Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Malerei von Klaus, Pauline und Rosemarie Ullrich im Einnehmerhaus Freital

Malerei von Klaus, Pauline und Rosemarie Ullrich im Einnehmerhaus Freital

In der "Wilser Werkstatt", 15 Kilometer entfernt von Halle, arbeitet die Künstlerfamlie Ullrich - Vater, Mutter und Tochter - diszipliniert an ihrem Werk. Die Einfachheit der dörflichen Verhältnisse zwingt zu Konzentration und Bündelung der Kräfte, ob im gemeinsamen oder separaten Tun.

Voriger Artikel
Werke von Valentin de Boulogne gehören zu bemerkenswertesten Schöpfungen der Caravaggio-Nachfolge
Nächster Artikel
"Glückauf"-Gymnasium Dippoldiswalde Altenberg bei "Kids on Stage" in Hellerau

Malerei von Klaus-Dieter Ullrich und Plastik von Pauline Ullrich.

Quelle: Heinz Weißflog

Abgeschiedenheit und soziale Selbstfindung bedingen einander. Zu dritt sind sie nun mit ihren Werken im Freitaler Einnehmerhaus zu sehen, in einem wohltuenden Miteinander ihrer Handschriften, die sich als Grafik, Malerei, Objektkunst und Plastik artikulieren. Vier Räumlichkeiten und die beiden Flure des Hauses gehören Klaus-Dieter (mit Malerei) und Pauline Ullrich (Plastik), während ein ganzer separater Raum den Materialdrucken und Metallobjekten von Rosemarie Ullrich vorbehalten ist.

Das Zentrum der Ausstellung bilden die Ölbilder von Klaus-Dieter Ullrich. Seine pastellfarbene, erdige Ton-in-Ton-Malerei betont das Archaische. Mit meist aufgehellter Palette werden seine Bilder zu Palimpsesten römischer Wandbildmalerei und persischer Miniaturen. Alte Geschichte wird transparent, wenn man vor einem modern aufgefassten Hera-Kopf von Pauline auf eine Malerei blickt, die schon vergilbt, immer noch lesbar ist, als Wandbild eines römischen Bades vielleicht oder als geheimes Mandala des tantrischen Hinduismus oder Buddhismus. Seine opaken Farbschichtungen erzeugt Klaus-Dieter Ullrich durch selbst zubereitete Ei-Öl-Tempera. Das Durchscheinen reizt den Betrachter zur eingehenden Auseinandersetzung mit dem Bild, wie in "Persische Jagd", dem thematisch wohl eine Miniatur zugrunde lag. Reiter, Jäger und wildes Getier tummeln sich auf fast unkenntlicher Unterlage, deren glanzvolle Farbigkeit nun nur noch als Hauch eines Eindrucks hervorschimmert. Näher dran ist Klaus-Dieter Ullrich mit seinen "Reklame-Bildern", die ohne Nostalgie mit alten Putzresten agieren ("Drogerie", "Zigarrenhaus") und sich zaghaft von späterer oder verblassender Übertünchung abheben. Bei anderen Bildern assoziiert man Versteinerungen oder einen mit Weidenblättern ("Weiden, Öl, 2007) bestreuten Fußboden.

Pauline Ullrichs lebensgroße, schütter bemalte Büste "Einübung der Innenspur", die zwischen den Bildern des Vaters steht, zeichnet sich durch eine spröde, poröse Oberfläche mit bröckelnder Farbe aus, die Kleidung und Körper überzieht wie ein archäologisches Substrat und mit ihrer Verletzbarkeit einen sichtbaren Gegensatz zur Glätte heutiger Verhältnisse bildet. Ihre Porzellan-, Steinzeug- und Tonplastiken bestechen durch eine eigenwillige Formung: Meist sitzt eine ausgeprägter, aber verkleinerter Kopf auf einem spiraligen, übereinandergetürmten Körper, der oft wie eine bizarre Gesteinsbildung wirkt (ähnlich einem ausgewaschenen Sandsteinfelsen). Die Plastik "Figur mit grünen Punkten" ragt durch ihren Realismus aus der Reihe der sich ähnelnden, mehr abstrakt gehaltenen Figuren heraus.

Auf dem Gebiet der Lithografie hat die junge Künstlerin einiges zu bieten: Im Flur staffeln sich auf einem Blatt fallende Figuren aus einer Mauer aus Steinen ("Die Verwehten") und nehmen damit Klaus-Dieter Ullrichs Thema vom ewigen Werden und Vergehen wieder auf. Strenge und Disziplin herrschen in beiden Medien, aber auch das Bedürfnis, die Grenzen des natürlich Fassbaren zu überschreiten.

Ganz anders präsentiert sich Rosemarie Ullrich. Den kleinen Mehrzweckraum im 1. Stock füllen Materialdrucke und Metallobjekte. Neben einem Prägedruck schmücken die Wände farbige Drucke von übergroßen Zellstrukturen (Radiolarien, Einzeller) und leuchten in zartem Blau oder Gelb. Drei "Einzeller" hängen im Raum; große, tellerförmige Metallobjekte, mehrfach durchbrochen und mit zwei bis vier Material-Ebenen: "Lichtnetz", ein streng gehaltenes Edelstahlgeflecht, "Schmetterlingsflügel" aus Aluminium mit kleinen, in den Raum geknickten Messing-Flügeln sowie "Flugsamen", ein Objekt aus genieteten und geschmiedeten Kupfer-und Aluminiumteilen.

Bis 7. Juli. Einnehmerhaus, Dresdner Straße 2, 01705 Freital. Geöffnet: Di.-Fr. 16-18 Uhr, Sa. und So. 11-17 Uhr.

www.kunstvereinfreital.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.06.2012

Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr