Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 10 ° Regen

Navigation:
Google+
Mario Adorf plauderte im Boulevardtheater aus seinem Leben

Mario Adorf plauderte im Boulevardtheater aus seinem Leben

Er spielte den Frederick Santer, der Winnetous Schwester Nscho-Tschi erschießt, er verkörperte den italienischen Diktator "Il Duce" Mussolini und Alfred Matzerath in dem Oscar-prämierten Drama "Die Blechtrommel". Mario Adorf lässt zum 60. Bühnenjubiläum das Publikum an seinem Leben teilhaben.

Quelle: dpa

Dresden. Er spielte den Frederick Santer, der Winnetous Schwester Nscho-Tschi erschießt, er verkörperte den italienischen Diktator "Il Duce" Mussolini und Alfred Matzerath in dem Oscar-prämierten Drama "Die Blechtrommel". Mario Adorf lässt zum 60. Bühnenjubiläum das Publikum an seinem Leben teilhaben und seine Erinnerung lebendig werden. Mit seinem Buch "Schauen Sie mal böse" ist Adorf derzeit auf Lesetour, gestern und am Dienstag auch im Dresdner Boulevardtheater.

Ab 1950 studierte der Halbitaliener nicht nur Theaterwissenschaften, sondern auch noch Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literatur und Musikgeschichte. Und er spielte damals nicht nur Theater, sondern boxte auch in der Schwergewichtsklasse. Adorf schnupperte dann doch lieber Erfolg auf anderen Brettern, ohne dabei ein Veilchen zu riskieren. Vor elf Jahren hat sich der 85-Jährige endgültig vom Theater verabschiedet. Nun verrät er, warum er die Bühne so sehr vermisst. "Film und Fernsehen stellen eine Konserve dar - auf der Bühne wird frisch gekocht und gegessen", sagte der Schauspieler am Dienstagabend in Dresden.

"Schauen Sie mal böse" - so heißt nicht nur das Programm, es war vor allem der erste Satz, den der legendäre Hollywood-Regisseur Robert Siodmak zu Mario Adorf sagte, als der sich anno 1957 in einer Münchner Künstlerkneipe für die Rolle des vermeintlichen Massenmörders Bruno Lüdke in "Nachts, wenn der Teufel kam" vorstellte - jene Rolle, die Adorf zu seinem Durchbruch, aber vor allem zu seinem Schurken-Image verhalf.

Mit seinen 85 Lenzen gibt Adorf, immer noch sehr eindrucksvoll, einige Kostproben seiner Schauspiel- und Sangeskünste: ob er nun seinen kölschen Klassenlehrer imitiert, einen Monolog aus Schillers "Don Carlos" spricht oder den Shylock mit einer Reminiszenz an sein einstiges Idol Fritz Kortner gibt. Seine "schöne Singstimme", die das Leben der Familie Adorf in den letzten Monaten des Krieges im Luftschutzbunker versüßte, demonstrierte er mit kleinen Ständchen von Hans Albers.

In wunderbarer Märchenonkel-Art und mit der berühmten sonoren Stimme erzählt Adorf, wie aus dem Klassenclown der Schauspieler wurde, der er heute ist. Es sind komische, aber auch nachdenkliche Anekdoten aus seinem Schauspielerleben, das immerhin mehr als 200 Engagements umfasst. So erzählt er, wie er lernte, böse zu gucken, nachdem ihn Robert Siodmak verarztete, und wie Adorf als junger Schauspieler in Sträflingskleidung und Handschellen auf einer Polizeiwache landetete.

Heinz Rühmann, Walter Richter, August Everding, Fritz Kortner und Hans Albers - es sind die Größen von Film und Bühne, die Adorf aus seinen Erinnerungen heraus auf der Bühne lebendig werden lässt. Er plaudert aber auch über seine Pannen, wie dem gescheitertem Vorsprechen an der Münchner Otto-Falckenberg-Schauspielschule, oder seinem Versuch als Tenor. Adorf erzählt, wieso er ein Engagement in einem Heinz Rühmann-Film ablehnte und warum Theatergeschichte ohne Alkohol um einige Anekdoten ärmer wäre. Dazu gibt er eine Geschichte über einen Bühnen-Faux-Pas Heinrich Georges zum besten, "von dem man behauptet, er hätte am Abend sechs Flaschen Champus getrunken".

Nach tosendem Beifall kehrt der Schauspieler für eine letzte Anekdote zurück auf die Bühne: Als junger Mann spielte er bei einem Tourneetheater den Stanley Kowalski in "Endstation Sehnsucht" - zur Freude zweier Damen in der zweiten Reihe - mit offenem Hosenstall.

"Schauen Sie mal böse" zeigt nicht nur "den" Adorf aus "Blechtrommel" oder "Winnetou", sondern den, der lieber das Publikum zum Lachen bringt als den Bösewicht zu spielen.

Mario Adorf: Schauen Sie mal böse - Geschichten aus meinem Schauspielerleben. Kiepenheuer&Witsch, 176 Seiten, 17,99 Euro

juliane weigt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr