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Malerin, Restauratorin, Autorin, Chronistin: Aini Teufel mit einer Ausstellung zum 80.

Malerin, Restauratorin, Autorin, Chronistin: Aini Teufel mit einer Ausstellung zum 80.

Die Malerin Aini Teufel lernte ich Anfang der 80er Jahre im "Zirkel schreibender Arbeiter des Grafischen Großbetriebes Völkerfreundschaft" kennen.

Einmal an einem Abend in der "Käseglocke" am Postplatz lasen wir uns gegenseitig Gedichte vor. Als Mensch und Künstlerin lässt sie sich nicht in eine Schublade schieben: Ihr Lebensweg war außergewöhnlich. Aufrichtig war sie immer, auch in schwierigen Lebenslagen. Ihr naiv-fraulicher Humor half ihr über manches Schlimme hinweg. Die Widersprüche der Zeit, ein frühes Interesse für historische Situationen und das Grauen des Krieges waren es, die sie schon als Kind von 11 Jahren bewogen, Tagebuch zu schreiben. Das war 1945, als sie in kindhaft-bewegenden Worten über die Bombenangriffe auf Dresden berichtete (die Buchpremiere fand am 14. Februar 2013 statt). Ihre Mutter Elisabeth Schäfer war Sozialdemokratin und Gegnerin des NS-Regimes, als sie 1933 aus Schlesien kommend in Berlin untertauchte (sie war dort Fürsorgerin, verlor aber ihre Arbeit, weil sie nicht der NS-Frauenschaft beitreten wollte), wo Tochter Aini geboren wurde. Auch sie schrieb Tagebuch, wie ihr Bruder. Das hat sich auf das Mädchen übertragen. "Ich hatte immer große Lust, mich mitzuteilen, ich komme aus einer Familie der Tagebuchschreiber", sagt sie über ihre chronistische Ader.

Journalistik, Theater und Malerei interessierten das mehrfach begabte junge Mädchen gleichermaßen. Also studierte sie 1952-1958 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, zunächst im Grundstudium bei Prof. Erich Fraas (sie sollte Bühnenbildnerin werden). Danach, wegen ihrer kleinen Statur, wechselte sie in die Grafik zu den Professoren Hans Theo Richter und Max Schwimmer, bei dem sie das Diplom ablegte. In Folge wurde der Holzschnitt ihr liebstes Medium, mit dem sie erfolgreich viele Ausstellungen im In- und Ausland bestritt. Neben der Grafik (zwischen 1960 und 1980) arbeitete sie als freie Autorin für die Tagespresse und für verschiedene Journale und Zeitschriften über Kunst und Literatur. Zwischen 1980 und 1983 stand die Künstlerin für die Restaurierung der Decken- und Wandmalerei in der Semperoper auf dem Gerüst. Sie malte mehrere Kappensegmente, zwei Kandelaber an der Decke der Oper und zwei Proszeniumslogen. Ihre Erlebnisse und Eindrücke aus dieser Zeit schrieb sie in einem Tagebuch nieder. Ein Pirnaer Filmclub dokumentierte über sieben Jahre den Wiederaufbau der Oper bis zu seiner Vollendung, auch ihre Arbeit als Restauratorin.

In dieser Zeit initiierte Aini Teufel zwei Mal- und Zeichenzirkel für Kinder und Erwachsene, schrieb Puppenspiele (1984: "Attila oder ich habe dich zum Fressen gern"), Erzählungen und Gedichte. Im Verlag Bild und Heimat Reichenbach erschien ein Ausmalbuch. Zusammen mit den ihr anvertrauten Kindern spielte sie in drei Filmen mit, wie in der beliebten Kindersendung "Rolf und Reni" und bei "Taddeus Punkt" und "Meister Nadelöhr". Im DEFA-Studio für Trickfilme schuf sie zwei Märchen-Silhouetten-Trickfilme.

Gesundheitliche Probleme Mitte der 80er Jahre hatten zur Folge, dass sie drei Jahre das Haus nicht verlassen konnte. Während eines Aufenthaltes in einem Künstlerheim in der Hohen Tatra hatte sie auf einem Bergrücken ein starkes Krafterlebnis, das für sie die "inneren Weichen" stellte. Zwischen 1987 und 1988 erhielt sie vom FDGB und dem Rat der Stadt Dresden Aufträge für zwei Holzschnittfolgen und ging deshalb mit Kletterern regelmäßig in die Sächsische Schweiz, um Natur, Berg und Landschaft zu erkunden. Ihre Notizen vor Ort verarbeitete sie danach in einem weiteren Tagebuch.

Das Jahr 1989 verbrachte Aini Teufel teils im "Babyjahr" (für ihre jüngste Enkeltochter Sara), teils als Chronistin der um diese Zeit stattfindenden dramatischen Ereignisse, die sie in ihrem "Tagebuch für Sara" festhielt. Ursprünglich war es als ganz persönliches Tagebuch gedacht, entwickelte sich aber nach und nach zu einer Chronik der Wiedervereinigung im Erleben des eigenen Alltags. Um 1990 brachen ihre Verträge mit den Verlagen weg. Am Staatlichen Museum für Völkerkunde ergab sich 1993 für sie eine interessante dreijährige Arbeit in einer ABM: Als Transkribentin übertrug sie mit Kollegen mehrere Herrnhuter Niederschriften zur "Geschichte der Karibischen Inseln".

Eine Italienreise 1992 gab den Ausschlag, wieder intensiver zu malen. Besonders beeindruckt war sie von den Mosaiken Ravennas. In einer Ausstellung zu ihrem 80. Geburtstag im FrauenBildungsHaus Dresden zeigt die Malerin im Augenblick zwei Dutzend Aquarelle, Farbkreiden und Ölpapiermalerei mit Landschaften von Albanien (2008), Kroatien (2009), Florenz und Sizilien (2006). Zum Teil als Panoramen aufgefasst, oft mit hohen Bergen am Meer, wirken diese Bilder luftig-hell, fest gebaut, beinahe blockhaft-monumental. In Italien konnte sie sich endlich direkt in den Museen mit den großartigen Bildern der Weltkunst auseinandersetzen und "aus den Bildern auszutreten, die andere malten", um das Seherlebnis für ihre eigene Malerei fruchtbar machen zu können.

Ausstellung "Mediterrane Bildwelten" im FrauenBildungsHaus bis 30. August, Oskarstraße 1, Tel. 0351/ 33 77 09, zugänglich nach Anmeldung

www.frauenstadtarchiv.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2013

Heinz Weißflog

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