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Malerei und Grafik von Michael Hofmann im Palais im Großen Garten

Malerei und Grafik von Michael Hofmann im Palais im Großen Garten

Dieses Gebäude, eines der ersten Barockbauten in deutschen Landen, erfüllte nur einen Zweck: Es diente als Fest- und Lusthaus des sächsischen Hofes. Ins Zentrum der Ausstellung gerückt ist der großformatige, beeindruckende Farbholzschnitt "Auf Schwingen getragen und frei".

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Michael Hofmann. Auf Schwingen getragen und frei. Farbholzschnitt, 2012.Repro: Palais

Dieses Gebäude, eines der ersten Barockbauten in deutschen Landen, erfüllte nur einen Zweck: Es diente als Fest- und Lusthaus des sächsischen Hofes. "Mit allen Sinnen" - wo wären die rund 40 Bilder der Ausstellung von Michael Hofmann besser aufgehoben als in diesem Bau?

Ins Zentrum der Ausstellung gerückt ist der großformatige, beeindruckende Farbholzschnitt "Auf Schwingen getragen und frei". Der Blick wird geradezu magisch von dem schwebenden Paar angezogen, von dem wallenden roten Haar, den ausgefahrenen Armen der weiblichen Figur. Er wird angezogen von den Schwingen der männlichen Figur, die man gemeinhin bei Engeldarstellungen findet. So verletzlich in ihrer reinen Blöße die Figuren auch sind, so deutlich senden sie erotische Signale aus. Das einzige weibliche Kleidungsstück, das blaue Strumpfband, weist auf die zarte, dezent dargestellte männliche Erregung. "Auf Schwingen getragen und frei" - ein Paar durch Raum und Zeit gleitend, weltvergessen und elysisch. Sieht so nicht Glück aus? Dieses Bild und sein Titel sind durchaus als Pars pro toto für das Hofmannsche Werk zu betrachten. Um den Titel aufzunehmen: Michael Hofmann als Künstler ist frei.

Jeder Künstler hat sein ihn auferlegtes Pensum abzuarbeiten, das sich aus seiner Biografie und seinem Umfeld ergibt, aus seiner Persönlichkeit, aus dem, was man als, sagen wir, unsichtbaren Ballast trägt. Aber eines Tages, wenn man es vermag, befreit man sich von diesem Ballast, man lässt ihn einfach stehen wie einen alten, abgeschabten Koffer. Der Künstler ist nun frei in der Wahl der Themen und Genres. Die Kunst also nicht ausschließlich als Zwang, Strafe, Obsession, wie Ingeborg Bachmann es in ihren letzten Lebensjahren verzweifelnd schreibt, sondern als rettende Tätigkeit verstehen, wie es Hans Werner Henze, der bedeutende Komponist und damalige Partner von Bachmann, für sie beide formuliert. Die Kunst als rettende Tätigkeit: Wenn man sie so begreift, verschafft sie einem eben jene Freiheit.

Michael Hofmann, geboren 1944 in Chemnitz, studiert von 1969 bis 1974 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Neben der Malerei beschäftigt er sich vor allem mit dem Farbholzschnitt, aber auch mit Collagen und Glasfenstern, die hauptsächlich für Kirchen entstehen. Hofmann hat die innere Freiheit gewonnen, die in der Erkenntnis wurzelt: Ich darf alles in Angriff nehmen mit den Mitteln meiner Wahl. Diesen Punkt innerer Souveränität muss man als Künstler erst einmal erreichen, der einen Künstler zu einem großen Künstler macht.

Allein ein Paar zu zeigen, bei dessen Anblick man ausruft: "Sieht so nicht Glück aus, Gegenstand gewordenes Glück!", zeugt von innerer Freiheit und von Kraft, dieser unumwunden Ausdruck zu verleihen. Hofmann genießt die Möglichkeiten seiner gewonnenen Freiheit: Er schwelgt in Farben auf eine Art, die man gewiss nicht ausdrücklich der Dresdner Malschule zuordnen kann. Man vermag ihn überhaupt keiner Schule zuzuordnen. Hofmann malt wie Hofmann. Er ist immer er selbst. Kann man einem Künstler überhaupt ein größeres Kompliment machen?

"Das Urteil des Paris" - Hofmann stellt sich dem Thema in seinem Triptychon eher spielerisch. Paris, nackt unter den drei nackten Göttinnen, kann sich für keine erwärmen, für keine allein: Er hat nicht nur einen Apfel zur Verfügung. Zu seinen Füßen liegen noch weitere. Die Szenerie ist von heiterer Gelassenheit. Während in Bearbeitungen des Themas etwa von Rubens oder Sandro Botticelli ländliche Sujets mit Schafen und Rindern aufscheinen, taucht bei Michael Hofmann der Vogel auf. Ein rotes, zierliches Vögelchen hockt auf Heras Hand als Pendant zum roten Zehennagel und Vervollkommnung ihres Schmucks. Hofmann kann sich indes nicht ganz dem Verlauf der überlieferten Geschichte entziehen: Dunkel schwebt ein Vogel menetekelhaft hinter Aphrodite auf Paris zu. Sie hat ihm die Liebe der schönsten Frau versprochen: Helena, deren Raub den Trojanischen Krieg auslöst. Auffallend ist, dass Vögel als immer variiertes Motiv durch das Werk Michael Hofmanns ziehen: als Aufnahme des Themas oder als kommentierendes Element.

Wie nah Verlangen und Tragik, Leben und Tod beieinander liegen, zei- gen die beiden, sehr sinnlich gestal- teten Farbholzschnitte, die die Ge- schichte der Nymphe Syrinx erzählen. Die für ihre Keuschheit bekannte Tochter des Flussgottes Ladon verschmäht Pans Liebe und wird auf der Flucht vor ihm auf ihre Bitte hin in Schilf verwandelt.

Die Blätter mit den Toskana-Landschaften machen jene Arbeitsweise deutlich, nach der Hofmann vorgeht: Er arbeitet nicht vor, sondern nach der Natur. Nie bildet er eins zu eins ab, sondern fügt einem vorgefunde- nen Motiv, das sein Interesse gefunden hat, Versatzstücke hinzu, die er nach allein ästhetischen Gesichtspunkten auswählt, bis für ihn das Bild stimmig ist.

Hofmann widmet sich sanften Landschaften, aus denen Zypressen aufragen, Pinien, kleine Kirchen, Dörfer, feuerrote und orangefarbene Himmel. Meeresgetier macht sich auf Tafeln breit, Gambero di mare, roh und gekocht, Weinflaschen, dazu der Blick aus dem Fenster in die Weite, aufs Meer.

Spätestens an dieser Stelle darf getrost das Wort Lebensfreude fallen, wie auch der Titel eines Farbholzschnitts lautet. Der Künstler hat ungebrochene Freude am Leben, und er vermittelt sie uns durch diese ebenso wunderbare wie repräsentative Ausstellung, die vervollkommnet wird durch meisterhafte Schwarz-Weiß-Fotografien von Tom Kronbach, die Michael Hofmann bei der Arbeit zeigen.

Ausstellung im Palais im Großen Garten bis 28. Oktober: mittwochs bis sonnabends 14-18 Uhr, sonntags und feiertags 11- 18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2012

Michael G. Fritz

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