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Malerei und Skulptur von Robert Finke im Projektraum am Weißen Hirsch Dresden

Malerei und Skulptur von Robert Finke im Projektraum am Weißen Hirsch Dresden

Ein Maler präsentiert einen Maler: Peter Herzog, Regisseur, Maler und Großstadtnomade, kennt Robert Finke (geb. 1978 in Dresden) schon seit mehr als zehn Jahren und schätzt ihn seitdem als besonders Talent und eigenwilligen Leinwandschinder.

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Robert Finke. Susanne. 2014. Öl auf Leinwand (Ausschnitt)

Quelle: Repro: Peter Herzog

Die durch zahlreiche eigene Erfahrungen und durch die Medien geschürten Geschichten verarbeitete er zu Ölbildern, Collagen und Tusche/Aquarellbildern, aber auch zu zahlreichen Holzskulpturen, von denen Peter Herzog eine Auswahl im Projektraum am Weißen Hirsch (Galerie Grafikladen) zeigt.

Diese Kunst aber provoziert und betört durch ihre bewusste Verhässlichung und Deformation des Figürlichen, durch eine naive Art, den Gegenstand abzuklopfen und zu hinterfragen. Das ist keine Publikumsausstellung, die berührt. Fern von jeder Gefälligkeit spricht sie vielleicht Leute an, die ähnliches wie Finke empfinden. Die Zerstörung harmonischer Ästhetikklischees durch selbst empfundene Harmonien ist Absicht und die eigentliche Botschaft von Finke, der die Finger in die Wunden seines Selbst legt, das durch die eigene Gegenwart und ihren Weltzusammenhang irritiert und erschüttert wird. Betroffen macht die naive Art, die wie in Kinderbildergeschichten Rache an den Erwachsenen nimmt.

Zunächst war ich erschrocken: Überall Deformation als Thema. Eine Malerei, die mit Farbe wie mit Blut malt und anmutet, als ob die Figuren im Regen stehn. Schauerlich-schöne Rottöne, entstellte Konturen. Farbtöne in rosa, grün, rot und gelb, die ganze Palette durchgenommen. Mondgesichter und naive Krakelei. Strichfiguren, Hände und Arme, die sich strecken oder herabhängen wie bei Puppen. Erst nach intensivem Schauen klarte sich mir Finkes Bilderhimmel auf, die Spuren des Pinsels wurden sichtbar, leuchteten auf, spröde Oberflächen, Abbrüche und Neuanfänge. Querstriche, ungelenke Proportionen, eher schamanistisch, voodoohaft, eine Art Teufelsaustreibung und Geisterbeschwörung, Tiefenpsychologie, bei der Unbewusstes herausschaut, transportiert über eine Kinderbildersprache, die wie Öffnungen in eine undurchsichtige Innenwelt erscheint auf der Suche nach Halt und Befestigung im Selbst.

Die Narretei von Finkes Bildern gipfelt in solchen Themen wie "Rosamunde Pilcher meats Harry Belafonte" (Öl, 2013), eine Unmöglichkeit unter einer Farbhaube, nur die Beine von beiden stehen verloren und fast peinlich wirkend im Schwarzblau des Bildfonds. "Selbst mit roten Augen" ist ein Affront an Gesehenes, an fertige Klischees. Das deformierte Oval glüht mit roten Gesichtslichtern umgeben von einem kosmischen Farbchaos. "Großes buntes Bild" (Öl, 2013, Einladungskarte) wirkt wie eine aufgefächerte Gestalt mit einem einsamen magischen Auge, in das gelbe Leuchtzeichen wie in einen unregelmäßigen Teppich eingewoben sind. Farbe auf Farbe geschichtet, wirkt das Bild wie ein eine begehbare Landkarte mit einem Zentrum aus in Unwucht gehaltenen Strahlen, die exstatisch kreisen. Der strotzgelbe, expressive Frauenakt aus Eiche scheint sich zu verneigen oder in altmeisterlicher Manier elegant an sich selbst herabzublicken, um nach unten sich zu bücken, als ob er in einem Bade stünde.

Robert Finke studierte nach einer Ausbildung als Steinmetz 2003-2008 an der HfBK Dresden bei den Professoren Siegfried Klotz, Christian Sery und Ralf Kerbach, machte das Diplom bei Elke Hopfe, die ihn als großes Talent erkannte, schätzte und förderte. Seit 2008 lebt der Maler freischaffend in Dresden.

Bis 26. März. Projektraum am Weißen Hirsch, Galerie Grafikladen, Plattleite 66, Mo.-Fr. 9-17 Uhr, Sa. nach Vereinbarung geöffnet.

Kontakt: 0351/ 263 18 62, kontakt@galerie-grafikladen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2014

Heinz Weißflog

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