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Marco Vollmann spielt in Dresden-Pieschen Puppentheater aus Leidenschaft

Marco Vollmann spielt in Dresden-Pieschen Puppentheater aus Leidenschaft

Die Tür öffnet sich, ein paar Stufen und schon ist man mittendrin in Marco Vollmanns Puppentheater: Links etwa 50 Sitzplätze, rechts die Bühne und vor einem der Puppenspieler, der in seinem Theater auch den Kartenabreißer, Kinderbetreuer und nach der Vorstellung die Putzkraft gibt.

"Aber hinter der Bühne bin ich der professionelle Puppenspieler", betont Vollmann. Und das seit neun Jahren mit seiner eigenen Bühne an der Rehefelder Straße in Pieschen, das nicht gerade als erste Adresse für Kulturschaffende gilt.

Dorthin gelangte der 42-Jährige über Umwege. In Dresden aufgewachsen hat er zunächst Klempner gelernt, dann eine Ausbildung zum Erzieher und Diakon gemacht. In diesem Beruf war er in mehreren Bundesländern zumeist in der offenen Jugendarbeit tätig, ehe er 1999 ein altes Fachwerkhaus in Großröhrsdorf kaufte und deshalb in seine Heimat zurückkehrte. An der Elbe war er bei einem Freien Träger in der Jugendarbeit beschäftigt und fasste dort den Entschluss, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Zunächst hatte er die Idee, mit anderen zusammen Projekte anzubieten, die irgendwo zischen Erziehungsarbeit und Kultur angesiedelt sind. Als der entsprechende Trägerverein gegründet war, stand Vollmann plötzlich zwar mit seinem Raum in Pieschen, aber ohne Mitstreiter da, die sich in alle Winde zerstreut hatten. Also habe er die Idee heruntergebrochen auf ein Puppentheater. "Ich bin vielleicht der erste Puppenspieler, der mit seinem eigenen Theater angefangen hat", sagt er heute augenzwinkernd.

Das Puppenspiel ist eine alte Leidenschaft Vollmanns. Mit acht Jahren hat er das erste Mal ein Puppentheaterstück im Hort aufgeführt, "Der Teufel mit den drei Goldenen Haaren". Ein paar Jahre später hat er dann mit einem Kumpel zusammen eine eigene Bühne gebaut und Stücke eingeübt. Nachdem das Puppenspiel auch in der Ausbildung und der praktischen Jugendarbeit immer wieder eine Rolle spielte, begann Vollmann Ende der 90er Jahre, sich intensiver damit zu beschäftigen. Für ihn der "Stich in ein Wespennest", wie er heute sagt: "Auf einmal taten sich Welten auf: das studierte Figurentheater, das traditionelle Puppenspiel oder die eher pädagogische Richtung", zählt er auf und ergänzt, dass er sich selbst keine dieser Kategorien zurechnet.

"Ich denke, dass ich eine eigene Handschrift gefunden habe", sagt er. Vollmann wechselt zwischen dem Spiel mit Handpuppen, bei dem hinter der Bühne verschwindet und dem offenen Spiel mit Tischfiguren, bei dem zu sehen ist, wie Vollmann seine Puppen über die Bühne bewegt. Meist übernimmt er dabei eine Rolle - eine Variante, die er besonders mag, wie er sagt. Künstlerisch sollen seine Stücke sein, aber dennoch alle Altersklassen erreichen. Anders als viele seiner Berufskollegen hat er gerne zwei- oder dreijährige Kinder in seinen Vorstellungen sitzen - ein schwieriges Publikum, weil es so leicht abgelenkt ist oder allzu engagiert in das Bühnengeschehen eingreifen will. Gleichzeitig sollen aber auch die Eltern und Großeltern ihren Spaß haben. Es ärgere ihn geradezu, wenn der Opa seine Enkel vor dem Puppentheater ablädt und Vorstellung mit einer Zeitung oder eine Zigarre vor der Tür abwartet.

Auf der Bühne erzählt Vollmann entsprechend vor allem Märchen und Kasper-Geschichten, denen er allerdings seine ganz eigene Note verleiht. Da ist in Vollmanns Rotkäppchen-Version der Wolf mit seiner Rolle als ewiger Bösewicht unzufrieden. Am Ende sei es ja doch stets das gleiche: "Immer krieg ich Kloppe", jammert er mit heißerer Stimme und leicht sächselnd. Isegrimm lässt sich aber trotzdem die Gelegenheit nicht entgehen, Rotkäppchens Großmutter zu verschlingen. Die Alte liegt schließlich wehrlos im Bett, nachdem sie sich beim Senioren-Nordic-Walking den Knöchel verstaucht hat. Kleine Zutaten genügen Vollmann, um seinen Geschichte Pepp zu verleihen. Oft sind es dabei menschliche Eigenheiten, die der Puppenspieler dem Alltag abgeschaut hat und die er seinen Figuren verleiht. So erschrickt die Großmutter kurz nach ihrer Befreiung aus dem Wolfsmagen, als sie das schnarchende Ungetüm in ihrem Bett liegen sieht. "Ein Wolf in meinem Bett? Also ich räum das nicht weg!", ruft die resolute Dame. Sicher einer der Moment, in dem nicht nur die Enkel im Publikum, sondern auch der Opa was zu schmunzeln hat.

"Niederschwellig" nennt Marco Vollmann das, was er auf der Bühne bietet. Ein Begriff, der nicht zufällig aus der Jugendarbeit stammt. Dabei gibt es gehörige, für ihn wohltuende Unterschiede zwischen seinem früheren und seiner jetzigen Beschäftigung. In der offenen Jugendarbeit müsse man die jungen Besucher bei der Stange halten, dürfe nicht allzu viele Regeln aufstellen oder durchsetzen, meint Vollmann. Schließlich müsse man durch eine gute Auslastung die Fördermittel rechtfertigen, die der Träger der Einrichtung bekommt. Abhängigkeiten, die Vollmann nicht will. Keinen Cent Fördermittel habe er bisher kassiert. Und findet trotzdem sein Auskommen. Er verdiene jetzt genau so viel wie zuvor, sagt er zufrieden.

Dabei hat Vollmann, von einigen Lehrgängen abgesehen, das Puppenspiel nicht erlernt. "Ich habe es nicht übernommen, es ist mir gegeben," sagt der gläubige Christ. Eine Gabe, die er mit jede Menge Spielfreude befeuert. Sie steht am Anfang eines jeden Stücks. Sobald Vollmann die Bühnenbauten und Figuren dafür fertig hat, fängt er an, mit ihnen zu spielen. Dialoge und Details der Handlung entstehen, weil Vollmann seinen Puppen freie Hand lässt. Was ihm gefällt, notiert er, wobei auch bei den Vorführungen - in manchen Szenen mehr, in anderen weniger - Improvisation dabei ist. Schließlich muss ein Puppenspieler auch auf sein Publikum reagieren, auf Zwischenrufe und Hilfestellungen für ratsuchende Figuren.

12000 Besucher hat Vollmann nach eigenen Angaben 2012 begrüßt. 250 Vorstellungen hat er in diesem Zeitraum gegeben, 60 allein im Dezember. Ein ähnliches Engagement legt er auch hinter den Kulissen an den Tag. Er ist treibende Kraft hinter der IG freiberuflicher Puppentheater, einem losen Zusammenschluss von zwölf Bühnen die sich zum Austausch und für gemeinsame Lehrgänge treffen. Immer auf Einladung von Vollmann, der dafür seine Halle in Großröhrsdorf zur Verfügung stellt. Dort baut er sonst seine Bühnen zusammen. Künftig will er sie auch verstärkt für Schulprojekte nutzen, bei denen er Schülern das Puppenspiel näherbringt. Die Nachfrage sei groß, meint er. Außerdem ist er künstlerischer Leiter des PuppenSpielSpektakel s in Neustadt/Sachsen, das immer am Buß- und Bettag stattfindet. Um das Festival bekannter zu machen, organisiert er immer dienstags Puppenspiel in der Neustadthalle. Ein fester Termin, zu dem er entweder andere Bühnen einlädt oder selbst spielt. Puppenspiel - für Marco Vollmann ist es eine Lebensaufgabe.

Nächste Aufführungen Mittwoch und Donnerstag 10 Uhr, Sonnabend 16 Uhr: "Der Kasper und die Wunderblume", Puppentheater Vollmann, Rehefelder Straße 14

www.puppentheater-vollmann.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2013

Uwe Hofmann

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