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Rund 100 Jahre hatte jener Notenschrank auf der Empore in der Hofkirche gestanden, in dem die Notenhandschriften lagerten, die maßgeblich von Konzertmeister Johann Georg Pisendel für die Dresdner Hofkapelle gesammelt worden waren.

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Quelle: Buch

Als die Musik des Hochbarock aus der Mode kam, archivierte man sie dort. Damit entstand ein Musikschatz, der über alle Kriegswirren und Umzüge hinweg unbeschadet blieb und heute nach den Etiketten "Schranck No: II" genannt wird. Das Möbelstück existiert nicht mehr, und Gerhard Poppe, Musikwissenschaftler und Herausgeber des Katalogs "Schranck No: II - Das erhaltene Instrumentalrepertoire der Dresdner Hofkapelle aus den ersten beiden Dritteln des 18. Jahrhunderts", erklärte den staunenden Zuhörern zur Buchpräsentation in der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), wie viele solcher Schränke es gab und dass das historische Durcheinander in deren Nummerierung nicht aufzulösen ist.

Die Zahl aber ist ein Rätsel am Rande, blickt man auf die geleistete Arbeit. In seiner Begrüßung verwies Achim Bonte, Stellvertretender Generaldirektor der SLUB, auf die Bedeutung der Musikbibliothek des Hauses, die u.a. die zweitgrößte Vivaldi-Sammlung besitzt. Der "Schranck No: II" war längst Objekt intensiver Forschung. Der Vivaldi-Kenner Karl Heller und v.a. die Dresdner Musikwissenschaftlerin Ortrun Landmann haben über den Bestand gearbeitet, doch erst durch ein DFG-Projekt wurde es kürzlich möglich, sämtliche Notenhandschriften neu zu inventarisieren und zu digitalisierten. Damit steht der Musikschatz jetzt komplett für Aufführungen zur Verfügung, konnte aber parallel zur Erfassung auch musikwissenschaftlich untersucht werden. Das betraf sowohl die Zuschreibung anonym überlieferter Werke sowie die Untersuchung der Notenpapiere oder ein Kolloquium zu den Dresdner Notenkopisten. Der Stand all dieser Forschung ist im Katalog ebenso festgehalten, wie das Inventar der Werke, das in gedruckter Form einen besonders schnellen Überblick erlaubt und den Zugang zu den online verfügbaren Digitalisaten erleichtert.

Der Band gehört zu einer Schriftenreihe, die in Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Barockmusik e. V. erscheint. Der Präsident der MBM, Wolfgang Hirschmann, erörterte in einer Gesprächsrunde die Beweggründe für ein klassisches Buch im Zeitalter der Onlinekataloge. Die Forschungsgeschichte zusammenzufassen und Informationen zu bündeln, die der übliche SLUB-Katalog nicht transportieren kann, v.a. aber die Erfahrungen aus dem Projekt für andere Forscher nutzbar zu halten, ist Gerhard Poppe wichtig. Der Musiker Stefan Maass, Lautenist und Leiter der Batzdorfer Hofkapelle, der sich als Verfechter der Computersuche bekannte, freute sich über die wertvolle Hilfe, um in diesem "Meer von Musik" zu navigieren. Diesen unmittelbar praktischen Nutzen für die Musiker sieht auch Katrin Bemmann, die als Mitarbeiterin des DFG-Projektes mit der Inventarisierung befasst war, als wesentlichen Vorzug der Neuerscheinung.

Die Summe dieser Anliegen fand sich im anschließenden Konzert mit "Les Amis de Philippe": Musik von Brescianello, Heinichen und anonyme Werke aus dem "Schranck No: II", gespielt von Mathias Kiesling (Traversflöte), Margret Baumgartl und Eva Salonen-Jopp (Violinen), Gregory Anthony (Violoncello) und Ludger Rémy (Cembalo), schlugen die klingende Brücke zur wissenschaftlichen Arbeit, die Konzertbesuchern meist verborgen bleibt und die dennoch unverzichtbar ist.

Forum Mitteldeutsche Barockmusik Band 2. Schranck No: II - Das erhaltene Instrumentalmusikrepertoire der Dresdner Hofkapelle aus den ersten beiden Dritteln des 18. Jahrhunderts. Broschur, 273 S., mit Abb. und CD-ROM; ISBN 978-3-937788-29-6. ortus Musikverlag, 32,50 Euro

http://www.schrank-zwei.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.02.2013

Hartmut Schütz

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