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Max Herre avancierte in der Jungen Garde Dresden zum Entertainer

Max Herre avancierte in der Jungen Garde Dresden zum Entertainer

Ganz groß und trotzdem ungemein nah - das war ganz augenscheinlich das Motto, mit dem Max Herre für seine Fans den Sonntag ausklingen lassen wollte - und er hat ein gutes Händchen für derartige Showeinlagen.

Das zeigt sowohl sein Schaffen der letzten Jahre als auch die Platte zur Tour "Max Herre & Kahedi Radio Orchestra". In jedem Fall liegt das Solistentum nicht unbedingt im Interesse des eleganten Unterhalters, so wie sich Max Herre präsentierte.

Gregory Porter, Philipp Poisel oder Sophie Hunger - immer wenn Max Herre die Bühne erklimmt, tauchen neben ihm Musiker auf, die sich ganz offensichtlich gern mit ihm die Bühne teilen. In den letzten Jahren hat er so ein beachtliches Geschick bewiesen, was musikalisch alles möglich ist, wie sich Sprechgesang mit Soul und Balladen kombinieren lässt, wie aus kleinen Anekdoten ein Ohrwurm zusammengefügt werden kann. Vielleicht ist es ein gutes Netzwerk, möglicherweise sind es musikalische Ideen oder einfach nur der Spaß, die musikalischen Genres auszuprobieren. Was es auch immer ist, das die kleinen und großen Stars um Max Herre auftauchen lässt, das Resultat spricht ein großes Publikum an und erreicht das eine oder andere Herz. Eine Bilanz, die nicht ganz alltäglich ist, und auf dem Weg dorthin sollte es wenige Grenzen geben - allenfalls die des guten Geschmacks.

Derartige Klippen umschifft Max Herre gut und manövriert sich beharrlich in ganz sichere Gefilde, in denen er gefühlvoll vor Anker geht, an seiner Seite nahezu das gesamte Konzert seine Frau Joy Denalane. Zusammen setzten sie auch den nachhaltigsten Akzent, indem sie sich gemeinsam eingestanden: "Mit Dir" steht die Zeit still. Hier trafen Rap-Attitüden auf weichen Soul, maskuline Offenheit auf eine zärtlich verspielt sanfte Stimme, und die beiden Welten fanden zueinander. Ganz offensichtlich waren beide Protagonisten von dieser öffentlichen Hommage an die gemeinsame Liebe regelrecht gerührt. Möglicherweise funktioniert diese Form des Duetts nur mit viel Herz der Interpreten, manchmal beängstigend nah am Klischee, aber wie gesagt, den guten Geschmack hatten beide fest im Auge. In diesem Moment blieb das 20-köpfige Kahedi Radio Orchester auch schön und geräuschvoll akzentuiert im Hintergrund, was an anderen Stellen des Konzert eher selten der Fall war. Zu Recht, denn gemeinsam mit den Musikern gelang Max Herre eine angenehme Tonreise, nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch musikalisch. Von lateinamerikanischen Klängen über samtweichen Soul, indische Versatzstücke mit einer Sitar, urbanem Berlin-HipHop bis hin zu klassischen Passagen war das Orchester in der Lage, alles aufzufahren.

Damit war es vielleicht nicht ganz leicht, die einzelnen Gefühlschwankungen auszuleben - es fehlte schlichtweg die Zeit. So wurde das Publikum von Höhepunkt zu Höhepunkt gejagt und durch das Album geschickt. Das war ganz kurzweilig, zumal sich der Stuttgarter als ein versierter Showmaster präsentierte und elegant zwischen den einzelnen Stücken überleitete. Da war es kein Problem, wenn man kurz auf "Wolke 7" verweilen durfte, sich dann anschickte, die Lokalität zu wechseln, um "Esperanto" zu erlernen, "A-N-N-A" kennenlernen durfte und danach die Reise "Berlin - Tel Aviv" antreten konnte. Eine der schwersten Etappen, auf die Max Herre seine Gäste schickte, denn das war auch ein Ausflug in die Geschichte, ein politischer Exkurs und die Ansage, dass es in Dresden nicht leicht ist, wenn die Stimmung zu kippen scheint, was aber hoffentlich bald anders ist.

Am Ende blieb die Gewissheit, dass Max Herre sich im Kreise seiner Kollegen sichtlich wohlfühlt und sich mit Afrob, Megaloh und Fetsum durchaus hören lassen kann, dass er den "Freundeskreis" noch längst nicht vergessen hat und er sich gern verändert. Dabei lässt er sich bereitwillig vom großen Orchester tragen, gibt allen den erforderlichen Raum, den sie brauchen, um die eigene Musik zu atmen. Die große Bühne kam ihm dabei gerade gelegen - Entertainerqualitäten im eigenen Format.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.06.2015

Stephan Wiegand

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