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Max Raabes neue CD heißt "Eine Nacht in Berlin" - am Sonnabend kommt er nach Dresden

Max Raabes neue CD heißt "Eine Nacht in Berlin" - am Sonnabend kommt er nach Dresden

Max Raabe hat ein neues Live-Album aufgenommen: "Eine Nacht in Berlin". Damit tourt er erfolgreich und kommt am Sonnabend mit seinem Palast-Orchester auch nach Dresden in die Garde.

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Max Raabe ist unterwegs durch "Eine Nacht in Berlin".

Quelle: Marcus Hoehn

Steffen Rüth hat ihn interviewt.

Frage: Das Foto auf Ihrer neuen CD/ DVD zeigt Sie Fahrrad fahrend vor dem Brandenburger Tor. Sie sind unterwegs zu einem Auftritt, perfekt gekleidet. In der Dämmerung haben Sie zwar brav das Licht angemacht, fahren allerdings freihändig.

Max Raabe: Total gefährlich! Ich weiß, das darf man nicht. Auf der DVD binde ich mir während der Fahrt die Fliege zu, das Foto haben wir noch einmal nachgestellt, indem ich ein paar Mal im Kreis gefahren bin.

Ist das Ihr eigenes Rad?

Ja. Ich bin jemand, der das ganze Jahr über Fahrrad fährt. Und öffentliche Verkehrsmittel und Taxi.

Der Herr Popstar hat also keinen Limousinenservice?

Schnickschnack.

Ist das Rad für Sie Sportgerät oder Fortbewegungsmittel?

Vor allen Dingen Fortbewegungsmittel. Ich finde es sehr angenehm, speziell abends im Sommer durch die Luft nach Hause zu fahren, nachdem man im Biergarten oder so war. Der angenehme Nebeneffekt ist, dass man die Pizza wieder abarbeitet.

Fahrradhelm ist Mist, oder?

Ich finde es vernünftig, einen zu tragen. Und wenn ich Familienvater wäre, dann würde ich einen aufsetzen, damit auch die Kinder einen tragen. Aber ich bin froh, dass der Helm kein Zwang ist. Für mich ist das tatsächlich nichts. Ich brauche den Wind um die Ohren.

Sie sind ja auch ein passionierter Surfer. Dienen Ihnen Radfahren und Surfen auch zum Erhalt dieser perfekten Max-Raabe-Körperspannung auf der Bühne?

Nein, mir macht beides einfach Spaß. Ich bin da frei von Ehrgeiz. Beim Windsurfen kann man mit mir keinen Pokal gewinnen, das ist nur dem Vergnügen geschuldet.

Was gefällt Ihnen am Surfen?

In dem Moment, wo du auf dem Brett stehst, im Wind übers Wasser fegst und das Segel festhältst, kannst du dir nicht um irgendetwas anderes Gedanken machen. Sondern du konzentrierst dich nur darauf, dass du nicht ins Wasser fällst. Das ist sehr erholsam, unheimlich beglückend und macht enorm viel Spaß.

Ohnehin machen Sie den Eindruck eines Künstlers, der in sich selbst ruht. Sind Sie so gelassen oder tun Sie nur so?

Och, es ist doch alles da: Kaffee, Kuchen -

Trifft denn der Eindruck zu, dass Sie sich keine gesteigerten Sorgen machen, wie denn jetzt zum Beispiel das neue Projekt läuft? Es gibt ja Kollegen von Ihnen, denen sieht man den Druck förmlich an.

Hilft ja nix. Es stimmt, ich bin in dieser Hinsicht nicht sehr verbissen. Die Niederungen habe ich in meinen ersten Jahren in Berlin bereits durchschritten. Alles hat sich sehr langsam entwickelt und ist dann immer besser und angenehmer geworden.

Wie sind Sie in den Niederungen zurande gekommen?

Das war eine lustige Zeit, damals vor 25 oder 30 Jahren, und ich war der glücklichste Mensch. Aber ich hatte natürlich Schwierigkeiten, an Geld zu kommen. Oft musste ich mir was leihen oder auch komische Jobs machen.

Und heute können Sie sich entspannt zurücklehnen?

Nein, ich lehne mich nicht zurück, ich arbeite weiter sehr viel und sehr leidenschaftlich. Aber ich mache mir keine Illusionen: Es kann auch irgendwann wieder vorbei sein, stimmlich, gesundheitlich oder warum auch immer. Letztendlich kann mir niemand erzählen, was in zehn Jahren ist. Dafür habe ich schon zu viele schreckliche Geschichten gehört.

Stellen Sie sich vor, noch mit 70, 80 oder 90 Jahren der Sänger des Palastorchesters zu sein? Alt werden können Sie mit Ihrer Musik ja sehr gut.

Ich bin kein Mensch, der groß vorausplant. Mit Vernunft bin ich noch nie weit gekommen, bei mir ist immer alles aus einem Bauchgefühl heraus passiert. Ich glaube, es ist gut, auf seinen Bauch zu hören. Daher kann ich das jetzt nicht sagen, wie lange ich weitermachen werde. Wir denken uns in Abständen immer wieder etwas Neues aus, aber nicht nach der Devise "Was mach' ich bloß". Sondern "Wäre doch klasse, wenn wir das so machten." Und eigentlich hatten wir ja schon während des Musikstudiums überlegt, dass wir das Orchester danach auflösen. Aber dann wurden wir auf einmal bekannt.

Auf Ihrer aktuellen Tournee, die Sie mit der DVD und dem Album jetzt dokumentieren, mischen Sie die alten Lieder, die Sie seit Anfang im Programm haben, mit dem neuen Material der letzten zwei, mit Annette Humpe geschriebenen, Platten.

Genau. Die alten und die jungen Stücke ergänzen sich wirklich wunderbar, und diesen Zustand unseres Schaffens wollten wir gern dokumentieren. Ich finde es ganz klasse, dass das funktioniert hat und dass die Leute nicht sagen "Wie schrecklich, er macht sich alles kaputt, was er sich aufgebaut hat." Das Gegenteil ist passiert. Alle sagen, wie schön das alte Repertoire und die neuen Lieder zusammenpassen.

Hat Sie das überrascht? Immerhin haben Sie mit dem Palastorchester in der Vergangenheit doch auch schon Charthits von Britney Spears und vielen anderen interpretiert.

Es ist auch immer viel Zufall und Glück dabei. Am Anfang ist man etwas unsicher, ob die Leute das hören wollen.

Sie sind ein Experte für Griffiges: "Kein Schwein ruft mich an", "Küssen kann man nicht alleine", "Für Frauen ist das kein Problem". Legen Sie es darauf an, mit Ihren Titeln quasi geflügelte Worte zu schaffen?

Nein. Wir suchen immer nach Themen, die alltagsverwendbar sind und auf Situationen passen, die jeder kennt. "Ich bin nur gut, wenn keiner guckt" kann zum Beispiel jemand singen, der gerade durch die Führerscheinprüfung gerasselt ist. "Für Frauen ist das kein Problem" ist eine liebevolle Verneigung vor der Multitasking-Fähigkeit der Frau. Das kann die mit Arbeit zugemüllte Chefin singen, aber genauso auch die gestresste Sekretärin.

Von den Frauen wird auch immer mehr verlangt, oder?

Ja. Von uns Männern aber auch. Andererseits: Hatte man es früher denn leichter? Wenn man drei oder vier Kinder großzog, die Kohlen besorgen und in den vierten Stock schleppen musste und insgesamt viel mehr in der Woche arbeitete als heute, das war doch noch härter. Das Leben ist allerdings komplizierter geworden. Die Leute haben immer den Wissensstand ihrer Zeit, und heute gibt es einfach immer mehr Themen. Es ist schwer, den Durchblick zu behalten oder sich eine Meinung zu bilden.

Haben Sie politische Inhalte immer bewusst herausgehalten aus Ihrer Musik?

Nennen Sie mir einen Popkünstler, der Politik in seinen Liedern aufgreift. Es gibt keinen. Da ich nicht möchte, dass Politiker singen, möchte ich auch nicht, dass Sänger politisieren.

Obama singt.

Soll er. Aber vielleicht sollte er sich mehr um die Politik kümmern, er hat sich ja selbst ein bisschen entmystifiziert. Dass er die Krankenversicherung für alle eingeführt hat, das ist jedoch eine gute Sache. Am Ende wird man ihm dankbar sein.

Wie sieht Ihre perfekte "Nacht in Berlin" aus?

Ich war in diesem Jahr viel auf Tournee, deshalb genieße ich die Zeit in Berlin gerade besonders. Ich war also im Theater, danach habe ich mit den Schauspielern in der Kantine gesessen, bis man uns rausgeschmissen hat, dann haben wir woanders weitergemacht.

Wie lange?

Drei, halb vier. Normal. War ein toller Abend.

Morgens immer müde - abends immer wach?

Ich bin ein Nachtschwärmer, und die Nummer hätte mir auch gefallen. Sie stammt allerdings aus den Fünfzigern, während wir uns um das Repertoire der Zwanziger und Dreißiger kümmern.

Ist Ihre Musik, so wie es im Begleitschreiben zu Album und DVD formuliert wird, ein "Ausdruck der Berliner Lässigkeit"?

Vielleicht liege ich auf der Skala zwischen lässig und verkrampft ziemlich nah bei lässig. Aber noch nicht komplett auf dem höchsten Entspanntheitspunkt.

Am 4. Juni, 19.30 Uhr, sind Max Raabe & Palast Orchester mit dem Programm "Eine Nacht in Berlin" zu Gast auf der Freilichtbühne Großer Garten Tickets sind u.a. erhältlich über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050 und www.dnn-ticket.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.07.2015

Steffen Rüth

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