin. Diesmal saß sie brav am Flügel auf der Gartenbühne und interpretierte erstmals offiziell ihre elektronischen Songs ganz ruhig, was ihnen gut bekam und ihrer klaren Stimme mehr Raum gab. Sonst springt Lydmor unter anderem mit den Live Drum'n'Basslern von Bottled In England über die Bühne oder mit ihrem Freund, dem Sänger in der dänischen Lo-Fi-Rockband Helmet Compass, deren Song "Drugs In My Pocket" sie nun coverte. Auch "Cigarettes And Chocolate Milk" von Rufus Wainwright spielte sie in einer sehr zarten, sehr eigenen Interpretation und nach ihrem Konzert kann man nur hoffen, dass sie auch in Zukunft ab und zu mal die Gangart wechselt.

Der ihr am Flügel folgende Brite Douglas Dare ist sogar erst 23 Jahre jung. Doch Talent fürs altersweise und melancholische Songwriting hat er genug, auch wenn er zwischendrin immer wieder in seinem wunderbaren britischen Englisch unterhaltsame Geschichten erzählte; die Texte drehen sich um Schmerzen und den Wunsch, des Sich-Fühlen-Könnens. "I don't want some art on my sleeve, no I want to love, cry and grief over something that's real. I just want to feel a scar no one else can steal." (aus "Scars"). Dare hatte genau einen optimistischen, fast Uptempo-Song im Programm, und zwar über die Tatsache, dass es Orte auf der Welt gibt, in denen man sich freut, wenn es regnet, was für einen Engländer eine nur schwer nachvollziehbare Reaktion ist. Auch wenn seine Musik viel weniger verspielt und verspult klang, man dachte an James Blake, vielleicht der Zurückhaltung wegen, mit der er da ans Klavierspiel heranging, und der Emotionalität, die er trotzdem vermittelte. Gerade war er als Support von Ólafur Arnalds unterwegs, in zwei Monaten soll sein Debüt beim Label Erased Tapes erscheinen. Ob es aber auf Platte so schön taumeln lässt wie unter den tiefrot angestrahlten Bäumen im Thalia-Garten, ist nicht so sicher.

Ab zehn Uhr war draußen Ruhe angesagt - auch die Nachbarn sollen nicht übermäßig strapaziert werden - und es ging erst im Kinosaal und später in der Bar weiter. Dort versuchten DJs, all die Stunden der Tiefenentspannung in Tanzenergie umzuwandeln. Das Hamburger Veranstaltungskollektiv Motion Ctrl brachte dafür ebenfalls in Dresden unbekannte Live-Acts wie Rival Consoles, Aparde oder Kirrin Island ans Pult, als "bescheidenen Beitrag zur Städtepartnerschaft Hamburg-Dresden". Nach dem zweiten Jahr ist die Denkrichtung der Macher des Thalia Gardens Festivals klar und die Aufgabe, eine sonst in Dresdens Subkultur eher vernachlässigte Zielgruppe zu bespielen, eine ehrenwerte, aber sicher keine ganz leichte. Mal sehen, wohin das im Jahr 2014 führt. Hoffentlich nicht zu Hängematten im Garten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.07.2013

Juliane Hanka

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