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Matthias Geissler verabschiedet sich als Direktor des Dresdner Philharmonischen Chores

Matthias Geissler verabschiedet sich als Direktor des Dresdner Philharmonischen Chores

Dessen "Stabat mater" für sein letztes Konzert mit dem Philharmonischen Chor Dresden zu wählen, war vom scheidenden Chordirektor Matthias Geissler eine gute und sicher sehr persönliche Wahl.

Das großangelegte Werk, mit dem der Komponist erstmals auch international Ansehen erlangte, hat wunderbare und anspruchsvolle Aufgaben für den Chor: Es eint kraftvolle emotionale Ausbrüche und schlicht-zarten Kirchengesang, es fordert intonatorische Sicherheit, reife Agogik und intensiven Ausdruck - eignet sich also bestens, Ansprüche und Können zumal eines Laienensembles wie diesem zu unterstreichen. Es entstammt jenem Genre Chorsinfonik, für dessen regelmäßige Integration in den Spielplan der Philharmonische Chor Dresden 1967 von Kurt Masur gegründet und an das städtische Orchester angebunden wurde.

Nicht unwesentlich ist es Matthias Geissler aber auch um die inhaltliche Komponente gegangen. Das "Stabat mater", jene alte lateinische Sequenz über die Trauer Jesu Mutter Maria im Angesicht ihres gekreuzigten Sohnes, spricht von Leid und Abschied und trägt doch gerade in Dvoraks schmerzlich schöner, aus persönlichem Schicksal erwachsener Lesart auch Glaubensgewissheit und Trost in sich. Eine sehr aussagekräftige Wahl also am Punkt des Übergangs in einen neuen Lebensabschnitt für einen Menschen, der über drei Jahrzehnte an seinem Platz Wichtiges geleistet hat.

Sein Chor hat Matthias Geissler dafür gemeinsam mit der Dresdner Philharmonie im Sonderkonzert in der Lukaskirche einen absolut würdigen Abschied bereitet. In den dichten Sängerreihen fanden sich auch einige ehemalige Mitglieder, die sich für diesen Tag noch einmal in jenes Ensemble fügten, das ihre eigene Biographie, ja die ganzer Familien, sicher nicht unwesentlich prägte. Fundiert und selbstbewusst hielt der Chor über die ganzen neunzig Minuten eine prickelnde Spannung, wach und erfahren folgte er den Intentionen Geisslers, gab etwa dem Nebeneinander fließender und manifester Passagen im "Eja, Mater, fons amoris"" fesselnde Kontur, bewies im "Tui nati vulnerati" schöne sängerische Beweglichkeit, bot mit klarem, ausgewogenem Chorklang die teils a cappella geführten Passagen im "Virgo virginum praeclara".

Mit großer Intensität und Klangsinn bereiteten die Philharmoniker darunter ein sicheres Klangbett. Im Solistenensemble wirkte neben Barbara Christina Steude (Sopran), Annette Markert (Mezzosopran) und Matthias Weichert (Bariton) der zweifelsohne mit schöner Stimme agierende Tenor Martin Petzold leider etwas steif zwischen den sich förmlich in die Musik legenden, mit sehr viel Sinn und Gefühl für die mal zarte, mal fast opernhafte Gestik des Werks singenden Kollegen, die das aufnahmen, was überhaupt die gesamte Interpretation dieses "Stabat mater" prägte: eine wunderbare Intensität, eine große, stets am Inhalt orientierte Ausdrucksstärke und Emotionalität.

Es hielt das Publikum in der nahezu ausverkauften Kirche denn auch nicht lange auf den Plätzen. Stehend verabschiedete es einen Chorleiter, der nach dem Schlussakkord kein einziges Mal auf das Dirigentenpodest zurückkehrte, sondern stets in den Reihen derer blieb, die bis eben mit ihm mu- siziert hatten. Philharmonie-Intendant Anselm Rose verabschiedete Geissler offiziell, ebenso gab es natürlich vom Chor Blumen für den nun ehemaligen Leiter, der noch einmal ein beredtes Zeugnis seiner Arbeit abgelegt hatte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2012

Sybille Graf

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