Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Google+
Max Prosa spielte nachdenkliche und euphorische Songs in der Dresdner Scheune

Max Prosa spielte nachdenkliche und euphorische Songs in der Dresdner Scheune

Einfach etwas erklären, mal neben den eingefahrenen Wegen gehen, sich auf etwas einlassen, das sind die Voraussetzungen, um Max Prosa zu verstehen. Mit seinem ersten Album behauptete er kühn: "Die Phantasie wird siegen".

Voriger Artikel
Gegengewicht zum allzu Kontrollierten - Yefim Bronfman spielte in der Dresdner Semperoper
Nächster Artikel
Dresdner Dixielandverein muss erstmals 16000 Euro Standgebühren zahlen

Max Prosa

Quelle: Dietrich Flechtner

Ein Statement, auf das ganz offenkundig viele gewartet haben, und wenn sich dann ein Denker, Sänger und Musiker die Zeit nimmt, um den Menschen seine Sicht auf die Dinge zu erklären, dann geht die Rechnung schnell auf. Die Platte wurde zum Kassenschlager und seine Konzerte sind ausverkauft. Alle Vorbehalte, die es geben mag, wenn plötzlich einer daherkommt und über das Leben nachdenkt, seine Ideen in Worte fasst, verfliegen, sobald Max Prosa anfängt zu singen. Der Berliner, der vor knapp zwei Monaten nach Leipzig umgezogen ist, hat etwas an sich, was neugierig macht, und er kann vor allem die Erwartungen bedienen.

Ein Jahr nach seinem Debüt hat er jetzt nachgelegt, "Rangoon" ist der Grund für seine aktuelle Tournee, die weit mehr ist als ein schneller Gig am Abend und Tschüss. Die gesamte Band besteht aus notorischen Weltverbesserern, die so unbeschwert sind, so interessiert durch den Club und die Stadt streifen, dass man sich gern in ihren Windschatten begibt und nur mit Mühe Schritt halten kann. Max Podeschwig hat seine Crew und die Band nicht irgendwo gefunden, sondern bei Clueso. Spätestens mit dem Hintergrundwissen wird klar, woher die Professionalität, das Selbstbewusstsein und die Lust kommen.

Wer von dem Zughafen-Konzept schon mal was gehört hat, der kennt die Arbeitsweise dort: leben mit Freunden, sich austauschen und gemeinsam realisieren, das sind die Eckpfeiler, auf denen nun auch Max Prosa, die Kunstfigur, steht. Und von dem, was diese Form des Miteinanders ausmacht, fährt auch immer ein Stück mit durch die Lande, wenn die Kollegen ihre Botschaft in die Welt raustragen. So sitzt Max nach einer kurzen Session gegen Mittag im Dresdner Hechtviertel, die Band holt sich einen Kaffee und baut im Ballroom auf der Seitenstraße die Technik auf. Sieben Kameras sind wenige Augenblicke später auf sie gerichtet, und davon völlig unbeeindruckt spielen sie sich langsam in Stimmung, nehmen alle, die dabei sind, mit auf einen kurzen Gedankenflug.

"Ich versuch in den Liedern, in den Geschichten, was auch immer das ist, in den Strukturen immer wieder neu drin aufzugehen, dieses Gefühl zu erfassen und auch selbst zu interpretieren", denn Max Prosa ist nicht er selbst, Prosa ist die Kunstfigur von Podeschwig, und der eine kann vom anderen durchaus etwas lernen. "Wenn ich ein Lied eine ganze Weile nicht gesungen habe, dann fließt der Teil des Lebens, der zwischendrin war, auch wieder mit ein." Was sich auf den ersten Eindruck im Text vielleicht recht abstrakt anhören mag, ist nichts anderes, als dass die Stücke immer lebendig bleiben, nie ganz fertig sind. Es mag ein Gerüst geben, in dem Text und Musik gut funktionieren, aber das heißt noch lange nicht, dass nicht vielleicht eines dem Druck des anderen nachgeben muss. Meist ist das allerdings die Musik: "Mein Idealbild ist schon, dass es eine Symbiose zwischen Text und Musik gibt, letztendlich muss aber die Musik dem Text folgen, weil ich für mich das Gefühl habe, dass die Musik da dehnbarer ist."

Auf der Bühne in der Scheune dann passte das eine nahtlos zum anderen, da tauchten die "Visionen von Marie" neben "Café Noir" auf, die Lieder der ersten werden von den Songs der zweiten Platte ergänzt. Wenn dieses Miteinander auf der Bühne und die Verbindung der Songs sich ihre Bahn brechen hinüber zum Publikum, dann wird plastisch, was Max Prosa damit meint, wenn er sagt, "für jeden entsteht ein Bild", der zuhören will. Seine Bilder sind bunt, manchmal laut, schreien nach Aufmerksamkeit, und einen Moment später untermalt er die größten Filme von "Charlie" völlig puristisch.

Wer Max Prosa einmal gehört hat, wird seine Sprache immer verstehen, solange sich der Hörer seine Beweglichkeit im Kopf bewahrt. Selbst den Leonard Cohen-Klassiker "Hallelujah" kann Prosa auf die Bühne stellen ohne die Angst, sich daran zu verheben, denn er singt ihn in einer deutschen Bearbeitung und derartig eigenständig, dass er neben das Original tritt. Ein Selbstverständnis, welches so schön einfach klingt und so lebendig anmutet, dass nie der notorische Weltverbesserer durchschimmert, sondern Max Prosa allenfalls Impulse gibt - die den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zeichnen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.05.2013

Stephan Wiegand

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr