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Marlene Dumas stellt ihren Entwurf für Altarbild der Annenkirche vor

Präsentation am 26. März Marlene Dumas stellt ihren Entwurf für Altarbild der Annenkirche vor

Den Einen fehlt die frohe Botschaft, die Anderen loben den Weg der Künstlerin: Marlene Dumas präsentierte am Dienstag ihren Entwurf für das neue Altarbild der Annenkirche.

Marlene Dumas stellte das neue Altarbild für die Annenkirche vor.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Sie spricht lange, gut eine Stunde lang. Was nicht verwundert, weiß sie doch einiges zu erzählen. Die Dolmetscherin an ihrer Seite hat jedenfalls gut zu tun. Auch deshalb dauert der Vortrag, den Marlene Dumas am Dienstagabend in der Annenkirche gehalten hat, etwas länger als erwartet. Die Künstlerin berichtet vom Werdegang des Altarbildes, das sie im Auftrag der Kirchgemeinde neu gestaltet, gewährt Einblicke in den Prozess aus Idee, Entwurf, Verfeinern, Verwerfen, Neubeginn.

Dumas zeigt dazu eine Vielzahl von Fotos, aus ihrem Atelier, von Zwischenzuständen der einzelnen Bildelemente, auch von anderen Kunstwerken, die ihre Arbeit inspiriert haben. All das gebeamt an eine Projektionsleinwand im Kirchenraum, hinter der sich nach oben hin die noch weiße Altarbildfläche erstreckt, wo bald schon das Werk der aus Südafrika stammenden und in den Niederlanden lebenden Künstlerin zu sehen sein soll: ein stilisierter Baum, in dessen Verästelungen sich sechs bis acht kreisförmige und elliptische, mit verschiedenen Motiven bemalte Holzplatten finden.

Der Entwurf für das neue Altarbildes der Annenkirche

Der Entwurf für das neue Altarbildes der Annenkirche.

Quelle: Anja Schneider

Für Dumas war der Auftrag aus Dresden keiner, den die 63-Jährige versucht hätte, im Vorbeigehen zu erledigen. Im Gegenteil. Das erschließt sich unter anderem dann, wenn sie darüber berichtet, welche Hauptmotive sie erst im Kopf hatte, dann aber wieder verwarf: das Kreuz (in ganz verschiedenen Formen, bis hin zum Sonnenkreuz von Joseph Beuys), das Gesicht Jesu (wobei niemand weiß, wie sein Gesicht aussah, und Dumas ihre Schwierigkeiten beschrieb, wie sie seine Miene darstellen sollte: traurig? leidend?), das Paradies, die Schlange, Adam und Eva. Fast alles davon blieb lediglich im Entwurfsstadium. „Man kann Adam und Eva heute für eine Kirche einfach nicht mehr nackt darstellen“, sagte Dumas. Ihre Begründung: „Heutzutage wird Nacktheit vor allem sexuell gesehen.“ Einzig die Grundidee blieb: Ein stilisierter Baum soll zum „Gerüst“ des Altarbildes werden.

Also sucht sie nach anderen Themenkreisen. Einer davon ist das Symbol des Regenbogens, dieses Zeichens der Einheit von Gott und den Menschen. Bei Dumas wird daraus aber kein Kitsch. Sie bringt immer wieder dünne Schichten von Farbe auf, sodass ein fast durchschimmerndes, hervorleuchtendes Etwas entsteht. Dieser Regenbogen wird Dumas’ Altarbild nach oben hin abschließen, so viel steht fest.

Ein weiteres Motiv, das sie für ihr Werk nutzt: Jesu Auferstehung. Der Clou bei Dumas: Der von ihr gemalte Jesus ist schwarz. „Wir wollten immer, dass Jesus aussieht wie wir. Aber diese Sicht ist zu einfach.“ Dazu kommt das Thema Wasser, bei dem Dumas verschiedene Assoziationen aufzählt: Jesus geht übers Wasser, geteiltes Wasser, Stürme. Auch heute, sagt sie, passiere sehr viel auf dem Wasser, Stichwort Flüchtlinge. Dieses Sujet wird sich ebenfalls im Baum finden.

Ziemlich am Ende der von ihr vorgetragenen Bildgenese steht dann jedenfalls der Augenblick, wo Dumas’ Werk zum ersten Mal an den Wänden einer hohen Halle, in der sonst die Kulissen für die Amsterdamer Oper gefertigt werden, zu sehen ist. Denn das Altarbild, das sie für Dresden schafft, ist erstens ein Hochformat und zweitens eins von beträchtlichen Ausmaßen: knapp 8 Meter hoch und rund 3,50 Meter breit. In ihrem Atelier, erzählt Dumas, seien die Wände nur etwa drei Meter hoch. Also muss sie die Raumwirkung ihres Bildes in besagter Amsterdamer Halle testen. Das Bild, das diesen Moment dokumentiert, zeigt eigentlich auch am besten, was Dumas’ Altarbild für jedwede Räumlichkeit bewirken kann.

Wie sich das genau in der Annenkirche anfühlt, ist ab 26. März 2017 zu beurteilen. Dann soll das Bild mit seinem Auftragsort verschmelzen. Bereits ab Februar sollen die Arbeiten dazu in der Kirche erfolgen.

Aus der Gemeinde heraus erntete Dumas anschließend Pro und Contra, wobei die Gegenstimmen am Dienstagabend überwogen. Ein Fragesteller ließ wissen, ihm fehle die frohe Botschaft im neuen Altarbild. Ein anderer lobte den langen Weg, den die Künstlerin zum Bild und dessen Teilen gegangen sei. Nun liege es an der Gemeinde, sich gleichfalls auf einen längeren Weg einzustellen, um das Bild anzunehmen.

In der Frage-und-Antwort-Runde wurden auch Vorwürfe geäußert, die auf die Kommunikation innerhalb der Kirche abzielten: dass der Vorstand entmündigt und die Gemeinde außen vor geblieben sei bei den Plänen zum neuen Altarbild. Pfarrer Christfried Weirauch hielt dem entgegen, er sehe in Symbolen wie dem Baum und dem Regenbogen das ursprüngliche theologische Konzept durchaus berücksichtigt und sprach von einem „offenen Bild“.

Ein Altarbild, an dem sich schon jetzt Diskussionen entzünden. Was gut ist. Solange solche Debatten angemessen geführt werden, was zu hoffen bleibt in Tagen, wo das kein Usus ist.

Von Torsten Klaus

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