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Maurice Steger und Cappella Gabetta in der Frauenkirche

Flauto - dolce? Maurice Steger und Cappella Gabetta in der Frauenkirche

Ohne die berühmte Schwester gastierte der Geiger Andrés Gabetta mit seiner "Cappella Gabetta" samt dem Solisten Maurice Steger in der Frauenkirche. Das international besetzte Barockorchester emanzipiert sich offensichtlic.

Dresden. Ohne die berühmte Schwester gastierte der Geiger Andrés Gabetta mit seiner "Cappella Gabetta" samt dem Solisten Maurice Steger in der Frauenkirche. Das international besetzte Barockorchester emanzipiert sich offensichtlich und kann mit seinem Chef und dank eines eigenständigen Klanges mühelos einen interessanten Abend gestalten. Dafür stand zeitlich passend am Beginn Corellis Concerto "fatto per la notte di Natale": elegant im Ton und poetisch aufgefasst in den langsamen, lebendig und präsent in den schnellen Teilen.

Doch der Stargast des Abends, dessentwegen wohl viele gekommen waren, war der Blockflötist Maurice Steger, dem gleich die zweite "Nummer" des Programms zustand. Anders kann man es kaum nennen, denn was dem ersten, erfreulichen Beitrag in Vivaldis Concerto B-Dur folgte, führte quasi aus dem Konzert in eine Arena, in der tönend am Trapez geturnt wurde. Steger hat, das konstatierte man verwundert nach wenigen Takten, eigentlich keinen Ton im Sinn von Klang, nichts Musikantisches oder irgendwie Schönes in seinem Spiel. Seine Töne prasseln und pfeifen einem entgegen. Ein Flauto dolce - die "süße" Flöte - ist halt keine Trompete und wird durch Stärke nicht interessanter. Virtuos im Wortsinn war Steger trotz rennender Finger keinen Moment, denn an Vivaldis Vorlage blieb nicht viel Wahres, von überblasenen Tönen und unsteter Intonation ganz abgesehen. Vor dem zweiten Solo, dem Concerto per flautino G-dur von Vivaldi, bewies Steger noch, dass es ihm auch an Kollegialität gebricht: Er verlegte seinen Auftritt und damit den Applaus mitten ins Stimmen der Streicher. Der Rest war Nachweis genug, dass dieser Musiker mit seinem allenfalls seltsam zu nennenden Spiel die Grenzen zur künstlerischen Fragwürdigkeit beständig streift. Applaus hatten seine akrobatischen Vorführungen allerdings reichlich.

Bei Bachs Brandenburgischen Konzerten war alles wie befreit davon. Das dritte in G-Dur verlor etwas durch sehr eilige Tempi, aber im Konzert D-Dur Nr. 5 zeigten Gabetta, der Flötist Stéphane Réty und der Cembalist Giorgio Paronuzzi, welche inhaltliche Fülle darin zu finden ist. Immer neues Interesse wusste Paronuzzi mit der ausgedehnten Kadenz zu wecken, und auch das Zusammenspiel, vor allem im Trio, war voller Intensität. Im vierten Konzert G-Dur war Stegers Mitwirkung wieder angesagt, doch der wichtige Violinpart und das hörenswerte Spiel von Céline Pasche (zweite Blockflöte) ließen auch über seinen ganz unsinnigen Körpereinsatz hinwegsehen. Andrés Gabetta korrespondierte mit dem ganzen Ensemble bestens, noch in den schnellen Passagen des Kopfsatzes war sein Spiel klangvoll und gut artikuliert. Geradezu ideal wirkte das schwungvolle und zugleich voranstrebende Presto. Es wäre wohl ein Gewinn, die Cappella Gabetta einmal "unter sich" zu erleben.

von Hartmut Schütz

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