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Malerei von Harald Metzkes in der Galerie Klinger in Liegau-Augustusbad

Malerei von Harald Metzkes in der Galerie Klinger in Liegau-Augustusbad

Harald Metzkes (geb. 1929 in Bautzen) umgibt ein wenig die Aura einer Legende. Über Jahrzehnte war er für eine Reihe Künstler, die man der "Berliner Schule" zurechnet, eine Art Fixpunkt.

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Harald Metzkes: Stühle im Zirkuszelt, 2006, Öl auf Leinwand.

Quelle: Galerie

Und sie strahlte über Berlin hinaus, wobei die Verknüpfungen zwischen Dresden und Berlin wohl besonders eng waren, hatte Metzkes' Weg doch von Bautzen über die Hochschule für Bildende Künste Dresden nach Berlin geführt. Umso erstaunlicher ist, dass das Bestandsverzeichnis der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nur zwei relativ frühe Metzkes-Werke aufweist. Auch die erste Museumsausstellung vor Ort fand erst jüngst im Leonhardi-Museum anlässlich des 85. Geburtstages des Künstlers statt. Museumschef Bernd Heise widmet sich bekanntlich systematisch Positionen von Kunst aus der DDR, die ihre Wirkkraft bis heute behalten haben.

Viel Metaphorisches

Derzeit zeigt die Galerie Klinger einige der für Metzkes so typischen Landschaften, Stillleben, Porträts, Familien-, Atelier-, Zirkus- und Varietészenen - sie alle Ausdruck des vom Künstler so genannten "Welttheaters". In vielen seiner Bilder spürt man etwas über den konkreten Bildgegenstand Hinausweisendes - gleich, ob es sich (um zwei Beispiele aus der Ausstellung zu nennen) um "Stühle im Zirkuszelt" (2006) oder ein "Tee-Stillleben" (2015) handelt. Viele Bildformulierungen erweisen sich oft als Metaphern - etwa die seit den 1980er Jahren häufig gemalten Harlekine und Seiltänzer, die zahlreichen Zirkus- und Varietészenen oder die Darstellungen des doppelgesichtigen Janus. Ein "Äpfel werfendes Publikum" von 1989 vermittelt zweifellos mehr als den Kommentar zu einem schlechten Bühnenerlebnis. Nicht nur die eigenen Seherlebnisse, sondern ebenso Literatur und mythologische oder andere Überlieferungen, so der commedia dell'arte, bilden ein reiches Anregungsfeld.

Der Reiz des Alltäglichen

Der Künstler und seine Kollegen standen einst vor der Frage, einen künstlerischen Weg jenseits politischer Instrumentalisierung zu finden. Metzkes erlebte während seines Studiums (1949-1953) eine Hochschule zwischen "Formalismusdebatte" und Lehrern wie Wilhelm Lachnit (1899-1962). Es entstanden Freundschaften, so mit Werner Stötzer und Manfred Böttcher, später auch mit John Heartfield und dessen Frau. Die Heartfields lernte er in Berlin kennen, wohin ihn sein Meisterschülerstudium an der Akademie der Künste bei dem Ur-Berliner Otto Nagel führte (1956-1958). Nicht unbedeutend war, dass bis 1961 hier die "Tür" noch offen war, um im Original beispielsweise Werken Picassos und Hofers, aber auch Beckmanns und der Nachkriegsmoderne zu begegnen.

In Berlin traf er auch auf die Bilder Ernst Schröders, der der Auslöser dessen war, was man "Berliner Schule" nennt. Unlängst würdigte das Leonhardi-Museum dessen Bilder erstmals umfassend. Dessen vom Motiv einfache, scheinbar private, farbreduzierte (dunkle), magisch wirkende Bilder wurden in der DDR nie öffentlich gezeigt. Besonders nach dem Mauerbau 1961 bildete sich die "(Ost)Berliner Schule" weiter aus: Christa und Lothar Böhme, Wolfgang Leber, Dieter Goltzsche, Klaus Roenspieß, Konrad Knebel sind Namen, die man neben Metzkes nennen könnte und die eine ähnlich künstlerische Auffassung verband - den Reiz des Alltäglichen auszuloten, die klassischen Themen der Malerei zu pflegen und sich vordergründiger Politisierung zu entziehen.

Offizielle Kritik blieb nicht aus, etwa, dass die Bilder zu "dunkel, pessimistisch" seien. Dabei entsprach Metzkes' "schwarze Periode" durchaus den wenig glanzvollen fünfziger und frühen sechziger Jahren. In Vierteln wie dem Prenzlauer Berg, wo der Künstler Jahrzehnte am Kollwitzplatz lebte, erhielt sich manches von diesem Lebensgefühl länger als anderswo. Wenn sich Metzkes' Palette auch aufhellte, das Streben der Kunst zu geben, was der Kunst ist, blieb.

Oft sagen Jahreszahlen etwas über Zeit: Das gilt für sein 1968 gemaltes, ziemlich hilflos wirkendes, stehendes Pferd ebenso wie die in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten entstandenen Bilder von Seiltänzern, wackligen Stelzengängern, Artisten auf schiefen Leitern in Zirkusarenen und Varietés. Letztere kann man durchaus als "Kommentare" zur Realität verstehen. Hierher gehören auch die schon erwähnten "Stühle im Zirkuszelt". Das Theater ist aus, könnte man im übertragenen Sinn formulieren, das "Welttheater" aber spielt gewiss fort.

Ebenso - das wird gerade auch in dieser Ausstellung sichtbar - haben die für das persönliche Leben wesentlichen Dinge ihr Gewicht: die Familie, die Natur, der Garten, das Atelier. Sicher spiegelt sich darin auch Metzkes' Alltag auf dem familiären Kunstanwesen in Wegendorf, ebenso wohl die Lebenserfahrung. Das Stillleben "Stuhl und Maske" (2012) wirkt mit seinem Efeuzweig wie ein Epitaph. Das "Welttheater" kann aber wohl auch arkadische Züge annehmen, wie manche Darstellungen vom Strand, aus dem Garten oder vom "Baden im Waldteich" und "Baden im steinigen Bach (beide 2012) vermitteln. Ein wenig fühlt man sich bei letzteren an Sehnsüchte von Künstlern um 1900 nach einem natürlichen Leben, nach einem anderen Lebensideal, erinnert.

Kümmern ums Einfache

Die Frage, ob man leben muss, wie es allgemein üblich ist, ist gewiss auch heute aktuell. Metzkes selbst hatte schon 1976 geäußert: "Ich kümmere mich um das Einfache. Damit ist es in der Kunst wie im Leben. Einfach zu leben heißt nicht, zu leben wie es allgemein üblich ist."

bis 1. August, Schönborner Str. 12, Radeberg (OT Liegau-Augustusbad), geöffnet Mi-Fr 14-18, Sa 10-14 Uhr

www.galerieklinger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2015

Lisa Werner-Art

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