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Malerei und Zeichnung von Gunter Freyse im Kunstraum Pillnitz

Der Maler als Frosch Malerei und Zeichnung von Gunter Freyse im Kunstraum Pillnitz

Eingestimmt durch ein Percussions-Vokal-Stück des Dresdner Musikers und Komponisten Thomas Zoller eröffnete Bernward Gruner, Galerist und selbst Musiker, eine Ausstellung des inzwischen in Dresden lebenden Malers, Schauspielers, Fotografen und Kameramannes Gunter Freyse.

Bildausschnitt

Quelle: Kunstraum Pillnitz

Dresden. Eingestimmt durch ein Percussions-Vokal-Stück des Dresdner Musikers und Komponisten Thomas Zoller, Professor für Jazz und Komposition an der Hochschule für Musik Dresden, der – wie im Kunstraum Pillnitz schon mehrmals geschehen – eine Erstaufführung bestritt, eröffnete Bernward Gruner, Galerist und selbst Musiker, eine Ausstellung des inzwischen in Dresden lebenden Malers, Schauspielers, Fotografen und Kameramannes Gunter Freyse. Der Künstler (geb. 1937 in Leipzig) studierte von 1960 bis 1966 an der HfBK Berlin, lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Dresden. So fulminant wie die minimalistische, an die spirituelle Musik des Buddhismus erinnernde Aufführung wohltuend die Seele berührte, so intensiv und elementar gehen auch die Ölbilder und Zeichnungen von Freyse ans Herz: Unter dem Titel „Oxo Frosch“ werden 15 Ölbilder gezeigt, in denen der Maler, in einen traurigen Frosch verwandelt, auf einem seiner Bilder erscheint. Damit ist die Perspektive des Understatements, der Demut gemeint, die der Mensch und Künstler angesichts des eigenen erfahrenen Leides einnimmt: Oxo, das ist der Name einer irischen Konservenfirma, deren Logo auf einem Foto von James Joyce zu sehen ist. Damit ist die Spannweite von Freyses Bildern angedeutet. Auch seine Vorliebe für Joyce, dessen skurrile gedankenweite Fantasie eines in die „Odyssee“ von Homer verliebten Dichters, der im Hier und Jetzt den Mythos wiederentdeckt hat, aber auch die Unterschiedlichkeit der Perspektive des Erzähler-Ichs in der modernen Literatur kreierte.

Auch der an Ostasien erinnernde Rahmen, den Zollers Musik aus Glocken und Gongs schuf, wird in den Bildern von Freyse lebendig: Die perfiden historischen Foltermethoden der alten Chinesen regten ihn zu zwei gleichnamigen Bildern an, die zu einer Serie gehören („Folter“, Öl auf Leinwand, 2015). Seine Protagonisten sitzen oder stehen und vollziehen den Tod an sich selbst, sie verhungern oder erhängen sich. Eine andere Serie widmet sich dem Stuhl (altdeutsch: Stuol) als Thron, Sitz und Besitz. Während eines Schlossbesuchs sichtete Freyse einen maroden barocken Stuhl, der wegen seines geschichtlichen Bezugs Eingang in seine Bildwelt fand und im jeweiligen Bild zahlreiche Verwandlungen erfuhr.

Eine besondere Serie von Bleistiftskizzen entstand vor seinen Ölbildserien „Folter“ und „Kamikaze“, fein gebaute, unlavierte Bildbauexperimente und Vorarbeiten, die bereits Abstraktionen von gegenständlichen Vorstellungen darstellen. Abgeklärt sind dabei die selbst gefundenen Themen, die sich mit Geschichte und menschlicher Existenz beschäftigen. Die dazu korrespondierende Malerei zentriert den Bildzusammenhang und lässt das jeweilige Thema langsam aus dem Bildraum aufleuchten und heraustreten.

Im Flur der Galerie befinden sich zahlreiche Gouachen, darunter ein 1965 entstandenes Porträt seiner vor kurzem verstorbenen Ehefrau Gundula (sie hatte 2013 im Kunstraum Pillnitz eine eigene Ausstellung) sowie zwei abstrakte Bilder zu den Jahreszeiten (Herbst und Winter, 1993), ein aquarellierter Kopf (eine Hommage an Sigmar Polke) und ein seltsam verschlüsseltes Aquarell „Gehirn und Erbse“ (1995), das die Einladungskarte schmückt. Der auch als Schauspieler, Fotograf und Kameramann bekannte Künstler war an der Entstehung zahlreicher Filme von Werner Herzog, Herbert Achternbusch u.a. beteiligt, darunter „Fata Morgana“. Zu diesem 1969 gedrehten Science-Fiction-Film, der in Nordafrika spielt und von Außerirdischen handelt, schuf er 2013 ein Ölbild mit dem Wrack eines Autos im Zentrum.

bis 18. Juni, Kunstraum Pillnitz, Wilhelm-Wolf-Straße 1b, geöffnet jeden Samstag 10-13 Uhr und nach Vereinbarung, Kontakt: Tel. 0351/ 265 44 35 und 21 06 69 56

www.kunstraum-pillnitz.de

Von Heinz Weißflog

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