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Malerei von Cornelia Schuster-Kaiser im Einnehmerhaus Freital

Gartenstücke Malerei von Cornelia Schuster-Kaiser im Einnehmerhaus Freital

Gartenbilder, Stillleben und Interieurs der Dresdner Malerin Cornelia Schuster-Kaiser laden in einer Ausstellung des Freitaler Einnehmerhauses zu einem belebenden Rundgang ein, auf dem man das triste Novembergrau hinter sich lassen kann.

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Cornelia Schuster-Kaiser: Bäume im Winter. 2014, Öl.

Quelle: PE

Freital. Gartenbilder, Stillleben und Interieurs der Dresdner Malerin Cornelia Schuster-Kaiser laden in einer Ausstellung des Freitaler Einnehmerhauses zu einem belebenden Rundgang ein, auf dem man das triste Novembergrau hinter sich lassen kann: Die Malerin, die eigentlich Schriftsetzerin gelernt hatte, wollte nicht wie ihr Vater Horst Schuster (1930-2013), Buchgestalterin werden sondern entschied sich für die „freie Kunst“, die Malerei. Ihre wichtigsten Motive dafür findet sie immer wieder im elterlichen Garten auf der Jägerstraße in Dresden hinter und vor dem Haus. „Es ist der Garten meiner Kindheit, in welchem ich gespielt habe, den ich im Wandel durch die Jahreszeiten immer wieder neu erleben konnte...“ schreibt die Malerin in einem Statement. Der historische, barocke Vorgarten wird im Sommer immer mit frischen Zierblumen und Stauden bepflanzt. Dort wächst auch die Lieblingsblume der Malerin, die Schneeballhortensie. Indem sie den Garten immer wieder von allen Seiten, aber auch aus gleicher oder ähnlicher Perspektive ohne Vorzeichnung malt, hält sie die wechselnden Licht-und Farbstimmungen fest, die jedes Bild zu einem Kleinod der Malerei machen. Der jeweiligen Jahreszeit gemäß entstehen so berührende Gartenstücke mit Blicken, die den Wegen folgend, in schattige Tiefen führen. Herbstlich gestimmte Bilder sind dabei ebenso berückend, wie die von frischem Grün, den roten und weißen Blüten des Rhododendrons belebten Blicke auf den Garten im Frühsommer.

Ein Motiv durchzieht die ganze Ausstellung: Der Blick auf den Hauptweg des Gartens unter den sich wie ein Dach über ihn wölbenden Bäumen, mal belaubt, blütenreich oder winterkahl, immer aber voller Beseelung des Baumgezweiges, das sich torartig öffnet oder sich wie beschützend über die Erde neigt. Es herrscht ein besonderer Animismus in den sich biegenden Bäumen. Das ist aber keine naive Malerei, denn Dr. Holger Birkholz (Laudator der Ausstellung) meinte, „die Malerin weiß ganz genau was sie tut“. In ihren Bildern scheint die Zeit still zu stehen. Die Eigenwilligkeit, mit der Cornelia Schuster-Kaiser sich über naturalistische Auffassungen und formale Konventionen hinwegsetzt, ist erstaunlich. Indem sie ihre eigene emotionale Bewegung das Motiv leicht verändernd in das Bild einbringt (in das auch die Optik der kindlichen Erinnerungen einzufließen scheint), entsteht eine ungewöhnliche Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart, eine besondere Poesie in Form und Farbe, die an große Vorbilder denken lässt, wie Paula Modersohn-Becker oder Maler der Dresdner Moderne, aber auch aktuelle Handschriften wie die von Christine Wahl, die ich in einigen Anklängen in den Aquarellen von Schuster-Kaiser wiederfand.

Cornelia Schuster-Kaiser (geb. 1966 in Dresden) nahm 1977-1980 Zeichenunterricht bei der Malerin Maria Adler-Krafft. 1982-1986 besuchte sie die Abendschule der HfBK Dresden und absolvierte 1983-85 eine Schriftsetzerlehre. So wie Christiane Latendorf hatte auch sie eine prägende Begegnung mit dem Maler Horst Leifer. 1987-92 studierte sie bis zum Diplom Malerei und Grafik an der HfBK Dresden in der Fachklasse von Professor Günter Horlbeck. 1994-1996 war sie Meisterschülerin von Professor Claus Weidensdorfer. Die Dresdner Maltradition hat sie bis heute wesentlich beeinflusst, darunter die große Naturverbundenheit und Bodenständigkeit der hier ohne kleinliche Beschränkung und Einseitigkeit schaffenden Künstler.

In den wie Folgen entstandenen Gartenstücken wiederholt sich oft das Inventar. Es sind nicht nur Pflanzen, wie die Hortensie oder der Rhododendron, die immer wiederkehren, sondern auch das Gitter des Balkons, die Sicht auf die geöffnete Balkontür oder Blicke aus dem Fenster, vor welches stilllebenartig schöne Dinge gelegt sind. Im Interieur vereinigen sich Raumbilder, die auch mal konstruktivistisch angelegt sein können, wo innen und außen einander begegnen, wie der Blick vom Flur durch das Wohnzimmer in die Helle des Gartens. Die Beschränkung auf einen immer wiederkehrenden Ort, wie es der elterliche Garten ist, aber auch auf die Wohnung in Altkleinzschachwitz, wo vor allem die Stillleben entstehen, erweist sich so als Segen für Cornelia Schuster-Kaisers Malerei. Vertiefung ist das Ergebnis, eine schlichte Wahrheit über die Natur, in der das Jetzt mit der Kindheit verflochten ist: „Hier wo die dicken Bäume stehen...“ (so der Titel der Ausstellung nach einer Verszeile eines Gedichtes des Pädagogen und Kirchenlieddichters Johann Peter Titz, 1619-1689) haben sich ihre Wurzeln fest in die Erde gegraben.

Bis 13. November. Einnehmerhaus Freital, Dresdner Straße 2, 01706 Freital-Potschappel. Kontakt: www.kunstvereinfreital.de, geöffnet: Di-Fr 16-18 Uhr, Sa und So 10-17 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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