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Malerei und Grafik von Michele Cyranka in der Galerie Mitte

Tanz unter dem Halbmond Malerei und Grafik von Michele Cyranka in der Galerie Mitte

Seit einigen Jahren hat die Dresdner Malerin und Grafikerin Michel Cyranka den Bauchtanz für sich entdeckt, den sie auch selbst praktiziert und in ihre Malerei und Grafik hineinnimmt.

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Michele Cyranka: Freude. Öl/Collage auf Leinwand, 2015.

Quelle: H. Weißflog

Dresden. Seit einigen Jahren hat die Dresdner Malerin und Grafikerin Michel Cyranka den Bauchtanz für sich entdeckt, den sie auch selbst praktiziert und in ihre Malerei und Grafik hineinnimmt. Unter dem Titel "Tanz des Lebens" vereint eine Ausstellung in der Galerie Mitte vorwiegend intensiv bewegte, temperamentvolle figürliche Arbeiten der vergangenen zehn Jahre. Ihre teils verzückenden Tanzposen sind authentisch. Schwere Düfte scheinen sich durch den Raum zu bewegen. Breithüftige Schöne verbiegen ihren Körper voller Anmut, tanzen unter der Sichel des Mondes. Der Tanz ist für die Künstlerin ein existenzielles Bedürfnis geworden, regt an, tut wohl und weckt die Lebensgeister. Und fand schließlich Eingang in ihre Kunst. Der "Tanz des Lebens" ist auch ein Gleichnis für das Auf und Ab des Lebens für sie geworden, ein Prozess des Fließens und der ständigen Veränderung, wo alles kommt und alles geht. Schließlich bringt sie das in ihre Arbeiten ein: Ihre Träume und Wünsche als selbstbewusste Frau und Künstlerin, ihre täglichen Sorgen und Sehnsüchte, aber auch ihre Freude am Leben.

Abenteuerliche Ägypten-Aufenthalte

Das Interesse für den Orient und die arabische Welt ist nach drei abenteuerlichen Ägypten-Aufenhalten geweckt worden, die sich wie ein Leitfaden durch die Ausstellung ziehen, auch wenn sich Michele Cyranka bei der Auswahl mit wenigen Ausnahmen der Landschaft entzogen hat. Nur eine stimmungsvolle Ansicht von einer Nilfahrt auf das gegenüberliegende Ufer ergänzt die ansonsten figürliche Präsentation. Die jahrtausendealte Kultur der Ägypter wirkte mächtig auf sie, das südliche Licht und die andere Mentalität der Menschen. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die tanzende Frau des Orients, ihre anmutigen Gesten, die Cyranka in einer innerlich berührenden Bewegtheit vorträgt. Der lebendige Ausdruck der oft in viel Blau, Rosa und Rot (man beachte den symbolischen Wert der Farben) gekleideten Frauen erschließt sich im Öl- und Acrylbild vor allem durch einen gewissen räumlichen Abstand. Dann treten die Formen hervor und leuchten von innen; ihr seelischer Anteil wird sichtbar. Man spürt Cyrankas Gefühl für die jeweilige Situation der Tanzenden, die sich über die Körpersprache mitteilt. Die vehementen Bewegungen, manchmal durch einen Schal oder ein Seidentuch als reizvoller Schleier um den Körper in einem Bogen schwingend verschönert ("Tänzerin, Öl, 2015), sind gut getroffene Bauchtanzstücke angesichts der Flüchtigkeit ihres augenblicklichen Ausdrucks.

Neu sind in dieser Ausstellung ihre Tusche/Collagen (im Flur der Galerie) aus der Serie "Vier" (2015). Versatzstücke von zerschnittenen Tuschezeichnungen werden mit zartfarbenen Flächen und Streifen versehen, stürzende Figuren und verhüllte Köpfe treten als figürliche Anteile des Bildes hervor. Hier waltet das Spiel mit den Zeichen-Formen und einer zurücktretenden Farbigkeit der kommentierenden Flächen. Es ist als teilten sich die figürlichen Momente im Informel der Flächenabschnitte mit und verstärkten sie zu einem mutigen, ganz imaginären Tanz der Formen und Bildelemente.

Ohne selbst auferlegte Vorgaben

In ihren zahlreichen Radierungen (Kaltnadel und Aquatinta), die sie manchmal mit farbigen Collagen kombiniert und damit in ihrer Wirkung verstärkt, verarbeitet sie neben dem Tanz auch mythologische Themen wie "Mondfrau", "Windsbraut" und "Medusa" (hier als die dunkle Seite des Weiblichen). In einigen Tanzbildern ließ sich Cyranka von Gedichten Else Lasker-Schülers, Gertrude Steins und der Freiberger Lyrikerin Ute Leukert (für einen Leporello) anregen. Mit ihrer Tonplastik "Tanz" (Keramik, glasiert, aufgebaut, 2013) entlockt sie der Bewegungschwere des Materials eine große Leichtigkeit und formt sie um zu etwas Grazilem. Es entsteht eine Transzendenz ins Leichte, der man die Freude, die ihr die Arbeit gemacht hat ansieht. Cyranka auferlegt sich keine Vorgaben, sie macht, was sie gerne macht, unverstellt und natürlich. Mich hat die großformatige, farbige Tuschearbeit "An der Bar" (2001) besonders durch ihre leichte Dekadenz beeindruckt, die die weiblichen Reize - mit einem Fläschlein verloren in Einsamkeit - sehr gut herüberbringt.

bis 14. November, Galerie Mitte, Striesener Str. 49, geöffnet Di-Fr 15-19, Sa 10-14 Uhr, Kontakt: 0351/ 459 0052

Am 22. Oktober um 19.30 Uhr liest Heidi Heinze aus ihrem Buch "DreckMensch" (Leben über zwei Kriege), Eintritt frei.

www.galerie-mitte.de

von Heinz Weißflog

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