Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 1 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Marlene Dumas will einen Lebensbaum als neues Altarbild in der Dresdner Annenkirche schaffen

Marlene Dumas will einen Lebensbaum als neues Altarbild in der Dresdner Annenkirche schaffen

Es ist eine Anlehnung an die Bibelgeschichte. Und doch kein einfacher Rückgriff. Darin sind sich alle einig. "Der Gegenwartsbezug ist außerordentlich wichtig", sagt einer, dessen Wort hier Gewicht hat: Christfried Weirauch, Pfarrer der Dresdner Annenkirche.

Die Rede ist vom neuen Altarbild, das die Kirche bekommen soll. Der zentrale Ideen-Entwurf dieses Bildes, den die ausführende Künstlerin Marlene Dumas Dienstagabend vor Ort vor etwa 50 Zuhörern und Zuschauern vorstellte, ist - ein Lebensbaum. Ein Grundgedanke, der schon allein die räumlichen Vorgaben des Gotteshauses aufnimmt, wo Dumas ein Hochformat von etwa 3,50 Meter Breite und knapp 8 Meter Höhe herausfordert.

Der Baum, so ließen gezeigte Entwurfsskizzen vermuten, wird dabei kein naturalistisches Abbild sein. Das würde der bisherigen Arbeit von Dumas auch nicht entsprechen. Die aus Südafrika stammende und in Amsterdam lebende Künstlerin, eine der bekanntesten unserer Tage, pflegt einen eher abseitig anmutenden Hang zum Figürlichen. Gerade das hatte aber die Findungskommission und auch die Gemeinde letztlich bewogen, der 61-Jährigen den Auftrag für das Altarbild zu erteilen.

Außerdem arbeitet Dumas nicht allein, sondern zusammen mit den Künstlern Jan Andriesse und Bert Boogaard. So soll Boogard den Baum malen, während Dumas sich auf die andere Besonderheit des Entwurfs konzentrieren will. Sie werde wohl im August in ihrem Atelier damit beginnen, unterschiedliche Porträts auf große hölzerne Medaillons zu malen, sagte Weirauch kurz nach dem Ende der Veranstaltung. Diese Bilder werden dann das Geäst des Lebensbaumes schmücken. Andriesse wiederum soll, offenbar auch auf einem dieser Medaillons, das Motiv des Regenbogens einarbeiten. "Gerade das Schmerzvolle wird ein wichtiger Aspekt des Bildes sein. Und doch wird es Hoffnung predigen", sagte Dumas. So ähnlich interpretierte auch Weirauch den künstlerischen Ansatz: "Das Leben heute ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Aber es gibt Hoffnung."

Auch die anwesenden Gemeinde-Mitglieder waren gefragt. Sie sollten Vorschläge machen, welche Motive und Themen ihrer Meinung nach in das Bild einfließen sollen. Nach anfänglicher Zurückhaltung kamen schließlich doch einige Anmerkungen. Sie bezogen sich vor allem auf die Ausgestaltung der hölzernen Medaillons. Die Wünsche reichten vom möglichen Porträt eines in der Kirche getauften Kindes über das eines behinderten Menschen bis hin zu einem ganzen Themenkomplex um Flucht, Exodus und Vertreibung. Sie wolle über die gemachten Vorschläge nachdenken, versicherte die Künstlerin. Weirauch fügte später noch hinzu: "Wir überlassen es ihr, ob sie uns noch einmal konsultieren möchte."

Der Termin der Präsentation des Altarbildes schwebt dagegen bereits im Raum. Es soll der Vorabend des diesjährigen 1. Advents sein, der auf den 29. November fällt. "Immer unter dem Vorbehalt, dass das Bild fertig ist", wie der Pfarrer beschwichtigt. Wenn alles klappt, wird Dumas mit ihren beiden Mitstreitern entweder im September oder im Oktober mit dem eigentlichen Malen in der Kirche beginnen. An der Stelle, wo aktuell noch ein Gerüst die Fläche des späteren Bildes verstellt. In der Annenkirche wird derzeit noch der Maluntergrund den Erfordernissen der Künstlerin angepasst.

Für die Finanzierung sammelt die Kirchgemeinde weiter Spenden. Etwa 40 000 Euro seien bisher eingegangen, sagte Weirauch. Dazu kommen Zusagen und Ankündigungen von Einrichtungen wie der Stiftung Kunst und Musik in Dresden, der Schmidt-Drenhaus-Stftung oder der Charlotte-Böhme-Roth-Stiftung, wie es in einer Mitteilung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens hieß. Laut Weirauch sind bisher rund 60 000 Euro vorhanden, "etwa die Hälfte der Gesamtsumme". Dumas selbst wolle kein Honorar. "Sie macht das sozusagen zum Selbstkostenpreis", versicherte der Pfarrer.

Die Künstlerin selbst nutzte die Gelegenheit, um Gunst zu bitten. "I need some grace", kleidete sie ihren Wunsch nach Gebeten abschließend in einen kurzen Satz. Als wollte sie sich sowohl der Unterstützung der Gemeinde als auch ihrer selbst vergewissern. Höherer Beistand kann besonders bei diesem Projekt sicher nicht schaden.

bis 6. September läuft in der Fondation Beyeler in Basel eine große Ausstellung mit Werken Marlene Dumas'

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2015

Torsten Klaus

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr