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Max Renne dirigiert die Neuinszenierung der Opernfantasie "R. Hot bzw. Die Hitze"

Rückkehr nach 40 Jahren Max Renne dirigiert die Neuinszenierung der Opernfantasie "R. Hot bzw. Die Hitze"

Als der Komponist Friedrich Goldmann 1974 die Komposition seiner gut drei Jahre später im Apollo-Saal der Berliner Staatsoper in der Inszenierung von Peter Konwitschny uraufgeführten Oper abschloss, wurde der Berliner Dirigent Max Renne gerade geboren.

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"Hot" in der Dresdner Erstaufführung 1986 in der Kleinen Szene mit Gabriele Auenmüller und Helmut Henschel.

Quelle: Erwin Döring/Staatsoper

Dresden. Er kommt aus einer Theaterfamilie, der Vater war Regisseur an der Volksbühne, die Mutter Schauspielerin, der Sohn wollte ebenfalls zum Theater, aber eben nicht auf die Bühne. Die musikalischen Begabungen zeigten sich früh, nach dem Abitur begann er an der Berliner Hochschule für Musik "Hanns Eisler" das Vorstudium in den Fächern Korrepetition und Partiturspiel. Zum Hauptstudium ging er nach Wien und absolvierte eine Ausbildung als Dirigent, kein Geringerer als Leopold Hager war sein Lehrer.

Am Landestheater in Linz erarbeitete er sich zunächst als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung, später als Studienleiter und Kapellmeister, ein breites Repertoire.

Seit 2004 arbeitet er frei als Dirigent, seine Vorliebe gilt außergewöhnlichen Projekten, die Zusammenarbeit mit interessanten Regisseurinnen und Regisseuren ist ihm wichtig. Da spüre er doch, so der Dirigent beim Gespräch in Dresden, dass Theaterblut in seinen Adern fließe, und das möchte er nicht unterdrücken müssen.

In Dresden konnte man ihn erleben, als er 2009 mit der Dresdner Philharmonie im Festspielhaus Hellerau Igor Strawinskys "Oedipus Rex" in der Choreografie und Inszenierung von Constanza Macras dirigierte.

An der Berliner Volksbühne hat er den Regisseur Sebastian Baumgarten kennengelernt und die Zusammenarbeit als Dirigent bei dessen Stuttgarter Inszenierung "Die Dreigroschenoper" fortgesetzt. An der Oper in Göteborg dirigiert Max Renne Ballettproduktionen, derzeit "A's Adventures" von Anton Lachky mit Musik von Bach, Haydn und Mozart.

Seit der Saison 2013/2014 arbeitet er auch an der Berliner Staatsoper, im Interimsquartier, dem Schillertheater, steht er bei Repertoireaufführungen am Pult der Staatskapelle, eigene Produktionen dirigiert er bislang in der Werkstatt, als musikalischer Leiter der Inszenierung von Friedrich Goldmanns Opernfantasie "R. Hot bzw. Die Hitze" begann er seine Arbeit hier, die inzwischen vielfache Fortsetzung mit den Dirigaten weiterer Einstudierungen fand. Ende Januar dirigiert er als erste Eigenproduktion auf der großen Bühne "Mord an Mozart", eine relative Vernichtungstheorie mit "Mozart und Salieri" von Nikolai Rimsky-Korsakow und Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Dmitri Schostakowitsch sowie Texten von Fjodor Dostojewski.

Und jetzt in Dresden, in der Endphase der Proben, kommt der junge, unkonventionell auftretende Dirigent sehr schnell ins Schwärmen über die Besonderheit der musikalischen Qualität dieses Werkes. Friedrich Goldmann habe für ihn zu diesem Operntext von Thomas Körner nach dem Dramenfragment "Der Engländer" von Jakob Michael Reinhold Lenz aus dem Jahr 1776 eigentlich spätromantische Musik in zeitgenössischen Formen für ein Bläserquintett mit elektronischen Zuspielungen und ungewöhnlichem weiteren Instrumentarium, wie etwa einer Maultrommel, geschrieben. Immer wieder, so der Dirigent, könne man herrliche Gesangslinien vernehmen, klare Kantilenen, verblüffend, eben nur nicht schwebend überm Klang der Streicher, sondern über nicht selten auch sehr heiteren Klangfiguren des Schlagwerkes. Kein Moment gleiche dem anderen in 90 spannenden Minuten mit 112 musikalischen Posen, von denen jede ihre eigene Charakteristik habe. Und wer meine, mitunter sogar Anklänge einer Opernmelodik von Puccini zu erkennen, der läge ganz und gar nicht falsch.

Zudem sei ja auch die Thematik ganz und gar nicht überholt, jener Konflikt zwischen Generationen, dem sich im Drama von Lenz der Held Robert Hot durch Selbstmord entzieht, in der Opernfantasie von Goldmann und Körner täuscht er ihn schlitzohrig vor, "Behaltet euren Himmel für euch...", um darauf mit der geliebten Prinzessin ganz und gar gegen den Willen des Vaters sich auf den Weg zu machen, der wird ganz sicher nicht in einen Himmel auf Erden führen, aber das wird dann eine andere Geschichte.

1977 in der DDR stieß dieses Werk, auch wegen seiner musikalischen Provokationen, etwa dem ironisierten, braven Einheitsgesang der Ja-Sager, auf kulturpolitischen Widerstand. Peter Konwitschnys Berliner Inszenierung der Uraufführung wurde nach sechs Vorstellungen abgesetzt. Das Stück wurde noch in Schwerin gespielt, allerdings auch in Hamburg und Stuttgart, und erlebte 1986 seine Dresdner Erstaufführung in der Kleinen Szene der Staatsoper auf der Bautzner Straße bei den Dresdner Musikfestspielen. Obwohl sich die Mitglieder der Staatskapelle damals weigerten, diese Musik zu spielen, und die Mitglieder des Berliner Bläserquintetts einsprangen, für den Kritiker Wolfgang Lange, damals in Theater der Zeit, wurde die Aufführung "ein Höhepunkt der Musikfestspiele". Diese Inszenierung, so damals Helmut Henschel in Musik und Gesellschaft, hatte der Regisseur Arnold Schrem verstanden, "in der verletzlichen Balance zwischen Realität und Stilisierung anzusiedeln".

Und Arnold Schrem erinnert sich heute im Gespräch, dass es ihm darum ging, "ein Stück über uns selber" zu zeigen. Er wollte aus den 112 Posen des Werkes ein Puzzle zusammenfügen, eine erkennbare Geschichte emotional nachvollziehbar werden lassen, was geschieht, wenn Generationen in Konflikt geraten, so wie es Wolfgang Lange zur Dresdner Aufführung beschrieb, "was geschieht, wenn individuell andere Gefühlslagen, als normiertes Wohlverhalten fordern, mit den gesellschaftlichen Zwängen in Konflikt geraten?"

Man darf gespannt sein, wie in der Dresdner Neuinszenierung Regisseur Manfred Weiss und sein bewährtes Ausstattungsteam Okarina Peter und Timo Dentler sich diesen Fragen im aktuellen Kontext persönlicher und gesellschaftlicher Zwänge stellen werden.

Man wird bestimmt nicht enttäuscht sein, denn die Zusammenarbeit mit dem Regieteam, mit den Mitgliedern der Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Staatskapelle Dresden und einem ausgezeichneten Solistenensemble, allen voran der Tenor Martin Koch, der mit der Titelpartie sein Dresdner Debüt gibt, gebe Anlass zu schönsten Hoffnungen, so der Dirigent Max Renne, "das wird ein Opernabend jenseits aller Beliebigkeit".

Premiere: morgen, 19 Uhr, Semper 2, Junge Szene

www.semperoper.de

Boris Gruhl

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