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Malerei von Osmar Osten und Plastiken von Kirsten Jäschke in der "Runden Ecke" des riesa efau

Malerei von Osmar Osten und Plastiken von Kirsten Jäschke in der "Runden Ecke" des riesa efau

"punto in aria": Der Titel dieser Ausstellung in der Galerie Adlergasse ruft schon durch seinen melodischen italienischen Sprachklang vielfältige Assoziationen hervor, die man bei der Betrachtung quer lesen und einen Bezug der Arbeiten zu sich selbst herstellen sollte.

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Kirsten Jäschkes Bodeninstallation aus Porzellan wirkt wie eine Schar von Wolken oder kriechenden Lebewesen.

Quelle: Heinz Weißflog

Ursprünglich handelte es sich bei diesem Begriff um die Bezeichnung einer feinen, weiß genähten italienischen Spitze aus dem 17./18. Jahrhundert, zu deutsch: "Stich in die Luft". Der Chemnitzer Maler Osmar Osten und die in Dresden-Gohlis lebende Plastikerin Kirsten Jäschke haben sich hier zusammengefunden, um neueste Ideen zu präsentieren. Dabei entstand ein dialektischer Zusammenhang von Raum, Objekt und Bild. Ein Gesamtkunstwerk aber wollten beide nicht. Sie agieren mit starken Stimmen und Stimmungen, gehen den Dingen auf den Grund, scheinbar leidenschaftslos, aber immer beharrlich und renitent. Beide haben ihre Bildsprache auf ein Minimum reduziert: Durch das Wenige wird das Ganze wichtig. Und das spielerisch und mit Humor.

Der Maler Osmar Osten bemüht die Deutsche Post mit schön verschnürten Päckchen. Man spürt die physische Präsenz der Linie, ihre malerische Illusion. Man folgt den Malspuren und Ölhäufchen hier und dort. Den Schleifen sieht man ihre feine Materialität und Stofflichkeit an, schattiert und plastisch wie bei einem großen Ölschinken, aber auch die Linie abgespeckt, pathoslos und lapidar. In einer kleinformatigen Fünferserie leuchten die Bildflächen in verschiedenen Valeurs von Blau und Grün. Die immer andersfarbige Schleife bildet den Kommunikationsmittelpunkt (punto). In den Großformaten ist die Linie kontrastreicher und wird von seltsamen Gewächsen an ihren Kreuzpunkt beherrscht. Assoziationsnähen stellen sich ein, plötzlich taucht eine dunkle Fläche auf, oder, wie auf einer Sitzstange, der malerische Luxus einer Reihe von bunten Vögeln, Wellensittichen vielleicht. Farbwolken verdichten sich an diesen mager gesäten Stellen malersicher Opulenz. Man kann die Schleife auch symbolisch als soziale Begegnung auffassen, als Verbindung zum (christlichen) Kreuz und seiner Lineatur.

Wie feine, durchbrochene Spitze muten die Boden- und Wandinstallationen von Kirsten Jäschke an. Über Monate hinweg entstand eine Bodeninstallation aus 920 Porzellaneinzelteilen. Blütenartig (aus sechs ovalen Blütenblättern) liegen sie in einer offenen Drachenform auf dem Boden und wirken wie eine Schar von Wolken oder kriechenden Lebewesen. Die Arbeit an den Modulen glich einem "mechanischen Prozess", der sehr lange dauerte und mit dem langwierigen Knüpfen eines Teppichs vergleichbar ist. Beliebig lassen sich weitere Module "andocken" und der Auslegebreich erweitern. Durch Umgehen beginnt die Arbeit plötzlich lebendig zu werden. Die feingliedrige Struktur des Scherbenflieses lässt das Licht hindurch wie blitzende Nadelstiche und färbt sich je nach Einfall der Sonne im Raum immer wieder anders, von Hellweiß bis Rosa. Ihre Wandinstallation mit runden, unterschiedlich großen Blüten auf drei Ebenen verziert nicht nur die karge Wand durch ihre Lichtdurchlässigkeit, sondern lässt Stimmungen und atmosphärische Schwingungen der Künstlerin erahnen, die immer mit Kopf und Bauch gleichermaßen bei der Arbeit ist. Zeichnungen auf Transparentpapier ergänzen die Ausstellung, fein unterkühlt und auf das Raumprovisorium antwortend.

Bis 17. Oktober. Galerie Adlergasse, "Runde Ecke", Adlergasse 14, Tel. 0351/ 8660211

mittwochs 14-18 Uhr, donnerstags 15-19 Uhr freitags 15-19 Uhr

www.riesa-efau.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2012

Heinz Weißflog

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