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Malerei und Zeichnungen von Victoria Graf in der Galerie Mitte

Malerei und Zeichnungen von Victoria Graf in der Galerie Mitte

Eine ganze Wand der Galerie Mitte ist bestückt mit unterschiedlich großen, vorwiegend kleinformatigen Bildern, in deren Mitte ein Ölbild mit einem großen Karussell gezeigt wird - dessen Titel allegorisch zu verstehen ist: "Wer nicht mitspielt, fliegt raus" (2015).

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Victoria Graf. Innen wie Außen, Öl auf Leinwand (Ausschnitt)

Quelle: Repro: Galerie Mitte

Die milchig weißen Wirbel der Figuren machen die Geschwindigkeit einer Welt sichtbar, aus der kein Aussteigen möglich ist. Die zahlreichen (über 80) Kabinettstücke beinhalten eine Welt des Spiels ("funny games"), verschlüsselte Reminiszenzen an die Kindheit. Arten und Unarten versäumter oder zu gut gemeinter Erziehung. Solcher Art Anspielungen gibt es in der derzeitigen Ausstellung von Viktoria Graf viele. Surreal-symbolistisch verpackt, werden Erlebnisse der Kindheit mit dem Erwachsensein konfrontiert, die apokalyptische Ausmaße annehmen. Kleine Katastrophen von Mädchen und Jungen zeigen die groteske Welt des Kindes, die bis in die Welt der Erwachsenen reichen. Kindliche Wurzeln, schwerwiegende Folgen, denkt man.

Die kindliche Welt als Ausgangspunkt

Wie schon in ihrer Ausstellung im Kunstverein Meißen im vergangenen Jahr äußert sich in ihren Bildern eine intensive Beziehung zur kindlichen Welt, den Unangepassten der Gesellschaft, die das Gegebene in Frage stellen. Aus dieser Perspektive gesehen, werden Verweigerung und Protest zum zentralen Thema ihrer Malerei und Grafik. Märchenhaftes und Fantastisches durchdringen eine Bildsprache, die am Realismus geschult und oft nach dem Vorbild von Fotos gemalt, ins Allegorische verrutscht und unbequem und fragend an den Betrachter herantritt.

Auch die malerische Bewältigung des "Erzählstoffes" erweist sich als nicht angepasst. Realistische Passagen verwischen sich mit Abbrüchen der Handlung, gleiten ins Dickicht der Flächen und Linien, bei dem die Malspuren plötzlich sichtbar werden. Drippings und Formales umschlingen das Geschehen, die ins Bild gesetzte Figur, verunsichern den Schauenden, weil keine eindeutigen Aussagen gemacht werden. Der Titel ist eine Hilfe für den fragenden Besucher, volle Aufklärung erfährt er aber nicht. Oft hält sie ihre Bildaussagen in der Schwebe. In dieser Ausstellung ist es vor allem die Einzelfigur, auf die sie ihr Alter Ego projiziert. Die Malerei erweist sich so als ein komplexes Bild der Vergangenheit, die in uns wohnt, mit der die Malerin kokettiert und die sie immer wieder über den Habitus der Figur und ihrer Bildstaffage befragt.

In der Serie von bemalten Fotografien werden Sein und Schein von Paarbeziehungen abgetastet. Hochzeitsfotos bieten sich dafür geradezu an. Mit Aquarellkreide auf das Foto gemalt oder Hinterglas (auf die Bildscheibe) wird das Schwarzweiß des klassischen Fotos (der Vergangenheit) bunter und lebendiger, aber auch wie eine Persiflage ins Ironische des Gegenwärtigen gezogen. Die beiden Ebenen treten in einen intensiven Dialog.

Philosophie über das Paradoxe

In den jüngsten Zeichnungen mit dem Titel "Paras" (Paragraphen) mit selbst entworfenen, grenzwertigen Texten (auf Schreibmaschine) philosophiert Viktoria Graf über das Paradoxe in der Welt mit ebenso grotesken Sinnsprüchen : § 1 FRfDE Abs.2: "Das Ziel liegt in jedem Fall auf der Geraden des Weges". In einer anderen Serie von Zeichnungen hat sie das Fragmentarische des menschlichen Körpers bewegt: Hand oder Fuß, Kopf oder Arm, fein durchgezeichnet, begegnen dort konstruktiven Farbflächen und einer versponnenen Lineatur, die in einem besonderen Rhythmus schwingen und sich in der Reihung der einzelnen Zeichnungen von Bild zu Bild fortsetzen.

Viktoria Graf wurde 1985 in Dresden geboren. Sie studierte von 2005 bis 2010 an der HfBK Malerei und Grafik. Ihr Fachstudium machte sie bei Prof. H.P. Adamski und war von 2010 bis 2012 dessen Meisterschülerin. 2012 folgten Arbeitsaufenthalte in der Schweiz, Kroatien und Italien, 2013 in Prag. Im Kabinett sind Aquarelle von Andreas Dress zu sehen.

Bis 22. Juni. Galerie Mitte, Striesener Straße 49. Tel. 0351/ 459 0052. Die-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Zur Finissage am 19. Juni findet um 19.30 Uhr eine Lesung statt.

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.06.2015

Heinz Weißflog

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