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Max Prosa kommt am Donnerstag zu einem Konzert in die Dresdner Scheune

Max Prosa kommt am Donnerstag zu einem Konzert in die Dresdner Scheune

Frage: Max Prosa, man hat das Gefühl, dass Sie sich einfach in die Musik fallen lassen.Max Prosa: Ja, diesen Zustand erlebe ich ganz stark auf der Bühne - als ob da bei mir ein Schalter umgelegt wird.

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Lebt auf im Wechselspiel zwischen Form und Inhalt, Chaos und Ordnung: Max Prosa.

Quelle: Sandra Ludewig

Frage: Max Prosa, man hat das Gefühl, dass Sie sich einfach in die Musik fallen lassen. Versetzen Sie sich dabei in andere Zustände?

Max Prosa: Ja, diesen Zustand erlebe ich ganz stark auf der Bühne - als ob da bei mir ein Schalter umgelegt wird. Meist tauche ich erst nach dem Konzert aus dieser anderen Welt wieder auf. Diese Prozesse kamen auch bei den Aufnahmen zu meinem Album zum Tragen.

"Die Töne durften ohne vorgegebenes Soundkorsett einfach entstehen und fließen", heißt es im Begleittext zum Album. Überlassen Sie im Studio vieles dem Zufall?

Wir sind schon zielgerichtet, aber in Dingen, bei denen andere vielleicht nicht so zielgerichtet sind. Uns geht es darum, die Atmosphäre und die Kraft von diesem Prozess einzufangen und diese zu hören und zu fühlen.

Wie kommen die Songs zu Ihnen?

Ich muss immer aufmerksam sein für das, was mich beschäftigt. Das halte ich in einem Büchlein fest. Da sind allerlei Gedanken und Sätze drin, die für mich eine weiterreichende Bedeutung haben. Diese kombiniere ich ab und an miteinander.

Was haben Sie sich zuletzt notiert?

Neulich war ich im Berliner Dom und habe dort die Johannespassion gesehen. Dabei habe ich mir die Zeilen "Nichts ist uns mehr heilig/Wir haben keinen König" aufgeschrieben.

Ist es wahr, dass Sie Ihre Texte auf einer alten Schreibmaschine tippen?

Ja, manchmal. Zwischen mechanischer Schreibmaschine und Computer zu wechseln ist, als spielt man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten wie Gitarre und Klavier. Auf diese Weise höre oder lese ich meine Texte noch mal anders.

Ist das Deutsche Ihrer Meinung nach eine besonders musikalische Sprache?

Musikalisch würde ich nicht sagen, das Deutsche kann mit seinen harten Endungen aber perkussiv eingesetzt werden wie ein Schlagzeug. Hier gibt es noch viele Möglichkeiten auszuschöpfen. Ich habe meine Platte nicht aufs Formatradio zugeschnitten. Aber gute Ideen sind wie Wasser, sie finden ihren Weg.

Was ist Ihnen beim Texten wichtiger - Form oder Inhalt?

Ein ewiger Widerstreit. Ich glaube, am Ende kommt es immer auf das Gleichgewicht an. Zu diesem Gleichgewicht kann man entweder über die Form oder über den Inhalt gelangen. Es ist ein sehr kreativer Prozess, bei dem man immer zwischen diesen beiden Polen hin und her springt.

Und welche Rolle spielt das Chaos beim Musikmachen?

Eine große. Chaos ist Kreativität. Gleichzeitig ist jeder Song eine Ordnung, die man schafft aus dem Chaos der unendlichen Möglichkeiten. Es ist ein Wechselspiel zwischen Form und Inhalt, Chaos und Ordnung.

Sie haben einige Semester Physik und Philosophie studiert. Wie haben Sie zu Ihrer eigenen Prosa gefunden?

Meine Affinität zum Texten entdeckte ich mit 14 oder 15. Damals sang ich in Schülerbands, es war die Zeit, als die Strokes aufkamen. Es wurde mir aber bald klar, dass ich mich auf Deutsch ausdrücken muss, weil ich nur so die Kontrolle über das habe, was ich da sage. Zudem bin ich viel gereist und zwischendurch habe ich extrem viel geschrieben. Dadurch entwickelte sich bei mir allmählich ein Feingefühl, eine eigene Sprachästhetik.

Sie sind Absolvent des Popkurses der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Was wurde Ihnen über die Kunst des Songschreibens beigebracht?

Bei solchen Dingen sind Erfahrungen nicht übertragbar. Ich glaube nicht, dass Konzepte wie die Popakademie wirklich greifen. Niemand kommt aus einem Workshop heraus und weiß, wie der Hase läuft. Diese Kurse können allenfalls Möglichkeiten bieten oder Inspirationen aufzeigen.

Was war Ihr musikalisches Aha-Erlebnis?

Die "40 Licks"-Platte der Rolling Stones führte mich weiter zu David Bowies "Ziggy Stardust" und Bob Dylans "Blonde On Blonde". Bei diesen Platten ist so ein Geheimnis drin, dem ich auf die Spur kommen wollte. Irgendwas hat mich daran fasziniert und nicht mehr losgelassen, so dass ich irgendwann sogar mein Studium abgebrochen habe, um zu gucken, wo die Musik mich wohl hinführt.

Im Titelsong, "Rangoon", beklagen Sie das Massaker an den Mönchen der so genannten Safran Revolution in Myanmar. Inwieweit hat dieses Ereignis Sie politisiert?

Dieses Massaker passierte im September 2007, in dem Jahr habe ich Abitur gemacht. Ständig werden Menschen sinnlos gemordet, nur nicht in unserer schönen heilen Welt-Blase. Dafür möchte ich ein Bewusstsein entwickeln. Ich finde, es sollte jeden interessieren, was in anderen Teilen der Welt passiert. Das ist der erste Schritt, dass sich grundlegend etwas verändert. Das Lied "Verlorene Söhne" spiegelt die Frage nach dem Sinn wider, die eigentlich nicht beantwortet werden kann.

Interview:

iMax Prosa, Donnerstag 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr), Scheune, Tickets kosten im Vorverkauf 16 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2013

Olaf Neumann

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