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Materialbilder von Volker Dietrich in der Dresdner Galerie am Damm

Materialbilder von Volker Dietrich in der Dresdner Galerie am Damm

Über dreißig Materialbilder zeigt der in Pirna lebende Künstler Volker Dietrich (geb. 1943 in Elsterwerda) in der Galerie am Damm nun in seiner insgesamt dritten Ausstellung vor Ort seit 1993. Die ohne einen Titel auskommenden Arbeiten stehen zwischen einer materialbedingten Strenge und einer durch die Hand des Künstlers geformten Poesie.

Volker Dietrich. ohne Titel. Materialbild. 2013.

Quelle: Galerie

Galerist Peter Eisermann hat sich für eine dichte Übereinanderhängung der Arbeiten entschieden. Dadurch wird die große Vielfalt von Dietrichs Arbeiten deutlich, aber auch die Palette der unterschiedlichen Stimmungen, die aus den Arbeiten hervorschauen.

Der studierte Architekt zaubert aus industriellem Abfall und Weggeworfenem wie ausgedienten, rostbraunen oder gelblichen Blechen, silbriggrauen Drahtgeflechten und -gittern, vergilbten Holzresten, Pappen, Altpapier, schwarzen Gummistiefelüberresten und Fundstücken von der Elbe Kunstwerke von großer Lebendigkeit und sinnlicher Dichte. Neben dem Gestus der informellen und konkreten Kompositionen, die durch lineare und geometrische Anordnungen des Materials auffallen, ist es vor allem das große Assoziationspotential, das den Arbeiten innewohnt.

Beim aufmerksamen Betrachten stellen sich unwillkürlich Bilder und Déjà-vu ein, die den Reiz dieser Arbeiten ausmachen. Nach einer Präsentation in der Wehlener Stadtkirche in diesem Jahr unter dem Thema "Schiff" sind auch in der Galerie am Damm wieder Boots- und Schiffsformen zu sehen. Darunter eine bootsähnliche konkave Form vor einer Landschaft, die fünf aus Kupferkabeln geformte Baumtorsi trägt. Der Assoziationen gibt es viele: Aus Metallfolien und Blechen türmt sich eine Burg. Andere muten wie imaginäre Schaltkreise an, deren Module durch Drahtstriche verbunden sind. Schließlich tanzt ein Reigen von Figuren aus Blechresten über das Bild. Ein großes Kreuz ist mit Drähten kunstvoll umschnürt. Wie der Zeiger einer Uhr streckt sich andermal ein grauer Streifen über eine rechteckige Fassung hinaus.

Im Schaufenster sind objets trouvés zu sehen: In einer Kiesgrube fand Dietrich gusseiserne Bruchstücke, die er mit der Messigbürste putzte und polierte. Nun glänzen sie in einem grüngoldenen Farbton und geben ihre subtilen Oberflächen frei.

Volker Dietrich greift nicht in die Substanz seiner Fundstücke ein, bemalt sie nicht und verändert auch nicht ihre Formen. Wie in einem Puzzle montiert er fantasievoll Material neben- oder übereinander, lässt deren Farbigkeit für sich sprechen, wie die edel wirkenden rostfarbenen Töne der Bleche oder das Silbergrau oder Goldrot der Drähte. Das Material lebt und bringt durch seine "Natürlichkeit" und Morbidität eine sehr sinnliche Gestimmtheit herüber, die auch haptisch erfahrbar sein soll. Die Umwertung des Materials zu Assemblagen geschieht auf ästhetischer Ebene im Verwandeln und Anordnen von Formen vor allem durch Überdeckungen und Sichtbarmachen von Ecken und Bruchkanten, die gleichzeitig für das Provisorium Welt stehen. Diese intensiv wirkende Ausstellung führt die Vergänglichkeit vor Augen, aber auch die "Auferstehung des toten Materials" zu etwas Neuem, in dem Verfall und Schönheit wie im nature morte gleichermaßen zusammengehörend still und heiter gefeiert werden.

iBis 19. November. Galerie am Damm, Körnerplatz 10, Di-Fr 10-13 und 15-19 Uhr, Sa nach Vereinbarung (11-14 Uhr). Tel. 0351/ 267 92 18

www.galerie-am-damm.de geöffnet:

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.11.2013

Heinz Weißflog

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