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Malerei und Skulpturen von Weigel und Voigt in der Villa Salzburg

Im Alltag verwurzelt Malerei und Skulpturen von Weigel und Voigt in der Villa Salzburg

2010 bezog die Firma WohnDesign in der Villa Salzburg ein Einrichtungshaus. Der Inhaber Thomas Kontek und seine Frau richten seit einigen Jahren inmitten ihrer Stilmöbel und Einrichtungsgegenständen Kunstausstellungen aus. Diesmal mit Skulpturen von Michael Voigt und Acrylbildern von René Weigel.

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Voigts Skulptur „Begegnung“ und Weigels „Kopf V/003“.

Quelle: René Weigel

Dresden. Der Name „Villa Salzburg“ geht auf den jüdischen Tuchhändler Adolph Salzburg zurück, der das Gebäude 1874 im damals englischen Nobel-Viertel von Dresden errichten ließ. Dort, wo man sich heute am Zoo und Großen Garten wiederfindet, standen bis 1945 opulente, großzügige Villen. Die Bombenangriffe 1945 trafen das Englische Viertel schwer. Die 135-jährige Geschichte des Hauses (1939 verloren es die jüdischen Besitzer) weist Höhen und Tiefpunkte auf. Heute wird das Haus nicht mehr als Wohnraum genutzt. Seit dem Auszug der TU Dresden stand das „Englische Kleinod“ fünf Jahre leer. 2010 bezog die Firma WohnDesign in der Villa Salzburg ein Einrichtungshaus. Der Inhaber Thomas Kontek und seine Frau richten seit einigen Jahren inmitten ihrer Stilmöbel und Einrichtungsgegenständen Kunstausstellungen aus. Diesmal mit Arbeiten von zwei Künstlern, Skulpturen von Michael Voigt und Acrylbilder von René Weigel. Für beide bietet der Alltag in der Stadt besondere Anregungen für ihre Kunst. Das muntere Gedränge in den Straßen oder das gemütliche Verweilen in Cafés, der Blick auf eine besonders schöne Frau oder auf einen sonderbaren Zeitgenossen regen sie zum Festhalten und Skizzieren des speziellen Augenblicks an. Hier finden beide Künstler ihren lebendigen Experimentierraum, der eine als Bildhauer und der andere als Maler.

Michael Voigt (geb. 1965 in Hoyerswerda) ist künstlerischer Autodidakt: Bereits 2007 hatte er am 4. Symposium für Schneeskulpturen in San Martino di Castrozza (Italien) teilgenommen, wo er den Bildhauer Christoph Roßner kennenlernte. Die 3. Transnaturale am Bärwalder See im gleichen Jahr bestritt er bereits mit einem Wandfries im Schloss Uhyst. Das war der Durchbruch zur Bildhauerei. Nun folgte Projekt auf Projekt. Christoph Roßner war das unmittelbare künstlerische Vorbild, die starke Beeinflussung. Die skulpturale Arbeit hat Voigt neben dem Zeichnen schon immer stark interessiert, dabei aber besonders eine realistische, leicht abstrahierte Figürlichkeit. Aber auch das urwüchsige Medium Holz mit seinen Spielarten und Facetten, seinem Artenreichtum und unterschiedlichen Materialeigenschaften. Darunter vor allem Obstgehölze, die in seiner Lausitzer Heimat weit verbreitet sind. Dabei arbeitet er vorwiegend und gern mit ihnen, aber auch mit Robinie und Eiche. Kirschholz ist sein Favorit. Es bietet eine besonders feine Maserung, die für die Schönheit der Holzskulptur von Bedeutung ist. Michael Voigt arbeitet seine lichten Figuren in Unterlebensgröße. Überschlank (hier zeigen sich Einflüsse Giacomettis) betonen sie immer die Vertikale, auch jene, die „um Balance“ ringen oder sich liegend und erschöpft in den Raum drehen, wie die aus einer Kirschwurzel gesägte und anschließend geschliffene Holzskulptur „Der Tagträumer“ (hier werden Einflüsse von Henry Moore sichtbar). Voigt arbeitet immer mit der Kettensäge und lässt an gewissen Stellen das unbehauene Holz stehen, wenn es die Form verlangt, um die Natürlichkeit seiner Skulpturen zu wahren. Viele Bildwerke haben etwas Überhöhtes, Symbolisches an sich, entstammen aber auch der spontanen Beobachtung vor Ort in der Stadt, wo er sich die Archetypik von Gestalt (Körper) und Bewegung (Gestik) abgeschaut hat.

Für René Weigel ist das Gesicht Gegenstand seiner Malerei, in dem sich Reales und Gedachtes, Bewusstes und Unbewusstes spiegeln und sich miteinander mischen. Im Alltag findet er den jungen, dynamischen Jugendlichen, der für ein neues Lebensgefühl steht. Jung, sportlich und schön – ein Ideal, das nicht abwertend gemeint ist –, immer auf der Suche nach Sinn und Selbstverwirklichung. Hatte sich Weigel in den älteren Acrylbildern ausschließlich das Gesicht vorgenommen, so weitet er seit 2011 das Bild bis hin zum Gesamtkörper aus. Er „fischt“ wie Michael Voigt im Alltag und spürt immer wieder Typisches angesichts der ihm begegnenden Menschen auf. Dabei ist ihm die Momentaufnahme wichtig, in der er die aufschlussreiche Mimik des Gesichts festhält, dessen innere Bewegung, Gefühle und Gedanken lebendig zu einer „Illusion“ gerinnen (einer Art Idealporträt) in einem für den Betrachter nachvollziehbarem Charakterbild. Weigels analytischer Sinn fasst zusammen und konzentriert sich auf das Wesentliche in einer knappen und sicher festgehaltenen Form, einem „Realismus der Mitte“, in dem Schönheit und Charakter, Lyrisches und Sachliches keine Gegensätze sind. Weigel schafft seine Bilder in „Stufen der Bewusstheit“, erzählt vom Innehalten in einem Moment der Versenkung oder Selbstbesinnung. Seine Bilder wirken immer authentisch, lebensecht, nah am Menschen, gut beobachtet. Trotz ihrer ungewöhnlichen Farbigkeit sind seine Bilder auch farblich abgerundet und harmonisch, allerdings innerhalb der Grundfarben Blau, Weiß und Rot. Es entstehen Stimmungen, die Menschen aus ihrer Anonymität holen und in einen neuen Wirklichkeitszusammenhang versetzen. Dabei ist René Weigel immer auf der Suche nach dem Geheimnis, das jeder Mensch in sich trägt.

bis Ende Mai. Villa Salzburg, Tiergartenstraße 8, geöffnet Mo-Fr 10-19, Sa 10-17, Uhr.Tel. 0351/27 000 27

www.villa-salzburg-wohnkonzepte.de

Von Heinz Weißflog

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