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Medicanti spielten Dvoák und Schumann in der Kreuzkirche

Sehnsuchtsvolle Versunkenheit Medicanti spielten Dvoák und Schumann in der Kreuzkirche

Medicanti-Konzerte gehören oft zu den unaufgeregten, aber zahlreich besuchten Geheimtipps in der reichen Dresdner Musiklandschaft. Und so deutete auch am Sonntag eine lange Menschenschlange an der Kreuzkirchenpforte auf das kurz darauf folgende Sinfoniekonzert hin.

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Die Dresdner Kreuzkirche.

Quelle: Archiv

Dresden. Medicanti-Konzerte gehören oft zu den unaufgeregten, aber zahlreich besuchten Geheimtipps in der reichen Dresdner Musiklandschaft. Und so deutete auch am Sonntag eine lange Menschenschlange an der Kreuzkirchenpforte auf das kurz darauf folgende Sinfoniekonzert des Orchesters der Medizinischen Fakultät der TU Dresden hin.

Als Höhe- und Glanzpunkt erklang an diesem Nachmittag Antonín Dvoráks Konzert für Violoncello und Orchester in h-Moll, für das sich das Orchester mit Hans-Ludwig Raatz einen jungen Dresdner Solisten mit Philharmonie- und Staatskapellen-Erfahrung aufs Podest geholt hat. Dieses persönliche, stark autobiografisch geprägte Werk von Dvorák ließ Dirigent Wolfgang Behrend im Allegro zunächst wie eine Donnerklage anheben, bevor sich eine tiefe Melancholie sachte auf das ganze Orchester senkte. Behrend setzte dabei auf weiche, fließende Übergänge und betonte so auch die bittere Lyrik, die diesem Stück innewohnt, das als letzter musikalischer Beweis von Dvoráks Zuneigung zu seiner Schwägerin Josefina Cermáková gilt.

Hans-Ludwig Raatz stimmte auf seinem Cello zunächst noch zurückgenommen in den Orchesterpart ein, fast wie ein sanfter Schwanengesang erschien seine Solostimme, helltönend, feinfühlig, so als ob er mit dem Instrument den melancholischen Grundton in einem nebligen Spiegelbild zurückwirft. Weich und fließend ließ er das Cello gleichsam auf dem Orchester schweben, ja sang mit ihm gemeinsam, als schmiegte sich sein Instrument wie ein schaukelnder Kahn in die Wellen des unberechenbar wogenden Meeres.

Cellist Raatz überzeugt mit feinsinnigem Solo

Raatz arbeitete dabei die gestalterischen Details der Cellostimme filigran heraus, ließ den anfangs noch einem kummervollen Seufzen gleichenden Klangcharakter bis zum Finale allmählich in sehnsuchtsvolle Verträumtheit münden. Besonders aus den leisen Tönen bezog er die Spannung, so als wolle er damit nur umso mehr betonen, was hier eben nicht wütend hervorbricht. Immer auf Augenhöhe mit dem Orchester - dabei hätte ein bisschen mehr Schärfe und Dominanz diesem äußerst feinsinnigen Solo vielleicht noch ein paar nachhaltigere Akzente verliehen.

Einen umso lebhafteren Kontrapunkt zu diesem sinnlichen Auftakt setzte Medicanti anschließend mit Robert Schumanns 4. Sinfonie d-Moll. Wolfgang Behrend gab hier von Anfang an ein ordentliches Tempo vor, ließ es bereits im ersten Satz bewegt brausen und verlieh besonders dem Scherzo später einen schwungvollen Drive. Behrend und das Orchester setzten so einen energischen Schlussakkord auf den Konzertnachmittag, von dem dennoch vor allem der Dvorák in seiner sensibel ausgespielten, sehnsuchtsvollen Versunkenheit noch lange nachhallen wird.

Das nächste Medicanti-Konzert erklingt nun erst zum Ende des Sommersemesters, am 12. Juni an gleicher Stelle in der Kreuzkirche.

medicanti.de

Nicole Czerwinka

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