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Malerei von Michael Lauterjung und Arbeiten von Künstlern der Kunstausstellung Kühl

Würde und Schönheit des Alltäglichen Malerei von Michael Lauterjung und Arbeiten von Künstlern der Kunstausstellung Kühl

Dem Besucher der aktuellen Präsentation in der Kunstausstellung Kühl bleiben die 26 Tafelbilder des bei Rostock lebenden und arbeitenden Malers Michael Lauterjung (geb. 1959 in Stuttgart) lebhaft im Gedächtnis.

Michael Lauterjung. Quitte. 2016, Acryl, Lack, Öl auf Holz (Ausschnitt)
 

Quelle: Michael Lauterjung

Dresden.  Dem Besucher der aktuellen Präsentation in der Kunstausstellung Kühl bleiben die 26 Tafelbilder des bei Rostock lebenden und arbeitenden Malers Michael Lauterjung (geb. 1959 in Stuttgart) lebhaft im Gedächtnis. Die übergroßen Stillleben mit Blumen, Früchten und Küchengemüse sind minutiös gemalt und entfalten eine Opulenz, die einzigartig ist. Im zentralen Raum der Galerie zieht ein Bild mit übergroßen Trüffel-und Pistanzienpralinen die Aufmerksamkeit auf sich, was zwar gewagt aber nicht ohne frappierende Wirkung ist. Vor einem abstrakt-informellen Hintergrund, der schrundig und mit dem Rakel. oft unter Einsatz von Baumwollstoffen, bearbeitet wurde, entfaltet sich das jeweilige Fruchtensemble, wie die aufgeschnittenen Zitronen, die einzelne Birne oder die humorvoll gelegten fünf Heidelbeeren (“Das fünfte Rad am Wagen“, Acryl/Lack, 2015) sowie schön geschwungene, flache Schalen, darunter eine aus chinoisem Porzellan, meist mit Früchten oder Beeren gefüllt. Neben den drei übergroßen Schwertlilien-und Tulpenstillleben haben auch Strauchtomaten und die roten und grünen Chilischoten (hier mit einer Andeutung von Erotik nicht nur im Titel) einen Platz auf Michael Lauterjungs Bildern gefunden. Oft sind die Titel der Bilder Anspielungen, Sprichwörtern entlehnt oder als Allegorien formuliert. Von besonderem Interesse ist die sinnlich betonte Malerei des Makrostilllebens, seine Ausstrahlung, die Freude und ein Schmunzeln auslöst. Im Hintergrund strahlt immer noch etwas von der Farbe der Früchte, ein farbliches Echo, manchmal mit Weiß gehöht, zarte Spuren, die das Bild lebendig machen und keine Langeweile aufkommen lassen. Der informelle Teil des Bildes folgt den Gesetzen der modernen Malerei, während die Protagonisten des Bildes, Beeren und Früchte, in naturalistischer Manier gemalt sind. In diesem Sinne tritt der Maler auch formal in einen Dialog mit der Geschichte der Malerei, insbesondere des Stilllebens, wie es seine Zitate von Georg Flegels (+1638) Stillleben zeigen. Flegel war einer der ersten deutschen Stilllebemaler des 17. Jahrhunderts, dessen Bilder heute noch zum Teil bekannt und hoch gehandelt werden.

Am Beispiel von Michael Lauterjung zeigt sich, dass man über gute Malerei nicht viel Worte zu machen braucht. Die nach einem Besuch der Galerie immer vor Augen stehenden Bilder genügen sich nicht nur selbst sondern haben durchaus die Funktion, Vergnügen und Freude auszulösen. Hier werden die Sinne angesprochen. Es ist, als ob die Früchte ihren typischen Duft verbreiteten, so lebensecht sind sie gemalt. Die Illusion ist perfekt. Insofern stehen sie den altdeutschen und holländischen Stillleben in nichts nach. Auch der Bildträger Holz, den Lauterjung verwendet, hat seine Berechtigung: Er steigert den materiellen und ideellen Wert des Bildes in der Tradition der klassischen Tafelmalerei stehend. Und für die Bildaussage durch Einbeziehung seiner Struktur beim Malen folgend ist es auch wichtig.

Die Schale als Bildgegenstand ruft Assoziationen an filigrane, chinoise Porzellanstücke wach: Lauterjung malt sie in fast stoischer Art, berücksichtigt in manchen Fällen ihr Dekor; auch ihre Füllung (meist Beeren und Kirschen) präsentiert sich sinnlich und zum Verzehr auffordernd. Eine Schale mit roten Johannisbeeren trägt den Titel „Medusa“ II (2011). Blutrot der Hintergrund, fein ziseliert und streifig, nuancenreich. Das Bild wirft viele Fragen auf, bleibt aber die Antwort schuldig: Fragen scheinen hier wichtiger zu sein als die Antwort.

Michael Lauterjungs Tafelbilder haben eine eigene Magie: Rätselhaftes wird gesteigert durch den informellen Hintergrund, der wie auf einer Bühne, die Dinge frei im Bildraum schweben lässt, ohne Sockel oder Grundlinie. Seine Stillleben sind Sinnbilder des Alltäglichen, seiner Würde und Schönheit. Gerade die „kleinen“ Dinge machen das eigentlich Große aus. Durch die Perfektion der malerischen Technik, die naturalistische Feinheit der Bildaussage, werden auch Brücken gebaut zwischen Heute und Gestern nicht nur wie im Falle Georg Flegels. Michael Lauterjung hat mit dieser Zweiheit und Zwiesprache des Formalen eine reale Antwort auf die in der postmodernen Malerei gestellten Fragen nach Erneuerung gegeben.

Der Ausstellung sind im Kabinett und im Balkonzimmer Arbeiten vor allem Stillleben von Künstlern beigebeben, die zum Bestand des Hauses gehören. Darunter sind neben großen Namen wie Hans Jüchser, Ernst Hassebrauk, Elisabeth Ahnert u.a. auch junge „Entdeckungen“ von Sophia-Therese Schmidt-Kühl, wie Tilo Ettl (geb. 1964, er wird in der nächsten Ausstellung mit Klaus Schiffermüller ausstellen) und Jan Dörre (geb. 1967), dessen markantes Stillleben „Süßer Trank“ (Öl, 2015) mit Saftglas, Buch, Quitten, Kirschen und einer vorwitzigen Maus am Fenster in traditioneller Manier gemalt ist.

Bis 19. November. Kunstausstellung Kühl, Nordstraße 5, 01099 Dresden. Kontakt: 0351/ 804 55 88 www.kunstausstellung-kuehl.de geöffnet: Mi-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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