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Malerei und Zeichnung von Hans Reiche im Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung

Malerei und Zeichnung von Hans Reiche im Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung

Hans Reiche, der "Zeichner mit dem schnellen Stift", ist eigentlich Wissenschaftler und Motorentechniker, der bis zum 65. Lebensjahr in seinem Beruf arbeitete und weitere 10 Jahre als Berater freiberuflich und ehrenamtlich tätig war.

Immer schon den Künsten zugetan (was ein frühes Bleistiftselbstbildnis von 1952 belegt), hat Hans Reiche vor sechs Jahren intensiv mit Zeichnen und Malen begonnen. Nach einer langen, großen Lebensarbeit startete er in die Kunst, vor allem mit Landschaften, Porträts und Akten, die er in mühevoller autodidaktischer Arbeit nun fast ohne Probleme bewältigt. Dabei zeigte sich eine besondere zeichnerische Stärke im Umgang mit farbiger Kreide und getöntem Papier. Seine "dynamischen Porträts" von Obdachlosen, Ausländern, Arbeitssuchenden und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik machten in Dresden auf sich aufmerksam: Sie entstehen im Gespräch, oft zu dritt, während der Unterhaltung. Dabei erfasst Reiche sein Gegenüber erstaunlich gut, was man bei zwanzig Minuten Arbeitszeit nicht erwartet hätte. Zudem ist Zeichnen für Hans Reiche neben dem Interesse am konkreten Menschen auch eine soziale Aufgabe: In den Serien "Menschenwürde" und "Leben in Dresden" werden Leute von der Straße und in Dresden ansässige Ausländer vorgestellt.

In seiner aktuellen Ausstellung im Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden zeigt der Künstler Bildnisse von drei Obdachlosen, die für die Straßenzeitung "drobs" gearbeitet haben. In einem philosophischen Gesprächskreis, dem Reiche vorsteht, entstanden gemeinsam mit dem Dresdner Pfarrer Michael Kanig Interviews mit den Betreffenden, die in der Obdachlosenzeitschrift in Fortsetzungsfolgen erschienen. Unter dem Thema "Angekommen in Dresden" kam auf ähnliche Weise eine Blätterfolge mit interviewten Ausländern zustande, die sich regelmäßig im Kreis treffen. Die Tatsache, porträtiert zu werden, empfanden alle als große Aufmerksamkeit und Ehre, die ihnen durch den Künstler erwiesen wurde. Eher zweideutig und karikiert erschienen mir die Farbzeichnungen von Medienstars und Politikern, die während Fernsehübertragungen vor dem Bildschirm gemacht wurden.

Mit seinem Talent für das "Wesentliche" arbeitet er auch in der Aktzeichung das Besondere heraus. Jeder Akt wird schließlich aus dem Kopf heraus erfasst und bildet mit dem Körper eine Einheit. Das gelang besonders bei dem Akt "Anabell", das er in verschiedenen Posen darstellt, mal als Liegende, als Halbakt oder Rückenakt in feiner farbiger Abstimmung, die von einem feinen Weiß oder auch von der Farbe gewöhnlichen Packpapiers ausgeht.

Landschaftbilder malt Hans Reiche aus Freude an der Natur, am Gehen und sich Bewegen. Spontan und ohne Staffelei oft auf ebener Erde und auch ohne Korrektur im Atelier entstehen ausdrucksstarke Aquarelle. Orte wie das Weißeritztal, der Rabenauer Grund, die Sächsische Schweiz, der Plauensche Grund und Reiches Weg zum Felsenkelleratelier, aber auch die Steilküste von Rügen, wurden im Aquarell und in der Mischtechnik festgehalten. Erstaunlich die herbstlichen Ansichten von tiefen dunklen Wäldern in buntem Laub. Während seiner Arbeit als Senoirexperte in der VR China erlebte Hans Reiche die asiatische Landschaft, aber auch die urbanen Bauten aus der Kaiserzeit. Begeistert von deren Anmut und Struktur malte Hans Reiche seine Eindrücke vom Hotelzimmer aus und ging unter die Leute, wie es seine Gewohnheit ist. Stempel und Reispapier gehören seitdem zu seinem Lieblingsgegenständen, die er sich immer wieder besorgt. Manche farbige europäische Landschaft, wie jene aus der Toscana, erfährt im schlichten Tusche-Schwarz-Weiß eine chinoise Verwandlung.

Hans Reiches leidenschaftliche, ehrgeizige Kunstausübung im fortgeschrittenen Alter ist ein Bekenntnis zum eigenen Talent. Auch in den Berufsjahren bestand eine große Nähe zur Kunst und eine Sehnsucht nach Selbstverwirklichung auf diesem Gebiet. Jetzt hat er sich mit seiner Ausstellung im IFW in den Kreis von ungelernten Malern eingeführt, die als Mehrbegabte ein Recht darauf haben, als Künstler angesprochen zu werden.

Heinz Weißflog

bis 26. Juni. Leibniz-Institut für Festkörper und Werkstoffforschung Dresden e.V. Helmholtzstraße 20, geöffnet Mo-Fr 7-20 Uhr

Kontakt: Anja Hänig 0351/ 46 59-200. A.Haenig@fw-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2012

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