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Manu Chao bringt die Junge Garde Dresden zum Tanzen und Toben

Manu Chao bringt die Junge Garde Dresden zum Tanzen und Toben

Das hatte er sowieso nicht ernst gemeint: Um 21.45 Uhr von der Bühne gehen! Die sich noch anschließende Dreiviertelstunde reichte dem Publikum der ausverkauften Jungen Garde zwar auch nicht - es hätte Manu Chao immer wieder auf die Bühne geholt.

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Manu Chao in der Garde.

Quelle: Dietrich Flechtner

Aber gute Konzerte gehen eben auch zu Ende. Deshalb mussten sich die Dresdner nach einer schier nicht enden wollenden "Letztes-Lied-Schluss-Tusch"-Zeremonie zufrieden geben mit Jamaika-Musik aus den Lautsprechern, und 5000 krönten den Dresdner Manu-Chao-Abend mit einem Chor zu Bob Marleys "Buffalo Soldier". Den kann man wenigstens mitsingen, was bei Manu Chaos Sprachmix aus Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Arabisch und Portugiesisch nicht so einfach war. Aber auch kein Grund für die Dresdner, nicht trotzdem zu feiern, wenn José-Manuel Thomas Arthur Chao (mittlerweile 53) seine Up-Tempo-Zauberlieder anstimmte, die seit Ende der 90er irgendwie alle zu kennen scheinen - wahrscheinlich fällt Manu Chao deshalb in die so rufgefährdende Rubrik "Weltmusik".

Manu Chao in der Garde. Freier Himmel, Grün ringsum. Wenig Scheinwerfer, kein Showpomp. Im ersten Moment machte der Franzose mit den spanischen Wurzeln vor seiner Bläsergruppe, dem Schlagzeuger, Gitarristen und einem Bulldozer an Bassisten fast ein bisschen einen verlorenen Eindruck auf der Bühne. Und dann auch noch diese hüpfende Masse und die Tanzenden bis in die letzten Reihen...

Doch Manu Chao hat dynamische Präsenz, wenn er die Akustische schlägt oder zum Bühnenrand pest und die Massen zum Ska-Reggae "Uffta-Uffta" animiert. Was ihm dirigentenleicht gelang, denn da standen 5000, die irgendwie einfach nur glücklich waren, dass er mal da war, dass in Dresden "Clandestino" und "Bongo Bong" zwischen den Bäumen aus dem Großen Garten emporstiegen.

Es war ein sprudelnd-fröhlicher Abend. Mit "Me gustas tu" mit "Je ne t'aime plus" und selbst mit unbekannten Songs wie "Politic kills" vom letzten richtigen Manu-Chao-Album "Radiolina" von 2007. Es liegt wohl an diesem universellem Teufelszeug: Diesem Reggae-Ska-Rhythmus, dem sich Manu verschrieben hat. Da will man sich bewegen, obwohl man sich nicht bewegen will.

Manu Chao, zwar klein von Statur, aber ein kraftgeladenes Bündel. Nicht Körperkraft. Ein Kraftkern. Schon gut, dass die Musik immer mal wieder so einen unter den Ihren hat. Einen, der 100 Mal am Abend ein "Dankeschön Dresden" ins Publikum schleudert und man ihm jedes davon abnimmt. Einer, der sonst in der Welt unterwegs ist und schaut und sagt, dass hier und da was nicht stimmt mit der Verteilung, mit der Gerechtigkeit und dem Scheinfrieden. Und der auch noch versucht, das alles ein bisschen besser zu machen. Der das vielleicht sogar ein bisschen schafft. Mit seinen Liedern, die oft den Umgang mit der Dritten Welt thematisieren, oder Aktionen wie den 100 Konzerten während der Fahrt durch Lateinamerika mit einem extra umgebauten Zug. Eine dieser Aktionen bedeutete zwar das Ende der erfolgreichen Band Mano Negra, deren Kopf Manu Chao war, aber Manu Chao ist einer der Unkaputtbaren.

Dabei so unspektakulär schlicht wie in Dresden auf der Bühne, in rotem Hemd und olivgrüner Dreiviertelhose reihte der Franzose Song an Song. Süßliche Düfte zogen durchs Publikum, wobei der Mehrheit sich beseelen ließ vom Abend selber und Manu Chao, der immer wieder den Kontakt suchte mit ihnen, mit allen, auch wenn man kein Wort verstand. Aber das machte nichts, der Spirit stimmte über die Maßen. Und den versteht jeder.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2015

Robert Kaak

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