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Malerei von Werner Schellenberg in der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau

Malerei von Werner Schellenberg in der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau

Werner Schellenberg ist ein Künstler, dessen Malereien seit Jahren deutschlandweit geschätzt und in Ausstellungen gezeigt werden - sehr zu Recht. Er lebt und arbeitet in Dresden.

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Blick in die Ausstellungsräume in der Werkstättengalerie.

Quelle: Lothar Sprenger

Aber regelmäßig besucht er auch seine Geburtsstadt Elterlein im Erzgebirge. Die alte Heimat ist Ruhepunkt und Schaffensimpuls. Neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit übte Schellenberg vierzig Jahre lang verschiedene Lehrtätigkeiten aus. Im Rahmen dieser vertiefte er sich zwischen 1993 und 2006 besonders in die historischen Technologien der Wandmalerei. Die Erkenntnisse und die in jener Zeit erworbenen Fertigkeiten prägen seither die Gestalt all seiner Malereien.

Hier zeigt sich ein tiefer Drang zum Elementaren - was sowohl die Form als auch die Materialität betrifft. Das Bild als sinnliches Ganzes ist ein Guss, es ist Ergebnis eines langwierigen und aufwändigen Werk-Prozesses. Es kann nur genauso sein, wie es uns entgegentritt. Beliebigkeit wird ausgeschlossen. Aber zu dieser grundsätzlichen ästhetischen Bestimmtheit tritt eine unerhörte Differenzierung des Bildkörpers im Einzelnen: Das Arsenal an Binnenformen, Farbnuancen, Strukturen und Lineaturen ist reichhaltig bis zur Opulenz. Um das zu erreichen, wählt Werner Schellenberg seine Materialien und Mittel mit größter Sorgfalt aus: Farben und Pasten, kostbare Pigmente und grobe Sande, Leim und Öle. So werden Durchdringung und Über-agerung sowie eine Vielschichtigkeit im doppelten Sinn zu Gestaltungsmerkmalen, die die besondere Qualität und Ausdruckswirkung dieser Arbeiten bestimmen. Eine auffällige Besonderheit: Die Farbe auf Schellenbergs Bildern ist nicht nur optischer Reflex, sondern sie dringt ebenso als eigene Quelle aus den geschichteten, gespachtelten, geformten Bildpartien in den Raum. Da strahlt hier ein Fleck Neapelgelb, schimmert dort eine zinnoberrote Partie.

Schellenbergs Malereien sind streng gebaute Kompositionen aus geometrisch-konstruktiven Formen, informellen Spuren und körperhaften Farbflächen. Es gibt keine erzählerischen Momente. Hin und wieder werden Fundstücke oder flache Flächenformen im Sinne einer malerischen Collage in die Bildhaut integriert. Gelegentlich lassen sich natürlich landschaftliche Andeutungen finden: Ebenen, Höhenzüge, Vulkankegel, Höhlengewölbe. Manche dieser Anmutungen finden eine Entsprechung in Bildtiteln wie "Flüchtige Formen" oder "Dämmerung". Aber eigentlich geht es immer um den großen Bogen von "Werden und Vergehen", um Veränderungen und Wandlungen. Dabei lehnt der Künstler hierarchische Ordnungen ab. Die kunstvolle Balance von Gegensätzen, von harten Bildformen und weichen Übergängen, die formalen und auch technischen Kontraste sind deutlicher bildhafter Ausdruck dieser Haltung. Auffallend beschwingt und festlich ist die Stimmung des "Symphonischen Frieses". Manch eine Arbeit wirkt ruhiger ("Stimme des Waldes"), eine andere dynamischer ("Vulkan II", "Ausbruch") - voller Spannung und malerischer Dramatik sind sie allemal. "Meine Bilder sind ja auch ein Gleichnis fürs Existentielle", meint der Maler dazu.

Im Unterschied zur Malerei sind Schellenbergs Zeichnungen und die collagierten Acrylblätter etwas näher am Gegenständlichen orientiert. Die helltonigen Arbeiten auf Papier der Reihe "Antike Ausgrabung", 2013, reflektieren beispielsweise auf sehr spezielle Weise und unter Einschluss antikisierender Bildfragmente den Reichtum einer bedeutenden Kulturlandschaft. Die Aktzeichnungen entstehen ganz klassisch vor dem Motiv, das in einer gesteigerten, meist reduzierten Konkretheit erhalten bleibt. Allein kraftvolle Konturen geben den Akten Gestalt. Klare Linien, schön in ihrer Straffheit und Prägnanz, umreißen eine üppige selbstbewusste, aber dennoch verletzliche Körperlichkeit. Die Formen sind weitgehend vital-ornamental. Um Psychologisierung geht es dabei nicht. Die Zeichnung selbst - als wichtiger Ausgleich zur Malerei - ist das Wesentliche dieser Blätter.

Die Ausstellung in der Werkstättengalerie (Kurator: Colin Ardley) erfüllt höchste Ansprüche. Sie zeichnet sich durch erlebnissteigernde Präzision aus. Die Hängung und Platzierung der Werke im Raum und zueinander ist streng und nobel. Die Ausstellung ist ja in gewissem Sinne auch eine Jubiläumsausstellung, denn Schellenberg wird in Kürze 70 Jahre alt. Sie führt deshalb gewichtige Arbeiten aus verschiedenen Jahrzehnten und Werkabschnitten des Künstlers zusammen. So lässt sich eine bemerkenswerte Kontinuität im gesamten Schaffen erkennen, sowohl was ihre künstlerische, geistige und emotionale Durchformung als auch die technische Realisierung betrifft. Im Grunde sind diese Arbeiten in der zeitgenössischen Kunst einmalig. Für derartige großzügige Kompositionen mit solch samtig-weichen Oberflächen und mit regelrecht haptischen Qualitäten, mit feuernden, leuchtenden, schimmernden Farbverläufen, die aus der Natur-Kraft der Pigmente gespeist werden, finden sich kaum Vergleiche.

i bis 31. Mai, Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten, Moritzburger Weg 68, geöffnet Mo-Fr 9-17 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.05.2013

Axel Schöne

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