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"Meine Stimme ist wie ein Chamäleon" - Sören Richter erhält das Mauersberger-Stipendium 2014

"Meine Stimme ist wie ein Chamäleon" - Sören Richter erhält das Mauersberger-Stipendium 2014

Wenn morgen im Rahmen der Kreuzchorvesper in der Dresdner Kreuzkirche das Rudolf-Mauersberger-Stipendium verliehen wird, kehrt Laureat Sören Richter nach mehr als zehn Jahren an seine ehemalige Wirkungsstätte als Sänger zurück.

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Sören Richter

Quelle: PR

Seit 1993 selbst Kruzianer, zunächst unter Gothart Stier und Matthias Jung, ab 1997 dann unter Roderich Kreile, hat er inzwischen sein Studium in Frankfurt abgeschlossen und singt an Bühnen wie Köln, Frankfurt und Nancy. Sebastian Konrad sprach mit dem 29-Jährigen.

Mitten am Tage kommen Sie von einem Auftritt zum Interview - wie das?

Als ehemaliger Stipendiat der Yehudi-Menuhin-Stiftung gebe ich nach deren Regularien immer wieder kleine Konzerte für Menschen, die sonst eher nicht kommen: in Gefängnissen, Psychiatrien, Drogenstationen, Krankenhäusern und Schulen. Das macht Spaß!

Sie wurden auch von der Richard-Wagner-Studienstiftung gefördert. Warum nun Rudolf Mauersberger?

Dass es jetzt geklappt hat, freut mich sehr, denn ich hatte mich schon drei Mal beworben. Ich bin in Oberschöna bei Freiberg aufgewachsen, also selber ein Kind des Erzgebirges wie Mauersberger. Mein Ziehvater Wolfgang Eger, der lange Jahre den Freiberger Knabenchor geleitet hat, wo ich auch mit acht Jahren anfing, war Kruzianer unter Mauersberger und hat mir viel erzählt. Der Name ist für mich der Inbegriff von einem Kreuzkantor, vor allem in der Nachkriegszeit, als er den Chor wieder aufgebaut hat. Später war ich ja dann selbst Kruzianer, was mich sehr geprägt hat.

So stark, dass Sie dann Gesang studiert haben.

Unser Jahrgang war mit vier Kruzianern, die Musik studiert haben, sehr stark. Mein Diplom hatte ich 2012 in der Tasche, berufsbegleitend beende ich noch bis zum Sommer ein Aufbaustudium für Alte Musik. Ich wollte schon immer in die Oper, seit ich in der "Zauberflöte" den 1. Knaben gesungen habe. Auch während des Studiums habe ich viel Musiktheater gemacht, für meinen Lehrer zählte nur Oper. Dann bin ich aber mehr und mehr ins Konzertfach geschlittert.

Kann man als junger Sänger davon leben?

Das geht freischaffend sehr gut, und da ich im Rhein-Main-Gebiet lebe, sind die Erträge besser als vielleicht woanders. Abgesehen von den solistischen Auftritten singe ich noch im Collegium Vocale Gent bei Philippe Herreweghe und denke darüber nach, Angebote zur Aushilfe in Rundfunkchören anzunehmen. Jetzt brauche ich aber erst mal dringend eine gute Konzertagentur.

Ihre Stimme scheint ja sehr wandelbar - zwischen Bachs Oratorien und Mime haben Sie schon alles Mögliche gesungen.

Den Mime habe ich nur ausschnittweise für eine Kinderoper probiert, das würde ich in den nächsten zehn Jahren nicht auf einer großen Bühne wagen, auch Puccini oder Verdi gibt meine Stimme nicht her.

Sondern?

Meine Stimme ist wie ein Chamäleon, ich singe Bach gänzlich anders, mehr lyrisch, fühle mich aber auch im Buffofach nicht unwohl. Meine Liebe gilt aber eher dem Kantatenfach. Bach habe ich praktisch mit der Muttermilch aufgesogen. Dafür war aber ein irrer Prozess der Abnabelung nötig, so etwas wie eine zweite Pubertät. Ich hatte mich davon ganz abgewendet, und irgendwann kam das von ganz alleine, dass ich zurück zu meinen Wurzeln, zurück zum Kreuzchorrepertoire kam.

Wieso brauchte es diese Entfernung?

Ich habe als Externer mit dem Kreuzchor 24 Stunden am Tag verbracht, Freunde hatte ich nur hier, das Leben fand ausschließlich in Dresden statt. Ich kann mich noch gut an das letzte Konzert der Sommertour in Hamburg erinnern, das war ein bitterlicher Abschied! Danach ging ich mit drei anderen Kruzianern zum Zivildienst nach München, das war so eine Art Kreuzchor light. Aber irgendwann war Ruhe.

Warum?

Als Kruzianer bekommen Sie alles vorgekaut, mit einem stehenden Plan ist ihr Tag durchorganisiert. In der richtigen Welt müssen Sie sich dann erst mal selbst organisieren. Ich bin jetzt wieder Kruzianer und sage das mit Stolz.

Was haben Sie mitgenommen?

Die gute Ausbildung und das Spek- trum unterschiedlichster Menschen: zwischen einfachsten Leuten und Fürsten mit eiegnem Schloss. Wäre ich nicht ein bildungsbürgernaher Kruzianer geworden, hätte ich vielleicht wie andere mit dreizehn an der Bushaltestelle gesessen und Bier getrunken, statt zu proben.

Ihre Freundin ist auch Musikerin. Würden Sie Ihrem Nachwuchs den Kreuzchor empfehlen?

Ich habe das erst neulich mit ihr diskutiert: Wenn der Sohn das will und es logistisch klappt: jederzeit gerne.

Kreuzchorvesper: 17. Mai, 17 Uhr, Kreuzkirche Dresden. Werke von Gottfried August Homilius und Carl Philipp Emanuel Bach. Jana Büchner (Sopran), Sören Richter (Tenor), Dresdner Kreuzchor, Philharmonisches Kammerorchester, Kreuzkantor Roderich Kreile (Leitung)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.05.2014

Sebastian Konrad

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