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Mehr Künstler. Mehr Ausstellung. Mehr Erfolg. Künstlerbund Dresden ist zufrieden mit der zweiten Künstlermesse

Mehr Künstler. Mehr Ausstellung. Mehr Erfolg. Künstlerbund Dresden ist zufrieden mit der zweiten Künstlermesse

Mehr Ausstellung. Mehr Erfolg? Das ist tatsächlich die Frage, die sich aufdrängt. Die Antwort darauf ist schwieriger. Die Künstlermesse 2013 ist in der Tat professioneller geworden.

Mehr Künstler.

Die Künstler haben - innerhalb der Lifestyle-Messe "room + style" - eine ganze Halle nur für sich, sind nicht mehr zwischengeparkt in ungeliebten Gängen und Räumen. Ihre Stände sind jetzt großzügig und übersichtlich angeordnet. Man kann flanieren, schauen, überlegen und miteinander ins Gespräch kommen. Allein das ist schon ein großer Gewinn. Messerundgänge und Diskussionsrunden werden angeboten und sogar Filme gezeigt. Die Künstlermesse 2013 sorgt wirklich für überraschende, abwechslungsreiche und anregende Momente.

Doch hat die Künstlermesse 2013 wirklich die Erwartungen erfüllt? Sind alle glücklich - die Besucher, die Aussteller und die Veranstalter? Vielleicht der Reihe nach. Der Besucher kann wirklich zufrieden sein. Wenn ihm nicht die gut gemachten, surrealistisch angehauchten Acrylaquarelle von Leonore Adler (geb. 1953), gefallen, dann freut er sich vielleicht über die wuchernden Büsche und das wilde Grün auf den Leinwänden von Felix Lippmann (*1982). Seine Ölbilder zeigen - neben denen von Anne Kern (*1981) - die interessantesten Landschaftsmalereien dieser Messe. Lippmann und Kern beherrschen beide die Kunst, einen Raum stimmungsvoll und spannungsreich zu interpretieren, sei es wie bei Lippmann gesehen ein Feldweg bei Quohren oder bei Kern die Gautschgrotte in der Sächsischen Schweiz. Ganz anders und dennoch nicht weniger aufregend die Arbeiten von Lutz Bleidorn (*1973). Seine poetischen Landschaften sind nicht zu fassen, sie tragen Rätsel in sich, Schwebezustände, die es zu entdecken gilt.

Aufgefallen sind auch die künstlerischen Parallelnaturen, die biomorphen Fundstücke von Gudrun Brückel (*1954). Ihre Tintenstrahl-Pigmentdrucke können sich auch drucktechnisch wirklich sehen lassen, genauso wie die Kombinationsdrucke von Tina Wohlfahrt (*1978). Ihr schwarzer Mann auf dem weißen Blatt bleibt deutlich in Erinnerung, ebenso aber auch die Ölgemälde von Jörn Diederichs (*1969). Sein "Dr. Reiner Gluch" ist ein bemerkenswert mutiges Porträt. Schön, dass Diederichs es zeigt.

Der Besucher also kann zufrieden sein. Er bekommt Vielfalt geboten, darunter wenig beliebiges, dafür häufig ausgesprochen hohe Qualität. Die Jury hat gute Arbeit geleistet. 83 Künstler stellen sich mit weit über 1000 Arbeiten vor. Die Preise dafür liegen von 50 bis zu 15 000 Euro. Es ist also für jeden Geldbeutel etwas dabei. Mehr kann man sich für solch eine regionale Messe nicht wünschen. Doch sind die Künstler selbst zufrieden? Michael Freudenberg (*1943) hat mit seinen impressionistisch kontemplativen Flächen Erfolg. Er hat das teuerste Bild der Messe verkauft. "Das hat im letzten Jahr auch schon geklappt", sagt Freudenberg. "Für mich läuft die Messe bestens. Ich treffe nicht nur auf Altbekannte, mich sprechen auch viele neue Kunden an. Nächstes Jahr bin ich garantiert wieder dabei."

Freudenberg frohlockt also, auch Leonore Adler und Gudrun Brückel, sie verkaufen gut. Auch die Fotografin Gabriele Seitz (*1951), die sich mit ihren schwarz-weiß gehaltenen Künstlerporträts der Öffentlichkeit präsentiert, ist mehr als zufrieden. Andere Künstler stehen hoffnungsvoll vor ihrem Stand und verkaufen nichts. Das betrifft vor allem die ganz Jungen. Die Dresdner setzen ganz offensichtlich auf Bekanntes und Vertrautes. Anders ist es nicht zu verstehen, dass die meisterhaften Kinderporträts von Viktoria Graf (*1985) auf kein Interesse stoßen. Ihre Ölbilder sind empfindsam, ungezügelt, fröhlich, wirr, beängstigend und liebevoll zugleich. Ihre Porträts zählen zu den spannendsten Arbeiten auf dieser Messe, und dennoch finden sie - trotz der Preise um die 600 bis 900 Euro - keinen Käufer. "Bis jetzt habe ich nur eine kleine Zeichnung für 150 Euro verkaufen können", erzählt die junge Künstlerin. "Das ist zu wenig für drei Tage Messe. Ich habe jetzt nicht das große Geschäft erwartet, aber doch schon mehr Interesse. Ich möchte wirklich mit den Besuchern hier ins Gespräch kommen. Nur wollen die wenigsten mit mir reden. Das ist schon enttäuschend."

Auch Anne Kern und Lutz Bleidorn haben mehr erwartet, Ähnlich wie Philipp Gloger (*1983). Er beschäftigt sich mit urbanen Systemen, Infrastruktur und der wachsenden Informationsflut unserer heutigen Zeit. Seine Arbeiten kann man auch als Menetekel lesen, als Vorzeichen drohenden Unheils. "Die Messe war eine interessante Erfahrung für mich", meint Gloger. "Aber ob ich wirklich noch einmal wiederkomme, das weiß ich nicht. Eher nicht." Thomas Hellinger (*1956) hat schon im Vorfeld nicht auf mögliche Verkäufe gesetzt. Seine abstrakt gehaltenen Bilder sind sehr vielschichtig, sie erinnern an schnelle Schnitte im Film. Vielleicht erschließen sie sich deshalb für viele nicht auf dem ersten Blick: "Damit habe ich durchaus gerechnet", sagt er: "Ich wollte aber zeigen, dass es mich gibt, dass ich als Künstler hier in Dresden lebe. Und das ist doch der Sinn dieser Messe, oder?"

Kristine Schmidt-Köpf vom Künst- lerbund Dresden sieht dies genauso: "Wir sind voll und ganz mit dieser Messe zufrieden. Unser Konzept ist aufgegangen. Etliche Künstler haben Verkäufe getätigt. Jetzt schauen wir nach vorn." Im letzten Jahr hat im Durchschnitt jeder Aussteller 400 Euro eingenommen. Das ist ein Anfang. Mehr nicht. Das reicht auch nicht für den Bestand der Messe. Vielleicht wird der Künstlerbund als Veranstalter in Zukunft etwas mutiger. Vielleicht lädt er doch noch Galerien oder Produzentenräume ein, ähnlich wie im diesem Jahr das module.kollektiv oder die Gruppe CYNAL. Beides ist eine Bereicherung für die Messe.

Eher früher als später aber muss die Veranstaltung in Zukunft sich selbst tragen können. Bis dato überlebt sie nur dank großzügiger Unterstützung des Kultur- und des Wirtschaftsamtes der Stadt Dresden und durch eine Spende der Volks- und Raiffeisenbank sowie mit Hilfe vieler Unterstützer. Vielleicht würde es schon helfen, wenn die Werbetrommel mehr gerührt werden würde.

Für diesmal aber gilt festzuhalten: Mehr Künstler. Mehr Ausstellung. Mehr Erfolg. Ein Achtungserfolg auf alle Fälle.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.01.2013

Adina Rieckmann

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