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Malerei von Karen Graf im Zahnärztehaus

Malerei von Karen Graf im Zahnärztehaus

Das Einfache und Alltägliche findet in der Malerei der Radebeuler Malerin Karen Graf seinen besonderen Platz. So gehen in ihren Bildern die Blicke auf die Straße in eine offene Land- schaft oder auf Gärten und Parks mit dunklen und verschwiegenen Durchgängen, Gedenksteinen und blühenden Bäumen.

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Karen Graf. Bunte Wäsche. Öl auf Leinwand. 2009.Repro: Ralf Wöhling

Eine Bushaltestelle am Waldrand steht in herbstlicher Stimmung. Schmückendes tritt oft hinter einer feinen Farbigkeit zurück, die in einer schlichten Flächigkeit für sich wirkt. Dabei kommt Karen Graf mit wenig Bildpersonal aus: ein Paar, das Hand in Hand durch die herbstliche Vorstadt spaziert oder eine junge Frau, die (von hinten gesehen) mit flinken Handgrif-fen dabei ist, ein Wäschestück aufzuhängen.

In einer Ausstellung im Zahnärztehaus Dresden sind jetzt Karen Grafs Ölbilder der vergangenen zehn Jahre, Landschaften, Genrebilder und Stilleben zu sehen. Wichtig sind ihr die Erleb- nisse vor Ort, die sie speichert und später im Atelier umsetzt. Ihre Motive, die danach nie deckungsgleich auf der Leinwand erscheinen (eher handelt es sich um Landschaften, die in ihrer Fantasie existieren) entnimmt sie vorwiegend dem heimischen Radebeul, Dresden und der Umgebung, aber auch ihren Reisen. Farben wie Violett, Rosa, Stufungen von Gelb und rötlichem Braun in toniger Verbindung sind Kennzeichen ihrer Kunst. Jedes Bild hat seine charakteristische Farbgebung durch eine dominante Farbe. Dabei bevorzugt sie Grün, wie in blaugrünen Weihern mit in den Himmel ragendem Baumgeäst, in Parks und in ihren zahlreichen Fantasielandschaften. Die Feinheit der Konturen entfaltet sich an den Rändern der Flächen, die starke Kontraste hervorrufen und eine gewisse Kompaktheit des Landschaftlichen haben. Meist sind ihre Landschaften menschenleer, und wenn welche darauf vorkommen, so sind sie in stiller Hingabe an ihre Stimmungen versunken, wie in den ominösen und vieldeutigen Bildern von August Macke.

Grafs Söhne - sie lebt seit 1988 mit ihrem Ehemann, dem Maler Peter Graf zusammen - spielen in ihren Bildern auch eine gewisse Rolle: Paul sitzt am See, den gelben Strohhut im Nacken, und blickt in die Ferne, entrückt und nur von hinten zu schauen. Karen Grafs Kunst wirkt, als hätte sie den Himmel auf die Erde zurückgeholt, immer aber von Träumen gekrönt. Ihre Malerei erinnert manchmal an Henri Rousseaus Verspieltheit und Naivität, aber auch an die geheimnisvolle Aura des Surrealisten René Magritte. Das Stillleben legt Karen Graf unverstellt in der Fläche an. Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Orangen und Gurken sind schlicht und locker arrangiert, duftig und sinnlich, gemalt in feinen Pastelltönen, aber ohne Illusionismus.

Hier wird von einfachen Dingen erzählt, wie selten in hiesiger Malerei, noch mit der Lust am Formen und Malen, am Schaffen selbst, das sich selbst genügt, ohne etwas zu wollen, ohne Botschaften. Viele Anregungen empfängt die Künstlerin durch die Familie und auf Reisen. Das kleine Atelier neben dem des Gefährten in der ehemaligen Radebeuler Schuhfabrik ist voller Bil-der. Inspirierend ist auch der Blick von dort nach draußen auf Industriebrachen, moderne Architekturen, Gleisanlagen und die Lößnitzberge. Der äußerliche Umbau dieser Landschaft scheint für Karen Graf eher anregend durch eine unbewusste Abgrenzung von der Realität. Ein wenig romantisch, aber ohne süßen Dilettantismus: Hier fahren die Fernzüge und vermitteln eine Ahnung von Ferne mit Anschluss an die Welt.

Karen Graf ist seit vielen Jahren Autodidaktin, was der Qualität ihrer Bilder keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Hier wirkt eine Künstlerin, die unabhängig vom Markt ihr Eigenes durchsetzt, ihrem Ideal von Malerei folgt und darin Bemerkenswertes leistet.

bis 1. März. Zahnärztehaus Dresden, Schützenhöhe 11, Mo-Fr 8-17 Uhr geöffnet

www.zahnaerzte-in-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.01.2013

Heinz Weißflog

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